Fußball

Die Überraschung der Bundesliga Stuttgarts Erfolgsgarant spielt gar nicht mit

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Silas Wamangituka trifft fast wie er will, und Orel Mangala trägt Tanguy Couilbaly auf seinen Schultern.

(Foto: Joachim Bywaletz/ jb-sportfoto / Pool /)

Jung, wild - und erfolgreich? Aufsteiger VfB Stuttgart schlägt sich beachtlich in der Anfangsphase dieser Bundesliga-Saison. Die Schwaben ärgern den FC Bayern und deklassieren Borussia Dortmund. Maßgeblich für den sind drei Führungskräfte, ein Routinier und ein Haufen Talente.

Wenn Fans des VfB Stuttgart so richtig in Nostalgie baden möchten, beschwören sie einen der legendären Abende aus den Jahren 2003 oder 2007, als das Team aus Bad Cannstatt in der Königsklasse kickte und um Titel mitkämpfte. Nun schickt sich das 2020-er Team an, eine neue Generation der "Jungen Wilden" einzuläuten und mischt mit ansehnlichem Fußball die Liga auf.

24 Tore, Vollgas-Offensive und Platz sieben in der Bundesliga-Tabelle - Stuttgart ist bisher die Überraschung der Saison 20/21. Der Erfolg des neuen VfB hat viele Gesichter und lässt sich unter einem Schlagwort zusammenfassen: Mut. Mantraartig wiederholt Trainer Pellegrino Matarazzo seinen Ansatz: "Wir wollen mutig spielen." Das kann wie zum Liga-Auftakt in einer 2:3-Pleite gegen Freiburg enden - oder eben in einer 5:1-Demontage des Vizemeisters Borussia Dortmund. Bislang wird der VfB für seine mutige Spielweise mit viel Pressing aber meistens belohnt.

Stuttgarts Trainer Pellegrino Matarazzo steht vor Spielbeginn im Stadion. Foto: Tom Weller/dpa/Archivbild

Matarazzo überzeugt.

(Foto: Tom Weller/dpa/Archivbild)

Unter dem studierten Mathematiker Matarazzo blühen Youngster wie Silas Wamangituka (21) und Tanguy Coulibaly (19) regelrecht auf. Wie jung und wild der VfB ist, zeigt die Statistik: Der 43-jährige Coach schickte gegen Dortmund das zweitjüngste Team der Stuttgarter Bundesliga-Historie auf den Rasen. In der aktuellen Saison ist der VfB mit 23,8 Jahren im Schnitt die jüngste Mannschaft der Liga.

Mislintat schlägt zu

Das Prunkstück des Teams ist die Offensive, aktuell die zweitbeste der Liga. Matarazzo gerät selbst ins Schwärmen. "Bei Silas und bei vielen anderen Spielern ist das Potenzial grenzenlos", sagte der Coach. "Wir machen sehr gute Schritte in guter Geschwindigkeit. Wir haben ein enormes Trainingsniveau und Engagement. Das ist der Grund, warum wir so schnell vorankommen."

Das letzte Mal, dass im Süden von "Jungen Wilden" geschwärmt wurde, ist schon lange her. Als erste Generation gilt das Team unter Trainer Felix Magath, das mit Jungstars wie Timo Hildebrand, Philipp Lahm, Kevin Kuranyi und Alexander Hleb 2003 in die Königsklasse rauschte. Vier Jahre später stieg eine neue Formation Junger Wilder empor, angeführt von Mario Gomez, Sami Khedira und Serdar Tasci. Nach einem kurzen Zwischenhoch 2009 folgte der tiefe Absturz, zweimal sogar in die Zweitklassigkeit. Talente gab es zwar noch reichlich in der Jugend, die verließen den Verein aber wie etwa Timo Werner kurz nach ihrem Profidebüt oder wie Serge Gnabry und Joshua Kimmich sogar schon als Jugendspieler.

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Mislintat weiß offenbar genau, was er tut.

(Foto: Pressefoto Bauman/Hansjürgen Bri)

Anders als in den 2000-ern ist diesmal aber nicht der eigene Nachwuchs für den Aufschwung verantwortlich, sondern vor allem das hervorragende Scouting. Das Hoch des VfB lässt sich ohne Sven Mislintat nicht erklären. Einst in Dortmund als "Diamentenauge" getauft, kam er nach seiner Station beim FC Arsenal im April 2019 nach Stuttgart. Dabei verlief das Wirken des Sportdirektors alles andere als reibungsfrei: Vor einem Jahr entließ er in der 2. Liga auf Platz drei liegend Trainer Tim Walter, weil die Aufstiegschancen sich zu mindern schienen, und setzte auf Matarazzo.

Kaum Zeit zum "Bruddeln"

Unterstützung gab es dabei stets von seinem Chef - Thomas Hitzlsperger, der in kürzester Zeit vom Direktor des Nachwuchsleistungszentrums zum Vorstandsvorsitzenden befördert wurde. Hitzlsperger steht sinnbildlich für den neuen Stil und das Teamdenken beim VfB. Er installierte Mislintat als starken Mann neben sich und vertraut dessen Kaderplanung. Wamangituka holte der VfB aus der zweiten französischen Liga (Paris FC) an den Neckar, Coulibaly aus der U19 von Paris St. Germain. Der laufstarke Wataru Endo kam aus Belgien, von VV St. Truiden. Wamangituka steht dabei wie kein Zweiter für das schnelle Offensivspiel des VfB, und was oft schlaksig daherkommt, bedeutet für den Gegner häufig schwere Arbeit in der Defensive.

Für die Erfahrung bei so viel Jugendlichkeit ist neben Daniel Didavi (30) vor allem Gonzalo Castro (33) zuständig. Der Routinier hat in seiner Karriere viel gesehen, spielte in Leverkusen, in Dortmund, für das DFB-Team. In Stuttgart erlebt er gerade seinen dritten Frühling. Die Fußstapfen der vorherigen "Jungen Wilden"-Generationen sind jedoch groß: Ihre Vorgänger landeten in der Champions League oder holten sensationell den Meistertitel. Davon ist die 3.0-Edition so kurz nach dem Aufstieg allerdings noch ziemlich weit entfernt.

RTL.de

Dieser Text ist zunächst bei den Kollegen von rtl.de erschienen.

Für die Schwaben, denen traditionell ein Hang zum "Bruddeln" (hochdeutsch: Meckern, Motzen) nachgesagt wird, gibt es eigentlich nur zwei klitzekleine Gründe für akute Bruddelei. Einerseits, dass sich der Erfolg gerade nicht mit den Fans im Stadion feiern lässt und zweitens, dass - vielleicht, weil die Fans fehlen - es noch keinen Heimsieg gab. Aber zumindest letzteres lässt sich ja gegen den 1. FC Union (20.30 Uhr im ntv.de-Liveticker) schon ändern.

Quelle: ntv.de

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