Fußball

CL: Fünf Tore beim Titelverteidiger Schalke brilliert gegen Inter

2x5b0806.jpg2458707706118021337.jpg

Die Inter-Blamage Schwarz auf Weiß.

(Foto: dpa)

Nach einer offensiven Gala-Vorstellung bei Titelverteidiger Inter Mailand steht der FC Schalke mit anderthalb Beinen im Halbfinale der Champions League. Im Viertelfinal-Hinspiel geht Inter zwar zweimal in Führung, doch Schalke gleicht jeweils aus - und legt drei Tore zum 5:2-Endstand nach.

1302034644.jpg7927292356476158126.jpg

Königsblaue Feierlichkeiten in Mailand: Die Schalker kamen bei Titelverteidiger Inter gar nicht mehr aus dem Jubeln heraus.

(Foto: AP)

In einer grandiosen Fußball-Nacht in Mailand haben der FC Schalke 04 und Trainer-Rückkehrer Ralf Rangnick den Champions-League-Titelverteidiger Inter Mailand auswärts mit 5:2 (2:2) entzaubert und damit das Tor zum Halbfinale ganz weit aufgestoßen. Sich selbst ließen die Schalker fassungslos zurück. "Ich muss erst einmal begreifen, was hier gelaufen ist. So etwas passiert nicht alle Tage. Wir haben alle gut zusammengearbeitet, und dieser Sieg ist das Produkt", kommentierte Youngster Joel Matip das wundersame Schalker Schützenfest im San Siro etwas ratlos angesichts der eigenen Leistungsexplosion.

Vor rund 75.000 Zuschauern überzeugte der ersatzgeschwächte Tabellenzehnte der Fußball-Bundesliga von Beginn an und bot Bayern-Bezwinger Inter ein Duell auf Augenhöhe. Durch die Königsklassen-Premierentreffer von Matip (17.) und Edu (40.) gingen die Schalker trotz eines 25-Sekunden-Blitztors von Dejan Stankovic (1.) und eines Treffers von Diego Milito (34.) mit einem 2:2 in die Halbzeitpause. Ein Resultat, über das beim Abpfiff nach 90 Minuten jeder Schalker überglücklich gewesen wäre. Doch nach dem Wechsel sorgten Raúls 72. Europapokal-Treffer (53.), Andrea Ranocchias Eigentor (57.) und erneut Edu (75.) sogar noch für einen sensationellen Triumph der Schalker, die ausgerechnet beim Titelverteidiger erstmals in ihrer Vereinsgeschichte fünf Tore in einem Champions-League-Spiel schossen.

"Für die Zuschauer war es ein fantastisches Spiel und für uns ein grandioser Abend", schwärmte Rangnick anschließend. "Das heute ist fast unvergleichlich", kommentierte der überglückliche Raúl das Resultat, während die Schalke-Fans auf den Tribünen das "Wunder von Mailand" ausgiebig feierten. Selbst Raúl, der in seinem langen Fußballerleben schon so viel gewonnen hat, konnte das Ergebnis kaum fassen: "Das war überdeutlich."

Katastrophaler Start ins Spiel

Der Erfolg war umso unglaublicher, da Schalke einen katastrophalen Start in die Partie erwischte. Im Hexenkessel von San Siro, wo die "Königsblauen" 1997 mit dem Gewinn des Uefa-Pokals gegen Inter Mailand Fußballgeschichte geschrieben haben, wurden sie extrem früh geschockt: Torhüter Manuel Neuer klärte außerhalb des Strafraums per artistischem Flugkopfball fast bis zur Mittellinie, doch von dort schoss der Serbe Stankovic den Ball aus gut 50 Metern volley ins leere Gästetor. Neuer hatte alles richtig gemacht und sah doch ganz schlecht aus. Der Gegentreffer war aus seiner Sicht, man kann es nicht anders sagen, ein Sascha-Burchert-Gedächtnistor.

1302031611.jpg2769901363923933103.jpg

S04-Keeper Manuel Neuer klärte den Ball nach 23 Sekunden Spielzeit per Kopf und musste ihn nach 25 Sekunden und einem 50-Meter-Volleytor von Dejan Stankovic aus seinem Kasten holen.

(Foto: AP)

Doch "Königsblau", keineswegs demoralisiert, gab rasch die passenden Antworten: Raúl setzte einen Kopfball knapp neben das Tor (4.), José Manuel Jurado scheiterte mit einem Distanzschuss (15.). Dann kam der exzellente Auftritt der Schalker Youngster: Nach einer Ecke von Jefferson Farfan, der im Rückspiel am 13. April gelbgesperrt ist, wehrte Julio César im Inter-Gehäuse den Kopfball von Kyriakos Papadopoulos noch ab, doch Matip drosch den Abpraller ins Netz. 1:1, die Begegnung war wieder offen.

Der Außenseiter aus Gelsenkirchen versteckte sich nicht und suchte sein Heil auch in der Offensive. Julio César musste gegen den freistehenden Jurado klären (19.). Der zweite Schalker Nackenschlag war dann das Resultat argentinischer Fußballkunst: Esteban Cambiasso köpfte auf Milito, der Neuer keine Chance ließ. Doch die Schalker wurden für ihren aufopferungsvollen Kampf noch vor dem Pausenpfiff durch Edus Ausgleich zum 2:2 belohnt: Der Brasilianer überwand Julio César im zweiten Versuch.

Neuer Weltklasse, Raul abgezockt

"Das ist eine ganz, ganz tolle Leistung. Erstaunlich, wie offen wir das Spiel gestalten können", lobte der verletzte Abwehrchef Christoph Metzelder schon zur Halbzeit die auch angesichts der Personalsorgen herausragende Schalker Darbietung. Und sie wurde im zweiten Durchgang noch besser.

2x595711.jpg2244475097979069358.jpg

In Inters Abwehr brannte es immer wieder lichterloh, im Schalke-Block brannten die Freudenfeuer.

(Foto: dpa)

Inter reagierte nach dem Wechsel zwar zunächst mit wütenden Attacken, traf aber nicht. Milito scheiterte hauchdünn (47.), ehe Neuer gegen Mailand-Superstar Samuel Eto'o in Weltklassemanier den abermaligen Rückstand verhinderte (48.). Dann schlug binnen fünf Minuten Schalkes große Stunde: Raúl gelang nach einer Farfan-Vorlage das 3:2, Jurado nötigte zum Entsetzen der Inter-Fans kurz danach Ranocchia zum Selbsttor. Zu allem Überfluss sah der Rumäne Cristian Chivu Gelb-Rot (62.). Edu machte schließlich nach Pfostentreffern von Jurado (65.) und Farfan (75.) die Sensation perfekt.

Inter Mailand - FC Schalke 2:5 (2:2)

Tore: 1:0 Stankovic (1.), 1:1 Matip (17.), 2:1 Milito (34.), 2:2 Edu (40.), 2:3 Raul (53.), 2:4 Ranocchia (57., Eigentor), 2:5 Edu (75.)

Gelb-Rote Karte: Chivu (62.)

Mailand: Julio Cesar - Maicon, Ranocchia, Chivu, Zanetti - Motta (76. Nagatomo) - Stankovic (24. Kharja, 63. Cordoba), Cambiasso - Sneijder - Eto'o, Milito

Schalke: Neuer - Uchida, Matip, Höwedes, Sarpei - Papadopoulos - Farfan, Jurado (83. Draxler), Baumjohann (76. Schmitz) - Raul (87. Karimi), Edu

Schiedsrichter: Martin Atkinson (England)
Zuschauer: 72.770

Torschüsse: 17:17
Ecken: 4:4
Ballbesitz: 51:49 Prozent
Fouls: 8:19

Quelle: n-tv.de, cwo/dpa

Mehr zum Thema