Fußball

"Einfach nur peinlich"Union-Boss Heldt legt gegen Sexisten nach

13.04.2026, 15:30 Uhr
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Sie hat den Job noch gar nicht angetreten, aber das Gerede über Marie-Louise Eta ist riesig. Die erste Cheftrainerin bei einem Fußball-Bundesligisten wird von ihren Chefs bei Union Berlin vehement gegen Sexismus verteidigt. Und hat womöglich sogar eine längere Zukunft.

Marie-Louise Eta kann sich Hoffnungen auf ein dauerhaftes Engagement als Cheftrainerin der Männermannschaft des 1. FC Union Berlin machen. "Zum jetzigen Zeitpunkt wäre das nicht sinnvoll, irgendwas auszuschließen. Wir haben grundsätzlich einen Plan, wie es dann auch weitergeht. Aber das werden wir dann sehen", sagte Geschäftsführer Horst Heldt über die Planungen des Fußball-Bundesligisten.

Eta war am späten Samstag kurz vor Mitternacht als Nachfolgerin von Steffen Baumgart zur Cheftrainerin der Eisernen befördert worden. Die 34-Jährige ist die erste Frau in diesem Amt bei einem Bundesligisten. Bisher war sie Trainerin der U19-Junioren von Union. Eta erfülle alle Voraussetzungen für den Cheftrainer-Posten, so Heldt. Sie "hat eine klasse Runde gespielt mit der U19." Zudem kennen alle im Verein sie bereits und sie kennt schon alle, mit denen sie nun zusammenarbeiten wird. Denn schon 2023 war Eta als Interims-Assistentin bei dem Männer-Team eingesprungen.

"Ein Cheftrainer kann nur Cheftrainer sein, wenn er diese Rolle schon mal eingenommen hat, und das hat sie", so Heldt. Das Engagement ist vorerst auf die restlichen fünf Partien im Saisonschlussspurt befristet. Auf Tabellenplatz elf haben die Berliner sieben Punkte Vorsprung auf die Abstiegsränge. Am Samstag (15.30 Uhr/Sky und im ntv.de-Liveticker) sitzt Eta gegen den VfL Wolfsburg erstmals als Chefin auf der Bank.

Heldt findet es "wahnsinnig"

Es sei nicht so, dass Baumgart allein schuldig an der schlechten Rückrunde sei, so Heldt. Aber ein Cheftrainerwechsel erzeuge nun mal die größtmögliche neue Energie in einem Team. Punktetechnisch sei der Klub noch weit vom Abstieg entfernt, aber es könne schnell gehen. Und der Auftritt gegen den Tabellenletzten 1. FC Heidenheim war laut Held "kraftlos und ideenlos". Die Rückrunde insgesamt war "zu wenig", die Entwicklung daher entscheidend für die Trennung von Baumgart.

Für die kommende Saison soll Eta eigentlich die Frauen-Auswahl als Cheftrainerin in der Bundesliga übernehmen. Heldt fügte an, dass es noch keine Gespräche mit Frauen-Geschäftsführerin Jennifer Zietz zur neuen Personalsituation gegeben habe. Entweder er oder Zietz müssten sicher einen neuen Chefcoach für die kommende Saison präsentieren, sagte der 56-Jährige und ließ alles offen. Er betonte, dass es für den Verein ja etwas Gutes sei, wenn man sich darüber Gedanken machen müsste, ob Eta als neue Cheftrainerin in die kommende Saison geht, weil sie dann ja Erfolg hatte.

Zugleich versicherte Heldt, dass die Personalplanungen bald anlaufen. "Es macht auch gar keinen Sinn, jetzt vier Wochen ins Land zu streichen und keine Gespräche zu führen. Das werden wir sicherlich jetzt aber in der Ruhe dann auch irgendwann mal angehen", sagte er.

Zudem verurteilte er die sexistischen Äußerungen gegen Eta, die es nach der Verkündung der Personalie in sozialen Medien gegeben hatte: Er habe es mitbekommen, weigere sich aber eigentlich, das zu lesen. "Ich finde es wahnsinnig, dass wir uns damit in der heutigen Zeit auseinandersetzen und uns rechtfertigen müssen. Wir reden hier von einer hochkompetenten Führungspersönlichkeit. Sie können sich sicher sein, dass alle hier bei Union Berlin, egal ob auf der Tribüne oder beim Verein selbst, zu einhundert Prozent hinter dieser Entscheidung stehen. Und wir werden mit voller Kraft dazu beitragen, dass das zukünftig zu keiner Diskussion mehr führt. Das ist einfach nur peinlich."

Quelle: ntv.de, ara/dpa/sid

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