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Weg frei für Blatter Platini gibt Fifa-Rennen vorzeitig auf

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In herzlicher Abneigung verbunden: Joseph Blatter und Michel Platini.

(Foto: imago sportfotodienst)

And the Winner is: Joseph Blatter. Schon wieder behauptet der Schweizer seine Macht im Weltfußball-Verband Fifa. Sein größter Konkurrent, Uefa-Boss Michel Platini, verzichtet auf eine Kandidatur bei der Fifa-Präsidentenwahl 2015 - und teilt trotzdem aus.

Uefa-Präsident Michel Platini ebnet den Weg für die nächste Ära Blatter im Weltfußball: Der 59-jährige Franzose erklärte seinen Verzicht auf eine Kandidatur bei der Fifa-Präsidentenwahl am 29. Mai 2015 - damit ist die Wiederwahl von Joseph S. Blatter in seine dann fünfte Amtszeit auf dem Fußball-Thron Stand jetzt nur noch Formsache.

"Ich bin bereit, erneut als Uefa-Präsident zu kandidieren. Alle sprechen von der Fifa, aber vorher haben wir Uefa-Wahlen. Es ist noch nicht an der Zeit etwas anderes zu tun", sagte der Europameister von 1984. Sein "Dilemma" beschrieb er so: "Alle, die mich mögen, möchten, dass ich bei der Uefa bleibe - alle, die Herrn Blatter nicht mögen, möchten, dass ich zur Fifa gehe."

Eine spätere Kandidatur hielt sich Platini offen: "Ich kann Herrn Blatter schlagen, aber vielleicht werden wir das erst in vier, sechs oder zehn Jahren erfahren", sagte er. Der Franzose ließ es sich nicht nehmen, den Fifa-Boss zu kritisieren: "Wir brauchen frischen Wind. Ich habe gesagt, Sepp, du solltest nicht mehr kandidieren", sagte er, und forderte das Fifa-Exekutivkomitee zu Ungehorsam auf: "Diese Leute müssen ein Gegengewicht bilden, neue Ideen einbringen, nicht immer Lämmer sein, die nur 'Ja' blöken."

Champagne absoluter Außenseiter

Die Entscheidung des Chefs der Europäischen Fußball-Union bedeutet zwar zunächst eine Aufgabe im Machtkampf mit dem scheinbar allmächtigen Schweizer. Nach den Ereignissen der vergangenen Wochen ist der Verzicht aber ein weiterer Schachzug. Der Fifa-Kongress unmittelbar vor der WM 2014 in Brasilien zeigte das deutliche Stimmungsbild: Blatter, seit 1998 FIFA-Boss, ist derzeit kaum zu schlagen!

Allein die 54 Uefa-Mitgliedsverbände, darunter auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mit Präsident Wolfgang Niersbach, entzogen Blatter die Gefolgschaft - das alleine reicht jedoch nicht für einen Umsturz. In den anderen fünf Kontinentalverbänden genießt der Schweizer höchstes Ansehen - trotz ständig neuer Korruptionsvorwürfe. Als Uefa-Präsident kann Platini besser Opposition spielen denn als verbrannter Gegenkandidat Blatters.

Verbleibender Herausforderer ist bislang einzig der Franzose Jérôme Champagne, der als absoluter Außenseiter ins Rennen geht. Aufgrund der beim Kongress verabschiedeten Regularien müssen alle Kandidaten noch bestätigt werden. Fraglich ist noch, ob die "europäische Opposition" gegen Blatter einen anderen Kandidaten aufstellen wird - allein des Wahlkampfes wegen. Dieser würde allerdings unter denkbar schlechten Voraussetzungen starten, hatte Platini vor einigen Wochen doch selbst betont, er sei der "Einzige, der Blatter schlagen kann".

Warten auf Garcia

Platinis Verzicht ist die Konsequenz aus einer monatelangen Hängepartie. Immer wieder war der frühere Weltklasse-Fußballer ins Gespräch gebracht worden, wenn das Fifa-Hauptquartier in Zürich neuen Korruptionsvorwürfen ausgesetzt war. "Platoche" aber bat um Bedenkzeit - vielleicht auch in der Hoffnung, seine Entscheidung erst nach Veröffentlichung des "Garcia-Berichts" öffentlich machen zu können.

Die Schmiergeld-Untersuchung der unabhängigen FIFA-Ethikkommission unter Chefermittler Michael J. Garcia zur doppelten WM-Vergabe an Russland (2018) und Katar (2022) gilt eigentlich als abgeschlossen. Hat Garcia Beweise für Betrug und Bestechung bei der Wahl durch das Fifa-Exko im Dezember 2010 gefunden, würde das ein heftiges Erdbeben auf der hohen Funktionärsebene des Weltverbandes auslösen - und auch Blatter schwer ins Wanken bringen. Allerdings könnte auch Platini selbst in Bedrängnis kommen. Der Bericht wird im September erwartet, bevor er an die Spruchkammer mit dem deutschen Richter Hans-Joachim Eckert weitergeleitet wird. Platini aber hat seine Entscheidung nun gefällt - ein Rückzug vom Rückzug wäre kaum konsequent.

Quelle: n-tv.de

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