Dzeko-Rot hat massive FolgenSchalke-Trainer Muslic macht Schiedsrichter schwere Vorwürfe

Weil Starstürmer Edin Dzeko Rot sieht und der FC Schalke 04 gegen Hannover 96 einen klaren Vorsprung verspielt, bleibt es im Aufstiegskampf der 2. Liga höchst spannend. Schalke-Trainer Miron Muslic ist sehr verärgert.
Wenn's schon scheiße läuft, dann ja meistens so richtig. Und in Gelsenkirchen-Erle an diesem Sonntagnachmittag ohne jede Ansage. Die heimischen Fußballer des FC Schalke 04 lagen im Topspiel der 2. Fußball-Bundesliga 2:0 gegen Hannover 96 vorne. Natürlich hatte Superstürmer Edin Dzeko getroffen, zudem noch Kapitän Kenan Karaman. Die Welt der "Königsblauen" war so in Ordnung, wie sie nur in Ordnung sein konnte. Doch dann traf wieder Dzeko. Nicht ins Tor, sondern den Oberkörper seines Gegenspielers Husseyn Chakroun. Dzekos Tritt kam unabsichtlich aus der Drehung. Schiedsrichter Robin Braun zögert kurz, dann zeigt er dem Bosnier Rot.
Nach 52 Minuten sind die Gastgeber nur noch mit zehn Mann auf dem Platz. Und sie geben dieses Spiel noch aus der Hand. Mit dramatischen Wendungen. In der 81. Minute pariert Keeper Loris Karius einen Elfmeter von Hannovers Enzo Leopold spektakulär. Spätestens jetzt wähnen sich die Schalker endgültig auf dem Weg zum Dreier, um Sekunden später wieder zu zittern. Nach der anschließenden Ecke steht es nur noch 2:1, Maik Nawrocki traf, der VAR bestätigte die Richtigkeit des Treffers.
Muslic schimpft: "Muss mich kontrollieren"
Und dann wurde es richtig bitter. Obwohl die siebenminütige Spielzeit längst abgelaufen war, fiel noch der Ausgleich. Mustapha Bundu schlägt eine tückische Flanke auf den langen Pfosten, Elfmeter-Held Karius segelt vorbei und wird dann noch von Stürmer Benedikt Pichler so angeköpft, dass der Ball zum 2:2 an ihm vorbeifliegt. Die Schalker schauen fassungslos durch die Arena und müssen sich hernach in den Interviews und Mediengesprächen zügeln.
"Mit der Roten Karte ändert sich das ganze Spiel", sagte Kapitän Karaman bei Sky zerknirscht. Der Schalker fand die Rote Karte "zu hart". Richtig aufgeladen war weit nach dem Spiel immer noch Trainer Miron Muslic: "Ich muss mich kontrollieren", schimpfte er und warf Schiedsrichter Braun fehlendes "Fingerspitzengefühl" vor. "So massiv in ein Spiel einzugreifen – nicht böse sein, aber das ist keine Rote Karte." Nicht ein Hannoveraner Spieler habe einen Platzverweise gefordert. Dzeko wird nun fehlen, wenn die Schalker am kommenden Samstagabend mit zwei Punkten Vorsprung im Topspiel beim direkten Verfolger Darmstadt 98 (20.30 Uhr live bei RTL und im Liveticker bei ntv.de) antreten. Auch diese massiven Auswirkung beklagte Muslic.
Schiedsrichter Braun erklärte später, warum er Dzeko vom Platz gestellt hatte: "Auf dem Feld sehe ich, dass er versucht, zum Ball zu gehen, ihn aber klar verfehlt und mit einem hohen Risiko in die Situation geht, mit einer offenen Sohle. Er trifft am Ende den Spieler im Hüftbereich mit der offenen Sohle, das ist für mich eine klar gesundheitsgefährdende Komponente. Klar gibt es vielleicht keine Absicht, aber er nimmt ein hohes Risiko. Und bei so einem klaren Treffer ist das für mich am Ende eine Rote Karte."
"Rote Karte hat uns in die Karten gespielt"
Dzeko, der zu Wochenbeginn mit Rückenproblemen pausiert hatte, stand wieder zur Verfügung. Der Bosnier rückte umgehend in den Fokus. Immer wieder suchten die Schalker ihren Topstar, der die ersten Abschlüsse aber ungenutzt ließ (10./14.). Karius, der auch mit einer Rückenverletzung ausgefallen war, rettete dafür gegen Elias Saad (22.). Wenig später fand Karaman seinen Nebenmann mit einer flachen Hereingabe, Dzeko vollendete gnadenlos. Muslic zeigte die Faust - und durfte kurz darauf erneut jubeln, als Karaman völlig frei per Kopf traf. Schalke dominierte das bis dato beste Auswärtsteam der Liga.
"Die Rote Karte hat uns in die Karten gespielt", sagte Hannovers Leopold. Den Patzverweis fand der Kapitän "vertretbar". Trainer Christian Titz war erleichtert. "Es war wichtig, hier noch den Ausgleich zu machen." Er wollte auch keine Zweifel an der Richtigkeit der Strafe aufkommen lassen: "Das weiß jeder, dass der Schiedsrichter hier die Rote Karte geben kann", sagte er bei Sky.
Muslic' Ärger verebbt einfach nicht
Ohne Dzeko veränderten sich die Dinge auf dem Rasen. "Der Bruch im Spiel war natürlich da. Wir haben heute Hannover überrollt, dominiert in allen Belangen. Dann kriegst du noch das 2:2 in letzter Minute, das ist extrem bitter. Das fühlt sich brutal an. Sie haben nichts gehabt in der zweiten Halbzeit, absolut gar nichts. Dann gehst du aus dem Spiel mit einem 2:2, das tut extrem weh", haderte Muslic und betonte dann: "So leicht wird man uns nicht aus der Bahn bringen, auch nicht mit solchen Entscheidungen."
Aber damit hatte er seinem Ärger noch lange nicht ausreichend Luft gemacht. Auch die deutlich verlängerte Nachspielzeit machte ihn einigermaßen fassungslos. "Nochmal auf die sieben Minuten Nachspielzeit eineinhalb Minuten drauflegen, dass Hannover ja nochmal den Ball in die Box bekommen kann ... Ich muss mich kontrollieren."