Fußball

18 Jahre beim Kiezklub St. Pauli Stanislawski geht und weint

Nach 18 Jahren geht die Ära von Holger Stanislawski zu Ende. Der FC St. Pauli muss sich einen neuen Trainer suchen - und er verliert ein Idol. Seine Zukunft lässt sich Stanislawski zwar offen, bei der TSG Hoffenheim aber gilt er als heißer Kandidat.

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Kehrt seinem Lieblingsklub den Rücken: Holger Stanislawski.

(Foto: dpa)

Mit zitternder Stimme und Tränen in den Augen hat Trainer Holger Stanislawski in einer bewegenden Rede seinen Abschied nach 18 Jahren vom FC St. Pauli verkündet. "Ich werde immer den Totenkopf im Herzen tragen, der Verein hat mich mein halbes Leben begleitet. Aber es ist jetzt ein Punkt erreicht, wo die Kraft und Energie weg sind. Der Rucksack wurde in den letzten Jahren immer schwerer", begründete der 41-Jährige in einer 35- minütigen Rede den Schlussstrich zum Saisonende nach zwei "unvergesslichen Aufstiegen" als Coach auf dem Hamburger Kiez.

Wohin er in der neuen Spielzeit wechselt, ließ Stanislawski offen - es seien noch Details zu klären. "Ich gehe nicht zum HSV", scherzte Stanislawski, der als Wunschkandidat des Ligarivalen TSG Hoffenheim gilt. Die Kraichgauer trennen sich zum Saisonende von Chefcoach Marco Pezzaiuoli - und deren Mäzen hat bereits ihr Interesse klar bekundet.

"Als wenn man eine zweite Familie verlässt"

Der Gang vor die Mannschaft sei brutal gewesen, sagte Stanislawski. Er verglich die Gefühle dabei mit dem Tod seiner Mutter vor wenigen Monaten und sprach von einem großen Verlust. "Es ist so, als wenn man eine zweite Familie verlässt", sagte der ehemalige Verteidiger, der immer wieder Pausen einlegen musste und um Fassung rang, "aber man muss auch loslassen". In den vergangenen Monaten habe er im Abstiegskampf acht Kilogramm Gewicht verloren.

St. Pauli habe ihm ein lukratives Vertragsangebot gemacht, er wolle jedoch eine neue Herausforderung suchen. "Die Wertschätzung eines herausragenden Angebotes wurde mir zuteil, kein anderer Verein kann darankommen", führte der Hamburger aus, für den der Geldaspekt aber nicht der entscheidende war: "Meine Batterie wurde immer leerer, irgendwann lädt sich der Akku nicht mehr auf." Nicht nur der Kampf gegen den Abstieg, auch der Stadionumbau, die Planung des neuen Trainingszentrums, der Wettskandal und die Vorfälle im Zuschauerbereich hätten ihm zu schaffen gemacht. "Nun geht das Relikt aus alten Tagen", sagte er über sich selbst. Wenn möglich, werde er seine Assistenten André Trulsen und Klaus-Peter Nemet zu einem neuen Klub mitnehmen.

Er bekommt eine Dauerkarte auf Lebenszeit

Seit 1993 war Stanislawski zunächst als Spieler, dann als Vizepräsident, Sportchef und Trainer für den Kiezklub tätig. Sportchef Helmut Schulte war es nicht gelungen, ihm die Vertragsklausel abzukaufen, nach der er für eine Ablösesumme von 250.000 Euro ein Jahr vor Vertragsende gehen kann. "Es ist ein sehr trauriger Tag, an dem wir unseren Frontmann verlieren", sagte Schulte, der bis zuletzt um seinen Kumpel kämpfte.

Keine Sekunde habe man mit dem Gedanken gespielt, dass der Trainer die Saison vorzeitig beenden könnte. Auch Namen für Nachfolger wollte Schulte nicht nennen. Für Präsident Stefan Orth hinterlässt Stanislawski eine "große Lücke, aber wir sind gut aufgestellt, auch wenn er die wichtigste Person im Klub ist". Für seine Leistung bekommt Stanislawski eine Dauerkarte auf Lebenszeit - zudem wird das Trikot mit der Nummer 21 nie wieder vergeben.

Im Abstiegskampf kommt die Nachricht von Stanis Abschied zur Unzeit, denn der Tabellenvorletzte hat zuletzt sieben Spiele hintereinander verloren. Zudem muss St. Pauli nach dem Becherwurf- Skandal am Ostersamstag voraussichtlich sein vorletztes Heimspiel gegen Werder Bremen ohne Zuschauer austragen. Über den Einspruch der Hamburger gegen das DFB-Urteil wird am Donnerstag verhandelt. Sein vermutlich letztes Heimspiel wird Stanislawski gegen Bayern München erleben: "Ich habe eine wahnsinnige Vorfreude und zugleich Angst, aber das können die Bayern auch haben, denn wir werden sie schlagen."

Quelle: n-tv.de, Britta Körber, dpa

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