Fußball

"Es ist zum Fremdschämen" Schalke erzürnt Fans mit Ticket-Schreiben

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Die Königsblauen machen es ihrem Anhang gerade nicht leicht.

(Foto: imago images/RHR-Foto)

Wer sein Geld für nicht nutzbare Bundesliga-Tickets zurückfordert, soll dem FC Schalke seine finanzielle Notlage offenlegen. Mit einem entsprechenden Schreiben bringt der klamme Fußballklub seinen Anhang gegen sich auf. Die rechtliche Lage scheint klar, S04 gesteht den Fehler ein.

Neben der sportlichen Tristesse beim FC Schalke - elf Spiele ohne Sieg, Letzter in der Rückrundentabelle - droht dem Revierklub jetzt auch noch Ärger mit dem eigenen Anhang. Denn nur weil etwas rechtlich zulässig ist, muss es nicht auch gleich angemessen sein oder gar auf Zustimmung treffen. Diese Erfahrung machen die Königsblauen gerade, die offenbar zahlreiche ihrer Anhänger vor den Kopf stoßen mit einem Schreiben zur Rückerstattung von bereits bezahlten, aber aufgrund der Corona-Pandemie nicht nutzbaren Eintrittskarten. "Ihr fahrt den Verein mit Ansage gegen die Wand. Sportlich. Wirtschaftlich. Es ist zum Fremdschämen", schrieb Raphael Brinkert, lnhaber einer Sportmarketing-Agentur, auf Twitter. Was war passiert?

Aufgrund der Geisterspiele mussten alle Fußball-Bundesligisten einen Weg finden, ihre Fans für die gekauften, aber eben nicht einlösbaren Tickets zu entschädigen. Manche überwiesen den Eintrittspreis ohne große bürokratischen Anstrengungen zurück, andere ermöglichten Gutschriften für zukünftige Ticketkäufe, auch Gutscheine für den Fanshop waren eine Option. Der FC Schalke 04 aber entschied sich für die dem Gesetz nach zulässige Variante, wie der "Kicker" schreibt, "dass ein Karteninhaber sein Geld vor dem 1. Januar 2022 nur dann verpflichtend zurückbekommt, wenn er dringend darauf angewiesen ist, zum Beispiel aufgrund von Arbeitslosigkeit."

Wer diese Regelung der sofortigen Auszahlung für sich in Anspruch nehmen möchte, soll den als "Härtefallantrag" überschriebenen Bogen ausfüllen. Und die dort formulierte Frage stößt vielen wohlgesonnenen Schalke-Fans sauer auf. Denn der Verein fragt: "Warum benötigst du das Geld unbedingt jetzt?" und "falls möglich, füge bitte auch entsprechende Belege an". Eine einfache Antwort, dass das Geld eben dringend benötigt werde, scheint nicht auszureichen. Welche Belege - ob Kontoauszüge, Bescheinigungen über die Arbeitslosigkeit oder ähnliches - der Verein wünscht, steht nicht auf dem Antrag.

"Nicht gerade kundenfreundlich"

Der WAZ zufolge ist das Formular rechtlich zulässig, sie beruft sich dabei auf Thomas Bradler, Rechtsanwalt bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Es genüge den Anforderungen der gesetzlichen Gutscheinregelung, allerdings sei Anforderung von Belegen gleich im Zuge der Antragstellung "nicht gerade kundenfreundlich". Der Verbraucher müsse zwar nachweisen, dass er dringend auf das Geld angewiesen sei, in dieser Form scheint das jedoch unüblich.

Entsprechend harsch fällt das Urteil vieler Fans aus, die sich in sozialen Netzwerken Luft machen. Erst die wirtschaftlichen Negativmeldungen, dass Schalke 04 aufgrund der Coronavirus-Pause schlimmstenfalls sogar die Insolvenz drohe. Dann die regelmäßige 90-minütige Offenbarung auf dem Spielfeld, dass sich das Team von David Wagner ideen- und mutlos in sein Schicksal zu ergeben scheint. Und nun auch noch das kommunikative Desaster, dass der Verein, der im Geschäftsjahr 2019 einen Umsatz von 275 Millionen Euro verbuchte, seine Fans darum bittet, die private finanzielle Notlage offenzulegen.

Besonders diesen Punkt kritisiert der "FC Schalke 04 Suppporters Club" in einem ausführlichen Facebook-Beitrag mit deutlichen Worten: "Ihr seid nicht die Schufa, ihr seid keine Bank die Kredite vergibt" und stellen die Frage: "Welches Recht nehmt ihr euch eigentlich heraus?" Nicht die Anhänger müssten den Verein um einen Gefallen bitten, sondern der Klub: "Die Mitglieder und Fans sind [...] eure Lebensversicherung!" Der Fanverbund fällt ein vernichtendes Urteil: "Der Kumpel- und Malocher-Club existiert bei euch seit längerer Zeit leider nur noch im Marketing."

Klub gibt Fehler zu

Wenig später räumte der Verein ein Fehlverhalten ein: "In den Anschreiben an Fans und dem darin aufgeführten 'Härtefallantrag' hat Schalke 04 unpersönliche und wenig empathische Formulierungen verwendet - dafür entschuldigen sich der Verein und die Mitarbeiter des Service Centers bei allen Fans in aller Form", heißt es in einer Mitteilung

Der Klub stellte klar, dass es "außer Frage" stehe, "dass Schalke 04 jeden Antrag von Fans, die aus wirtschaftlichen Gründen auf eine sofortige Rückerstattung des Ticketpreises angewiesen sind, wohlwollend bearbeiten wird. Es wird niemand Belege einreichen müssen, und es wird selbstverständlich niemand 'kontrolliert'", bekräftigten die Gelsenkirchener.

Quelle: ntv.de, tsi