Fußball

"Phantom-Tor" in Duisburg Schiri-Boss nur fassungslos

Über Tore, die klar drin waren und dennoch nicht gegeben werden, dürfen sich Spieler, Fans und Vereinsbosse regelmäßig ärgern. Noch kurioser sind aber Treffer, die keine waren und dennoch zählen - wie das "Tor" von Duisburgs Christian Tiffert gegen Frankfurt. Beim DFB ist man wenig erfreut über die Fehlentscheidung.

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Not amused: DFB-Schiedsrichter-Lehrwart Eugen Strigel.

(Foto: REUTERS)

Das "Phantom-Tor" von Duisburg hat bei den deutschen Schiedsrichter-Bossen zu großer Verärgerung geführt. "Das darf nicht passieren. Dafür fehlt mir das Verständnis", sagte Schiedsrichter-Lehrwart Eugen Strigel zu dem irregulären Treffer in der Zweitligapartie zwischen dem MSV Duisburg und dem FSV Frankfurt (5:0). Eine Wiederholung Spiels ist trotz des gravierenden Fehlers der Unparteiischen aber ausgeschlossen, sagte Strigel: "Es handelt sich um eine Tatsachenentscheidung, eine Wiederholung kommt deshalb nicht in Betracht."

Obwohl die Partie nicht neu angesetzt wird, konnte Strigel seine Fassungslosigkeit über den Auftritt von Schiedsrichter Marco Fritz (Korb) und Assistent Thomas Münch (Rielasingen) beim Spiel vom Sonntag nicht verbergen. "So einen gravierenden Fehler habe ich eigentlich noch nie gesehen. Der Ball war ja über einen Meter von der Linie weg. Ich hoffe, dass in den nächsten 20 Jahren nicht mehr so ein Fehler passiert", kommentierte der 60-Jährige die Szene in der 81. Minute.

Von der Latte ins Spielfeld

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Christian Tiffert (l.) erzielte gegen Frankfurt ein Tor, das keines war.

(Foto: dpa)

Nach einem Distanzschuss des Duisburgers Christian Tiffert prallte der Ball von der Latte des Frankfurter Tores deutlich zurück ins Spielfeld, nach Berechnungen des Bezahlsenders "Sky" 1,3 Meter vor der Torlinie. Dennoch zeigte Münch einen Treffer an, Schiedsrichter Fritz erkannte daraufhin das Tor zum Endstand an.  "Ich habe es nicht gesehen, nur reagiert", sagte Fritz der "Bild"-Zeitung. Er verließ sich auf die Reaktion seines Assistenten, der sofort Tor anzeigte. "Nachdem ich mir die Fernseh-Bilder angesehen habe, habe ich keine Erklärung dafür, wie der Assistent auf die Idee gekommen ist, ein Tor anzuzeigen", meinte Strigel: "Der Assistent war wohl davon überzeugt, dass der Ball im Tor war."

Strigel bemühte sich zwar um Ursachenforschung, eine Erklärung für den Lapsus hatte aber auch der frühere Bundesliga-Referee nicht parat. "Der Schuss kam aus großer Entfernung, der Assistent stand nicht auf der Torlinie, sondern - wie er es in diesem Fall auch soll - auf Höhe des Strafraums. Trotzdem ist das nicht nachvollziehbar. Mir fehlt jede Begründung dafür, ein Tor zu geben. Da muss die Konzentration gefehlt haben", sagte der DFB-Funktionär, der zudem betonte: "Es war ja auch nicht so, dass fünf Spieler von Duisburg die Hände hochgerissen haben. Man kann ja froh sein, dass es zu diesem Zeitpunkt nicht 0:0 gestanden hat."

Auch der frühere FIFA-Schiedsrichter Hellmut Krug, der als Beobachter in der MSV-Arena saß, fand die Entscheidung "erklärungsbedürftig". Er habe sofort erkannt, "dass der Ball vor der Linie aufgesprungen ist".

Auch Schiedsrichter trägt Schuld

Die Entscheidung Münchs ist für Strigel angesichts der Vorgaben für die Assistenten noch unverständlicher. "Der Assistent hat die klare Anweisung, nur dann auf Tor zu entscheiden, wenn er klar gesehen hat, dass der Ball im Tor ist", erklärte Strigel, der allerdings nicht nur dem Mann an der Linie die alleinige Schuld geben möchte: "Auch der Schiedsrichter kann sich nicht frei von Schuld sprechen und sagen, dass er sich auf den Assistenten verlassen hat."

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Frankfurts Stefan Hickl in der Partie beim MSV.

(Foto: dpa)

Zu möglichen Konsequenzen für das Schiedsrichter-Team wollte Strigel nichts sagen. Dennoch ist sich der Lehrwart sicher, dass "das Team bestimmt nicht zur Tagesordnung übergehen wird". Innerhalb der Schiedsrichterzunft wird die Fehlentscheidung auf jeden Fall thematisiert werden. "Wir teilen den Schiedsrichtern mit, dass so ein Fehler nicht passieren darf", meinte Strigel.

Verlierer und Abstiegskandidat FSV Frankfurt trug das "Witz-Tor" mit Galgenhumor. "So kommen wir wenigstens in jedem Jahresrückblick vor", sagte Geschäftsführer Bernd Reisig. Trainer Hans-Jürgen Boysen meinte: "Wenn ich etwas sage, könnte mich das eine Menge Geld kosten. Aber ich habe vier Kinder zu Hause, denen möchte ich lieber etwas schenken." Und für FSV-Profi Sead Mehic war "unsere Leistung heute genauso schlecht wie die des Schiedsrichters".

Erinnerungen an Nürnberg

Ein ähnlicher Assistenten-Fehler hatte vor knapp 16 Jahren zum "Phantom-Tor" von Thomas Helmer im Spiel zwischen Bayern München und dem 1. FC Nürnberg geführt. Im Gegensatz zum momentanen Fall wurde diese Partie wiederholt. Der Grund dafür war, dass damals im Unterschied zu heute die Anzeige eines Tores durch den Assistenten nicht im Regelbuch stand. Aufgrund dieses Regelverstoßes kam es damals zu einer Neuansetzung.

In England unterlief dem damals 25-jährigen Schiedsrichter Stuart Attwell und seinem Assistenten Nigel Bannister im September 2008 ein ähnlicher Fauxpas wie jetzt den Referees in Duisburg. Im Zweitligaspiel zwischen dem FC Reading und dem FC Watford gab das Schiedsrichtergespann nach einem Eckball ein Tor für Reading, obwohl der Ball nur die Latte berührt hatte und die Reading-Spieler nicht einmal jubelten. Die Partie endete 2:2 und wurde nicht wiederholt.

Quelle: ntv.de, cwo/sid/dpa