Fußball

Fußball-Zeitreise, 26.10.1987 Norwegischer Reporter wird unsterblich

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"Wir haben England geschlagen. England, das Geburtsland solcher Giganten wie Lord Nelson, Lord Beaverbrook, Sir Winston Churchill, Sir Anthony Eden, Clement Attlee, Henry Cooper, Lady Diana - wir haben sie geschlagen."

Manche Sätze sind für die Ewigkeit. In Deutschland erinnern sich viele an die Worte von Herbert Zimmermann aus dem WM-Finale 1954. In Norwegen hat Bjørge Lillelien diesen Status inne. Er ruft Maggie Thatcher zu: "Ihre Jungs haben heute tüchtig einen auf den Sack bekommen."

Bjørge Lillelien ist in seiner Heimat ein Held. Seine emotionalen Radiokommentierungen und Fernsehreportagen werden in Norwegen noch heute immer wieder gespielt. Vor 32 Jahren, am 26. Oktober 1987, starb der Sportreporter viel zu früh im Alter von 60 Jahren. Zwei Tage nach seinem Tod ehrten die Norweger Lillelien beim Länderspiel gegen die DDR mit einer außergewöhnlichen Aktion. Zwei Minuten lang schwiegen sie live im TV vor dem Anpfiff.

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Ein Mann des Wortes: Bjørge Lillelien.

Lillelien war ein Mann des Wortes. Laut, mit viel Gefühl und stets einer persönlichen Note veränderte er die Art der gewohnten Kommentierungen von Sportereignissen nachhaltig, in Norwegen und weltweit. So wie es Lillelien machte, war es einfach speziell. Als sich die norwegische Fußballmannschaft für die Olympischen Spiele in Moskau qualifizierte, schrie der Reporter mehrmals voller Begeisterung in sein Mikrofon: "Genosse Breschnew, hier kommen wir!" Leonid Iljitsch Breschnew war damals das Staatsoberhaupt der Sowjetunion und als "kalter Krieger" gefürchtet. Doch bei dem norwegischen Reporter überwog die Vorfreude auf das Turnier - und die Hoffnung, dass der olympische Geist alle politischen Verwerfungen dieser Tage wenigstens für die Dauer des Wettbewerbs in den Schatten stellen mochte. Leider ein Fehlglaube, wie wir heute wissen.

Unsterblich machte sich Lillelien am 9. September 1981 in Oslo. "Your boys took a hell of a beating", rief der TV-Kommentator an diesem unvergesslichen Abend in sein Mikrofon. Sein Land hatte gerade in der WM-Qualifikation ein Spiel gewonnen. Eine Partie, könnte man meinen, ohne großen Wert. Das Schlusslicht Norwegen hatte bereits vor der Begegnung gegen England in der Gruppe 4 kaum noch eine Chance auf die Qualifikation zur Weltmeisterschaft 1982 in Spanien. Doch das alles zählte nicht. Als das Spiel am Ende mit 2:1 gewonnen war, gab es für Lillelien kein Halten mehr.

"Maggie Thatcher, können Sie mich hören?"

Sein Kommentar von diesem Abend, ein Mix aus Norwegisch und Englisch, ist eine Legende: "Wir sind die Besten der Welt! Wir sind die Besten der Welt! Wir haben England mit 2:1 geschlagen - im Fußball. Es ist einfach nicht zu glauben. Wir haben England geschlagen. England, das Geburtsland solcher Giganten wie Lord Nelson, Lord Beaverbrook, Sir Winston Churchill, Sir Anthony Eden, Clement Attlee, Henry Cooper, Lady Diana - wir haben sie geschlagen. Wir haben sie alle geschlagen. Maggie Thatcher, können Sie mich hören? Maggie Thatcher, ich habe eine Nachricht für Sie. Jetzt gerade mitten im Wahlkampf. Ich habe eine Nachricht für Sie: Wir haben England aus dem Wettbewerb gekegelt. Maggie Thatcher, lassen Sie es mich in Ihrer Sprache sagen, in der Sprache der Boxing Bars rund um den Madison Square Garden in New York: Ihre Jungs haben heute tüchtig einen auf den Sack bekommen. Your boys took a hell of a beating!"

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WM 1958 in Schweden: Herbert Zimmermann im Gespräch mit Bundestrainer Sepp Herberger.

(Foto: imago/Otto Krschak)

Ein Kommentar, der in Deutschland in seiner Wirkung vergleichbar ist mit den Worten von Herbert Zimmermann beim WM-Finale 1954 ("Schäfer nach innen geflankt. Kopfball, abgewehrt. Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen, Rahn schießt, Tooooor!") und in England mit den unsterblichen Sätzen von BBC-Kommentator Kenneth Wolstenholme vor dem alles entscheidenden 4:2 im WM-Finale 1966: "Some people are on the pitch. They think it's all over. It is now!"

Bereits sechs Jahre nach seiner legendären Reportage starb Lillelien an Krebs. Seine Worte leben jedoch bis heute in zahlreichen Abwandlungen und Parodien weiter. Als England 2005 Australien beim Cricket schlug, hieß es beispielweise: "Kylie Minogue! Steve Irwin! Holly Valance! Crocodile Dundee! Natalie Imbruglia! Ian Thorpe! Mrs. Mangel! Can you hear me? Your boys took a hell of a beating!"

Und als Schottland 2005 in Oslo Norwegen besiegte, nutzte der schottische "Daily Record" die Gunst der Stunde für diesen Streich: "King Olaf, Roald Amundsen, Liv Ullmann, Edvard Munch, Vidkun Quisling, Thor Heyerdahl, Henrik Ibsen, Edvard Grieg, Monty Python's Norwegian Blue, Morten Harket und Anni-Frid from ABBA. Your boys took a hell of a beating!" Am 26. Oktober 1987 ging viel zu früh eine legendäre Stimme - doch die Reportagen und Kommentierungen von Bjørge Lillelien werden ewig bleiben.

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Quelle: n-tv.de