Fußball

Stuttgarts Problem-Torwart Seltsamer Herr Lehmann

Jens Lehmann ist ein ziemlich guter Torwart. Immer noch. Das wissen sie auch beim VfB Stuttgart. Und das ist das Problem. Anders ist es nicht zu erklären, dass die Verantwortlichen des Fußball-Bundesligisten versuchen, die Eskapaden des 40-Jährigen kleinzureden. Immer noch.

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Ein ziemlich guter Torwart: Jens Lehmann.

(Foto: picture alliance / dpa)

Dabei macht Jens Lehmann den Eindruck, alles tue er, wenn nicht alles, so doch viel dafür, um seinen Rauswurf zu provozieren. Wir wissen nicht, was dahintersteckt. Aber es wirkt – bizarr. Erst kritisierte Jens Lehmann seinen Arbeitgeber dafür, dass er Trainer Markus Babbel nur auf Druck "meist pubertärer Fans" entlassen habe. Dann weigert er sich, die 40.000 Euro Strafe für seine Äußerungen zu bezahlen. Und zwischendurch nutzt er die Champions-League-Partie gegen Unirea Urziceni, um während des Spiels hinter seinem Tor an eine Bande zu pinkeln.

Und dann die Sache am Sonntag beim Spiel in Mainz. 87 Minuten lang war er der Rückhalt seiner Mannschaft, spielte souverän – und blieb ruhig. Dann aber folgte der Auftritt eines Mannes, der ganz offensichtlich nicht immer weiß, was der tut. Ein Stück in vier Akten:

1. Akt: Herr Lehmann sieht Rot

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Fuß des Anstoßes: Jens Lehmann tritt zu.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Mainzer Aristide Bancé foult Jens Lehmann in der 80. Minute. Der muss sich unter dem Gejohle der Fans vor der Haupttribüne behandeln lassen. Sieben Minuten später übt Jens Lehmann Vergeltung. Er marschiert, den Ball in der Hand, im eigenen Strafraum auf Bancé zu und tritt ihm auf den Fuß – mit voller Absicht. Schiedsrichter Wolfgang Stark zeigt ihm die Rote Karte und gibt einen Elfmeter für Mainz. Jens Lehmann schreitet über den Rasen in Richtung Stuttgarter Bank, Eugen Polanski verwandelt für Mainz, 1:1, der VfB Stuttgart verschenkt im Kampf gegen den Abstieg zwei sicher geglaubte Punkte.

2. Akt: Herr Lehman sucht ein Taxi

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Ersehnter Zufluchtsort.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Jens Lehmann kommt aus der Stuttgarter Kabine. Er hat die Kapuze seiner Windjacke tief ins Gesicht gezogen. Auf ihn warten fünf Kamerateams, die Scheinwerfer blenden ihn. Er geht ein Stockwerk höher und will sich im VIP-Raum verstecken. Doch da lassen sie den Torhüter nicht rein – kein Bändchen am Handgelenk. Jens Lehmann verlässt das Stadion, geistert wutentbrannt durch die Menschenmenge hinter der Tribüne und legt sich mit einem Kameramann an. Er sucht ein Taxi, findet aber keins.

3. Akt: Herr Lehmann klaut eine Brille

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Brille? Lehmann!

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Ein Stuttgarter Fan spricht Jens Lehmann vor dem Stadion an: "Jens, warum kannst Du nicht einmal normal sein?". Jens Lehmann reisst ihm vor laufender Kamera die Brille vom Gesicht, stürmt weiter, gestikuliert – und sucht, die Brille immer noch in der Hand, ein Taxi. Er findet aber keins. Schließlich reicht er, nachdem ihn der Fan dreimal dazu aufgefordert hatte, die Brille wortlos nach hinten - an einen anderen Fan. Jens Lehmann flüchtet in den Mannschaftsbus.

4. Akt: Herr Lehmann fährt davon

Gute Nachricht für Jens Lehmann: Er findet ein Taxi, eine Viertelstunde später, offenbar telefonisch bestellt. Jens Lehmann steigt ein, lässt sich zum Flughafen nach Frankfurt fahren, wo er sein Flugzeug nach München erreichen will, um von dort aus zu seinem Wohnort am Starnberger See zu gelangen – und hinterlässt viele offene Fragen.

Und was sagen die Verantwortlichen? Der neue Trainer Christian Gross nahm die Sache mit Humor: "Er ist ein erfahrener Mann, der den Weg aus dem Stadion hier eigentlich kennt, oder?" Ansonsten will er wohl an Jens Lehmann festhalten. Weil er weiß, dass Ersatztorhüter Sven Ulreich nicht gut genug ist. Nicht so gut wie Jens Lehmann. Heute vermeldete der VfB Stuttgart, dass es nichts zu vermelden gebe. Man wolle erst einmal mit Jens Lehmann reden.

Christian Gross hat auch gesagt: "Ich kenne den Fußballer Jens Lehmann, aber ich kenne nicht den Menschen Jens Lehmann." Da ist er nicht allein.

Quelle: ntv.de

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