Fußball

Türkgücü klagt Schweinfurt raus Pokal-Posse macht Schalke fassungslos

Jochen Schneider spricht auf einer Pressekonferenz. Foto: Guido Kirchner/dpa/Archivbild

"Man kann nur den Kopf über die Vorgehensweise des Bayerischen Fußball-Verbandes schütteln."

(Foto: Guido Kirchner/dpa/Archivbild)

Unmittelbar vor dem Auftakt im DFB-Pokal greift das Münchner Landgericht ein. Drittligist Türkgücü München soll den Platz des bayerischen Rivalen Schweinfurt einnehmen und gegen den FC Schalke 04 spielen. Der Bayerische Fußballverband will das so nicht hinnehmen.

Der ehrwürdige DFB-Pokal wird zum Gerichtsfall, der FC Schalke 04 muss seine Planung über den Haufen werfen. Das für Sonntag geplante Erstrundenspiel des Bundesligisten gegen 1. FC Schweinfurt 05 ist nach juristischer Intervention von Türkgücü München vorerst abgesetzt. Das teilte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Freitagabend nach einer spektakulären Wende mit. Über die Neuansetzung werde entschieden, "sobald die juristische Klärung herbeigeführt ist".

Der Drittliga-Aufsteiger Türkgücü hatte beim Münchner Landgericht I per Einstweiliger Verfügung seine Pokal-Teilnahme erwirkt und dies zuvor auf seiner Homepage öffentlich gemacht. Die Entscheidung geht zulasten des Regionalligisten Schweinfurt, der am Sonntag eigentlich die Schalker herausfordern wollte. Der DFB verwies in einer knappen Dreisatz-Mitteilung auf die "noch nicht rechtskräftige Entscheidung" des Gerichts und nahm die Begegnung sicherheitshalber vom Spielplan.

Es geht nicht nur um die Chance, als David gegen einen Goliath anzutreten, sondern auch um die 180.000 Euro Antrittsprämie, die jeder Teilnehmer erhält. Hat die Entscheidung Bestand, werden die Münchner die große Pokalbühne betreten. Der DFB konferierte am Abend eilig mit dem Bayerischen Fußball-Verband (BFV), um eine Lösung zu finden. Die Schalker reagierten mit scharfer Kritik. "Das ist sehr ärgerlich", sagte Sportvorstand Jochen Schneider: "Man kann nur den Kopf über die Vorgehensweise des Bayerischen Fußball-Verbandes schütteln, der über Wochen und Monate hinweg offensichtlich nicht in der Lage war, den rechtmäßigen Vertreter am DFB-Pokal zu bestimmen."

"DFB muss diese Maßnahmen zulassen"

Der BFV hatte dem früheren Zweitligisten Schweinfurt bei der Pokal-Nominierung in komplizierter Lage den Vorzug vor Türkgücü gegeben. Die Münchner waren nach dem Abbruch der Regionalliga-Saison aufgrund der Corona-Pandemie als klarer Tabellenführer zum Aufsteiger ernannt worden. Anschließend gab es eine Kontroverse darum, wie mit dem Pokal-Einzug zu verfahren ist. Gemäß Gerichtsbeschluss müsse der BFV nun "die Meldung von Schweinfurt widerrufen und Türkgücü zum Pokal melden", teilte Türkgücü mit: "Der DFB muss diese Maßnahmen zulassen."

"Die kurzfristige Satzungsänderung des BFV, die Schweinfurt 05 zum DFB-Pokal zugelassen hätte, zeigt, dass die ursprüngliche und stets von Türkgücü München verteidigte Position rechtmäßig ist", erklärte Türkgücü-Geschäftsführer Max Kothny. "Unsere Teilnahme an der 3. Liga war von Anfang an auch mit der geplanten Teilnahme am DFB-Pokal verbunden." Es sei seit Jahren "gelebte Praxis des Bayerischen Fußball-Verbandes", die beste bayerische Amateurmannschaft am DFB-Pokal teilnehmen zu lassen.

Der BFV kündigte bereits Widerspruch an."Die Überlegungen und Verantwortungen, die sich der BFV seit Monaten fortwährend macht, um allen Vereinen in der Covid-19-Krise gerecht zu werden, wurden vom Gericht nicht verstanden", wurde Verbandsvizepräsident Reinhold Baier in einer Mitteilung zitiert. Eine Terminoption für eine Neuansetzung des Spiels wäre übrigens der 15. Oktober. An diesem Tag bestreitet Triple-Gewinner Bayern München sein Erstrundenspiel gegen den 1. FC Düren.

Einladung für wichtige Dienstleister bleibt

Schalke will es derweil nehmen, wie es kommt. "Wenn Türkgücü nach Ansicht des Landgerichts München der rechtmäßige Teilnehmer ist, dann respektieren wir diese Entscheidung und freuen uns auf das Spiel gegen Türkgücü - wann immer es stattfinden wird", betonte Schneider. "Gleiches gilt selbstverständlich, wenn wir doch noch gegen Schweinfurt spielen sollten."

Nichts ändern wird sich an der Schalker Einladung für wichtige Dienstleister in der Corona-Krise. S04 hatte 300 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Gelsenkirchener Krankenhäuser, Seniorenheime sowie weiterer systemrelevanter Gruppen für das Pokalspiel und in der Bundesliga gegen Werder Bremen (26. September)eingeladen. "Die Einladung gilt selbstverständlich weiterhin und der Besuch wird zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt", teilte der Alt-Meister mit.

Quelle: ntv.de, tno/sid/dpa