Fußball

Klagen, appellieren - und nun Schalke Ratlosen Bayern fehlt die Idee

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Gerne auch einmal unwillig: Arjen Robben, rechts, hier mit Mario Gomez.

(Foto: dpa)

Das Problem des FC Bayern ist nicht, dass sie keine elf guten Fußballer haben. Das Problem der Bayern ist, dass sie es nicht hinbekommen, ihre Spieler davon zu überzeugen, sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen. Und nun kommt auch noch der FC Schalke nach München.

Wer wissen will, was dem FC Bayern fehlt, sollte sich einfach anschauen, wie Borussia Dortmund Fußball spielt. Zum Beispiel am vergangenen Wochenende beim 1:0 in Berlin. Kein Glanzstück. "Puh", hatte Trainer Jürgen Klopp hinterher gesagt. "Richtig harte Arbeit war das heute. Aber das ist nicht schlimm." Weil seine Spieler sich zusammengerissen und den Sieg erzwungen hatten. Weil sie sich nicht damit aufgehalten hatten, über den erbärmlichen Zustand des Rasens zu lamentieren. Weil sie den Kampf, den ihnen ein Gegner, der in der Bundesliga mit dem Rücken zur Wand steht, angenommen hatten.

Und weil sie sich an das gehalten hatten, was Karl-Heinz Rummenigge für einen Aphorismus von Sepp Herberger hält: "Einer für alle, alle für einen." Das hatte Münchens Vorstandschef von seiner Mannschaft gefordert, als die am Mittwoch im Achtelfinale der Champions League gerade beim FC Basel verloren hatte. Oder weniger pathetisch ausgedrückt: Jeder macht klaglos seinen Job, wenn's gut für die Mannschaft ist. So wie die Dortmunder Musketiere, denen in der Partie bei der Hertha die verletzten Mario Götze und Shinji Kagawa fehlten. Also bekam Robert Lewandowski die Position des Spielmachers, Lucas Barrios stürmte. Allerdings stellte sich heraus, dass Lewandowski nicht so gut darin ist, ein Spiel zu lenken, und Barrios ein schlechterer Stürmer als Lewandowski. Deswegen musste Barrios nach 77 Minuten auf die Bank, von da an dirigierte Moritz Leitner und Lewandowski durfte wieder auf seinen angestammten Platz. Kurzum: Es hat gereicht. Klagen sind nicht überliefert.

Während sich die Dortmunder, die zum Abschluss des 23. Spieltages am späten Sonntagnachmittag gegen Hannover 96 spielen, an der Spitze der Tabelle mittlerweile einen kleinen Vorsprung herausgearbeitet haben, brennt in München der Baum. Und wenn der FC Bayern, ebenfalls am Sonntag, den FC Schalke 04 empfängt, ist das bei strenger Exegese des Klassements ein Duell zweier Verfolger. Eine erste Chance, "um wieder aus der Scheiße, in die wir uns leider in den letzten Wochen reingespielt haben, rauszukommen". Das haben definitiv weder Athos noch Porthos oder Aramis gesagt. Sondern Rummenigge. "Ich möchte an die Mannschaft appellieren, ihr müsst wach werden, wach werden! Ihr müsst bös' werden."

"Es läuft derzeit nicht rund und flüssig"

Vielleicht reicht es aber erst einmal auch, wenn jeder seinen Job macht, und das möglichst klaglos. Bei der Niederlage in Basel war das nicht der Fall. Die französische Mittelfelddiva Franck Ribéry klagte wortlos, als Jupp Heynckes ihn nach 71 Minuten auswechselte und würdigte seinen Trainer keines Blickes. Zuvor hatte Ribéry, der keine seiner guten Chancen zu einem Tor nutzte, wütend abgewunken, als sein Mitspieler Toni Kroos nicht dorthin lief, wo er es gerne wollte. Die niederländische Mittelfelddiva Arjen Robben klagte gestenreich, wenn der Ball nicht so lief, wie sie es wollte. Als Torhüter Manuel Neuer ihr eine Anweisung zurief, zuckte sie nur genervt mit den Schultern. Und Präsident Uli Hoeneß klagte über den erbärmlichen Zustand des Rasens im St. Jakob-Park. "Wir haben heute nicht gut gespielt. Es war aber auch ungemein schwierig auf dem sehr schlechten Platz.

Das größte Manko aber war, dass im Trikot des FC Bayern zwar - wie meist - elf sehr gute Spieler aufliefen, diese aber keine Mannschaft bildeten. Oder zumindest keine Spitzenmannschaft. "Wir haben klasse Einzelspieler, aber es läuft derzeit nicht rund und flüssig", räumte auch Neuer ein. Und die Bayern offenbarten, trotz spielerischer Überlegenheit, abermals Schwächen, offensiv wie defensiv. Viel Ballbesitz und lange Ballstafetten, aber keine Wucht nach vorne, keine Rhythmuswechsel, keine Überraschungen. Dazu hätte Basel gut und gerne drei Tore schießen können. Ratlos, mutlos, ideenlos. "Katastrophale Fehler" hatte nicht nur Bayerns Ehrenpräsident Franz Beckenbauer gesehen.

Und nun? Kommt der FC Schalke 04 nach München, der gerade das Achtelfinale der Europaliga erreicht hat. "Gegen Schalke müssen wir Punkte machen", fordert Rummenigge. Was soll er auch sonst sagen? Nur dass sie mit Parolen und Appellen allein das Problem nicht lösen. Verlieren die Münchner, rutschen sie gar auf Platz vier in der Tabelle ab. Dabei hatten sie die Meisterschaft doch schon gebucht. Und viel davon geredet, dass das Finale der Champions League am 19. Mai in München stattfindet. Nun bangen sie sogar ums Viertelfinale. Oder wie Stürmer Mario Gomez es formuliert: "Wenn wir jetzt keine Krise haben, wann dann?" Puh.

Quelle: n-tv.de

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