Fußball

Böse Erinnerungen an 2008 Rangers rufen Fans auf: "Benehmt euch!"

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Die Fans der Glasgow Rangers sollen sich in Sevilla benehmen.

(Foto: picture alliance / empics)

2008 sorgen Fans der Glasgow Rangers in Manchester für schwere Ausschreitungen, vor 50 Jahren beschert ein Platzsturm dem Klub eine zweijährige Europapokal-Sperre. Die Erinnerung ist vor dem Europa-League-Finale am Mittwoch noch präsent.

Die Glasgow Rangers, 55-facher schottischer Meister und Europapokalsieger 1972, stehen vor dem größten Spiel ihrer jüngeren Vereinsgeschichte: Gegen Eintracht Frankfurt bestreiten sie am Mittwoch (21 Uhr/live bei RTL und auf RTL+ sowie im Liveticker bei ntv.de) in Sevilla das Endspiel der Europa League. Das Endspiel ist eine Sensation, die Vorfreude ist in beiden Lagern gewaltig, die Fans beider Teams haben auf ihren Auswärtstouren durch den Wettbewerb gewaltige Menschenmassen bewegt und auch unterwegs für große Stimmung gesorgt. Doch auf der Insel gibt es offenbar auch Sorgen. Der Verein lässt eine Klublegende einen eindringlichen Appell an die eigenen Fans richten: "Benehmt euch", sagt Graeme Souness.

"Dies ist eine Nachricht an alle, die nach Sevilla fahren", leitet Souness, der für die Glasgow Rangers als Trainer und Spieler tätig war und mit dem Klub fünfmal die Meisterschaft und fünfmal den Ligapokal gewann, seinen Vortrag ein. "Fahrt hin, genießt es, habt eine tolle Zeit. Unser Team hat sich unglaublich gut geschlagen, um dorthin zu kommen. Wenn man bedenkt, welchen Weg wir in den letzten zehn Jahren zurückgelegt haben, um jetzt in einem echten europäischen Finale zu stehen, ist das eine fantastische Leistung", aber, sagt der 58-fache schottische Nationalspieler, "jetzt seid ihr dran. Ihr müsst hinfahren und euch benehmen. Feiert eine Party, aber benehmt euch! Ihr reist als Botschafter dieses großartigen Fußballvereins dorthin. Benehmt euch, sonst haben wir alle Schlagzeilen, die uns für eine lange Zeit schaden können."

Der Hintergrund des Appells an die eigenen Fans liegt weniger in der Gegenwart des Klubs, dessen Anhang zuletzt maßgeblich am Halbfinal-Triumph über das hochfavorisierte RB Leipzig beteiligt war, sondern in der Vergangenheit: 2008, als die Schotten zum bis jetzt letzten Mal in einem europäischen Finale standen, sorgten Rangers-Fans vor allem nach dem UEFA-Cup-Endspiel gegen Zenit St. Petersburg für teils schwere Ausschreitungen. Im Finalort Manchester wurde ein russischer Anhänger niedergestochen, die BBC unterbrach ihr reguläres Programm, um aus Manchester zu berichten.

Mehrere Fans der Schotten wurden festgenommen, zwölf schließlich wegen ihrer Beteiligung an den Ausschreitungen zu Haftstrafen zwischen sechs Monaten und dreieinhalb Jahren verurteilt. Der zuständige Richter bezeichnete die Stunden nach dem Spiel als "die schlimmste Nacht der Gewalt und Zerstörung, die das Stadtzentrum von Manchester seit dem Blitzkrieg erlebt hat".

"In höchstem Maße verwerflich"

Für den Klub blieb das verlorene Endspiel von Manchester 2008 weitgehend folgenlos, die UEFA verwies darauf, dass sich "unsere Disziplinarvorschriften auf Vorfälle im und um das Stadion herum" beziehen, "und die Rangers kooperieren natürlich in vollem Umfang mit den Behörden und sperren alle Fans, die sich der Unruhen schuldig gemacht haben", wie der damalige Generalsekretär der UEFA, David Taylor, verkündete.

1972 hatte der größte Triumph der langen Vereinsgeschichte für den Klub ein bitteres Nachspiel: Mit 3:2 gewannen die Rangers in Camp Nou das Finale des Europapokals der Pokalsieger gegen Dynamo Moskau, mussten danach aber auf europäischer Ebene aussetzen. Weil schottische Fans das Spielfeld gestürmt hatten, sperrte die UEFA den Klub für zwei Jahre für alle europäischen Wettbewerbe. Dynamo Moskau hatte gegen das Ergebnis protestiert und behauptet, die Spieler seien von den Anhängern eingeschüchtert worden. Der Titelgewinn hatte Bestand, auch wenn der UEFA-Disziplinarausschuss erklärte, die Vorgänge seien "in höchstem Maße verwerflich" gewesen.

Axel Hellmann, Vorstand des diesjährigen Finalgegners Eintracht Frankfurt, erwartet angesichts der beiden überaus reisefreudigen Fanszenen für Sevilla "einen Ansturm, den diese Stadt noch nie erlebt hat." Wie Hellmann gegenüber der "Frankfurter Rundschau" erklärte, rechne man mit bis zu 50.000 Frankfurter Fans - und "konservativ geschätzt" mit 70.000 bis 80.000 Anhängern aus Glasgow. "Sie haben alle Fähren von Nordafrika aus gekapert", lobte Hellmann die Kreativität der Schotten und erinnert an die Nacht von Manchester 2008: "Damals waren 200.000 Schotten in Manchester, die haben unter Brücken und auf Parkbänken geschlafen."

Auch im Vorstand der Glasgow Rangers hat man 2008 noch prägend in Erinnerung. "Wir fahren in eine wunderschöne Stadt, nach Sevilla, gehen und genießen Sie die Stadt, aber lassen Sie uns das auf die richtige Art und Weise tun", sagte Geschäftsführer Stephen Robertson jüngst. "An alle Fans, ob mit oder ohne Eintrittskarte: Geht hin und habt Spaß, geht hin und genießt die Gelegenheit. Ich weiß noch, wie ich 2008 dachte: 'Werde ich die Rangers noch einmal in einem europäischen Finale sehen?'"

Quelle: ntv.de, ter

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