Fußball

Wut-Monolog von Dietmar Hamann Schalke tanzt den Slapstick-Tango in die Hölle

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Gab den Vortänzer im königsblauen Fehler-Tango: Shkodran Mustafi.

(Foto: imago images/RHR-Foto)

Der Abstieg des FC Schalke 04 wird immer mehr zur Gewissheit. Wer will nach der Klatsche in Wolfsburg noch an eine Rettung glauben? Die Niederlage wird eingeleitet durch ein skurriles Eigentor und überlagert von Ralf Rangnicks Plänen.

Es gibt in der Fußball-Bundesliga noch Menschen, die es wirklich gut mit dem FC Schalke 04 meinen. Einer von ihnen ist Sören Storks. Sekundenexakt beendete der Schiedsrichter am Samstagnachmittag die Pflichtaufgabe der Gelsenkirchener beim VfL Wolfsburg. Er beendete den nächsten sportlichen Krampfanfall ohne auch nur ein Minimum an Verlängerung. Er ersparte dem abgehängten Tabellenletzten weitere Minuten des Leidens. Wobei es bei dieser Mannschaft nach nur einem (!) Sieg (!) in den vergangenen 41 (!) Ligaspielen (!) wahrlich nicht mehr um ein paar Sekunden oder Minuten geht.

Und es nervt einen ja schon selbst, auch nach diesem 25. Spieltag erneut darauf hinzuweisen, dass Schalke in dieser Saison nicht mehr zu retten ist, dass Schalke in die 2. Liga absteigen wird, obwohl noch neun Partien zu gehen sind, obwohl auf dieser Strecke noch 27 Punkte abgeholt werden können. Aber dafür bräuchte es mindestens mal fußflinkes Personal. Und das findet sich in Gelsenkirchen derzeit nicht. Tatsächlich ist die Mannschaft des neuen Trainers Dimitrios Grammozis die laufschwächste der Liga, hinzu kamen beim 0:5 in Wolfsburg erneut die krassen Konditionsprobleme.

Aber wenn das doch bloß die einzigen (Probleme) wären…! Schlimm genug, klar. Aber es ist ja (leider) so: Wenn es schlimmer nicht mehr geht, dann kommt immer noch dieses Schalke. Wie schon im Sargnagelspiel gegen den FSV Mainz 05 vergangene Woche Freitag fehlte auch gegen Wolfsburg jede Idee eines Offensivspiels. Zwar weist die Statistik gnädige fünf Torschüsse aus, aber bis auf einen wirklich guten Distanzversuch von William - Ironie des ganzen königsblauen Dramas, dass er eine Leihgabe vom VfL ist - und einen Abschluss über das Tor von Shkodran Mustafi war da jetzt nichts bei, was eine große Idee, einen übergeordneten Plan erkennen lässt. Und wieder mal spielten vor allem die Spieler, denen seit Monaten nichts gelingt.

Mustafi sah auch viel Gutes

Nun war in dieser Welt aber dennoch nicht alles schlecht, analysierten manche Schalker. "Ich finde, dass wir gerade in der ersten Halbzeit sehr gut gegen den Ball gearbeitet haben und sehr organisiert aufgetreten sind", erklärte Mustafi. "Nach meinem Eigentor wurde es dann schwierig für uns." Und was war das für ein skurriles! Einen hoch abgeprallten Block beim Schuss köpfte der Weltmeister von 2014 zurück zum Torwart. Doch da wo er hinköpfte, da war nur Tor ohne Wart. Es war der Auftakt zu einem Fehler-Tango in die Hölle. Mit dem Vortänzer Mustafi. Es war ein Tango aus schlechten Zweikämpfen, aus läppischen Ballverlusten, aus peinlichen Stellungsfehlern. Grammozis gab sich dennoch als milder Juror: "Meine Jungs haben gewollt, das hat man gesehen. Die Einstellung hat gestimmt. Es war aber auch zu sehen, dass wir noch nicht in der Lage sind, in dieser Intensität über eine volle Distanz die Kompaktheit zu halten."

Nun gibt es im Umfeld der Fußball-Bundesliga aber eben nicht nur Menschen, die es mit dem FC Schalke 04 gut meinen. Einer von diesen Menschen ist Dietmar Hamann. Der Sky-Experte zertrümmerte an diesem Samstag abermals die königsblaue Leidensgesellschaft. Anders als sonst mündete seine Kritik in einem minutenlangen Monolog. In Auszügen sagte er unter anderem: "Was sich diese Spieler erlauben, ist eine Schande für diesen traditionsreichen Verein. Was die sich erlauben, den Verein so zu beschmutzen."

Selbst einfachste Dinge wie das Verteidigen - mit diesem Team unmöglich: "Da brauchst du kein Geschick, nur Zusammenhalt und Willen. Aber nicht einmal das bekommen sie hin. Mir tun die Fans leid. Was sich diese Mannschaft erlaubt, ist charakterlos und eines FC Schalke 04 nicht würdig." Die Spieler würden zudem an maßloser Selbstüberschätzung leiden. "Die denken, die sind besser, als sie sind. Christian Gross musste gehen, weil einige Spieler sich beschwert haben, dass er nicht in der Lage ist, die da unten rauszuholen. Wenn ich Mustafi sehe, der eine Rolle spielt beim Trainerwechsel und heute wieder an jedem Tor beteiligt ist – das ist ein Spieler, der bei Arsenal nicht gespielt hat und das hat auch einen Grund."

Das Ende des Dramas ist absehbar

Nun, es wird nicht viele geben, die gegen diesen Wut-Monolog des 59-fachen Ex-Nationalspielers das Wort erheben. Das Beste für alle Beteiligten im Schalker Kummer-Kloster: Die Mannschaft, die sich ab Sommer in Liga zwei beweisen muss, sie wird kaum noch etwas mit dieser ohne Sinn und Verstand erkauften, überschätzten zu tun haben. Umso erstaunlicher, dass sich der Coach auch in seinem zweiten Spiel noch scheute, den ohnehin anstehenden personellen Umbruch bereits jetzt radikal einzuleiten.

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Einer, der das mit dem radikalen Umbruch könnte und täte, wäre Ralf Rangnick. Der 62-Jährige steht womöglich vor einer sensationellen Rückkehr nach Gelsenkirchen. Medienberichten zufolge wollen einflussreiche Kräfte aus Wirtschaft und Politik den ehemaligen Trainer als Sportvorstand und starken Mann des Traditionsklubs ab dem Sommer installieren. Viele Schalker Anhänger können sich zumindest in den sozialen Netzwerken für diesen Plan begeistern. Denn tatsächlich ist es ja so, dass der Name Rangnick für Erfolg steht. In Gelsenkirchen auch, aber noch mehr bei der TSG Hoffenheim und bei RB Leipzig, deren wundersame (wenn auch finanziell jeweils satt unterfütterte) Empor-Märchen auf ewig mit ihm verwoben sind.

Doch die mögliche Sensation wird offenbar von gewaltigen Unstimmigkeiten flankiert. Die "Bild"-Zeitung und die "WAZ" berichteten, dass es am Freitag einen großen Streit im Aufsichtsrat gab, weil dessen amtierender Vorsitzender Jens Buchta offenbar eine Lösung mit dem Leipziger Sportdirektor Markus Krösche favorisiert! Dazu ein Zitat aus Twitter: "Wieso sollte Krösche RB denn verlassen, um nach zu Schalke zu wechseln?" Ja, wieso eigentlich? Gegenfrage? Warum sollte Rangnick sich das Drama antun, jetzt, wo er doch auch mit dem Bundestrainer-Posten flirtet und zuletzt eher an die ganz großen Klubs als letztes Abenteuer seiner Karriere dachte? Nun, weil er tatsächlich zu denen Menschen gehört, die es wirklich gut meinen mit dem FC Schalke 04!

Quelle: ntv.de

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