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"Ich bin beschäftigt, sorry" Rapinoe will nicht US-Präsidentin werden

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"Wir müssen mehr zuhören und weniger reden. Es ist unser aller Verantwortung, diese Welt ein Stück besser zu machen": US-Fußballstar Megan Rapinoe.

(Foto: imago images / Xinhua)

Beim Weltmeister-Empfang in New York fordert Fußballstar Megan Rapinoe in einer großen Rede mehr Toleranz und Verantwortung. Ihr Appell schießt indirekt gegen Präsident Trump. "Wir müssen mehr lieben und weniger hassen", sagte Rapinoe. Beerben wird die Kapitänin Trump aber wohl nicht.

Die US-Weltmeisterinnen tanzten auf einer Parade durch New York, um mit der Weltmetropole ihren Sieg beim Turnier in Frankreich zu feiern. Unzählige US-Flaggen wehten im Wind, Alkohol wurde reichlich aus weißen Plastikbechern oder direkt aus der Flasche getrunken. Bei der Abschlusskundgebung vor dem Rathaus übergab Bürgermeister Bill de Blasio dem gesamten Team einen Schlüssel für die Stadt.

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Was folgte, war ein weiterer großer Aufritt der Kapitänin Megan Rapinoe. Zu DJ Khaleds "All I do is Win" und mit Sonnenbrille im Gesicht betrat der US-Fußballstar die Bühne und wurde von den Fans frenetisch gefeiert. "Diese Gruppe ist so zäh, ist so hart, hat so einen Sinn für Humor", begann Rapinoe eine Lobrede auf ihr Team, bei der sie deren Diversität herausstellte. "Wir haben rosa und lila Haare, wir haben Tattoos und Dreadlocks. Wir haben weiße und schwarze Mädchen und alles dazwischen. Wir haben heterosexuelle Mädchen und homosexuelle Mädchen."

Rapinoe sagte, es sei ihr die größte Ehre, dieses Team aufs Feld zu führen. Deshalb machte sie auch gleich die Hoffnungen all jener zunichte, die sich an Spekulationen beteiligt hatten, sie würde in die Politik einsteigen, um Präsident Donald Trump zu beerben. "Es gibt keinen anderen Ort, an dem ich lieber wäre, auch nicht im Präsidentschaftswahlkampf", so die Starspielerin. "Ich bin beschäftigt, tut mir leid." Ihr nächstes Ziel: Olympia 2020.

"Sei besser, als du es jemals warst"

Schon länger hatte Rapinoe gegen die Trump-Regierung protestiert, kritisierte erst vor ein paar Tagen, dass Trumps "Botschaft Menschen ausschließt". Außerdem singt sie vor Länderspielen die Nationalhymne nicht mit und zog während der WM in Frankreich durch ihre Aussage, das "f***ing Weiße Haus" im Falle eines WM-Gewinns nicht besuchen zu wollen, den Zorn Trumps auf sich. Der schrieb bei Twitter, Rapinoe solle "erst mal GEWINNEN, dann REDEN". Außerdem schrieb er, die Stürmerin "sollte niemals unser Land, das Weiße Haus oder unsere Flagge geringschätzen". Wenig später holten die US-Frauen den Titel.

In New York beendete Rapinoe ihre Rede nun mit einem indirekten Seitenhieb in Richtung Trump, der die USA wie kein Zweiter spaltet. "Es gab so viel Streit in den vergangenen Jahren. Es ist Zeit, zusammenzukommen. Wir müssen zusammenarbeiten und dafür braucht es uns alle." Dann richtete sie sich direkt an die US-Bürger und trug jedem einzelnen eine Aufgabe auf: "Wie machst du die Leute um dich herum besser? Deine Familie und deine engsten Freunde? Das ist die Aufgabe von uns allen. Sei mehr, sei besser, als du es jemals warst!" Auch sich selbst nahm die Kapitänin in die Pflicht: "Wir müssen besser werden. Wir müssen mehr lieben und weniger hassen. Wir müssen mehr zuhören und weniger reden. Es ist unser aller Verantwortung, diese Welt ein Stück besser zu machen." Dass mehr Toleranz nötig ist, wurde nach der Feier deutlich, als die New Yorker Polizei bestätigte, dass in Manhattan acht Poster mit diffamierenden und homophoben Botschaften beschmiert wurden, die die Starspielerin im Trikot des Nationalteams zeigten.

Wie Trump die Rede Rapinoes verfolgt hat, wurde noch nicht übermittelt. Bei Twitter keifte er diesmal nicht. Die US-Kapitänin gestaltete schließlich das Ende der Veranstaltung auf ihre ganz eigene Art und Weise und rief mit ausgebreiteten Armen: "New York City, du bist die mother f***ing Beste!"

Quelle: n-tv.de

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