SC Freiburg, Villa, Ex-BVB-StarUnnützes Wissen, mit dem Sie beim Finale glänzen
Für den SC Freiburg ist das Finale der Europa League das größte Spiel der Vereinsgeschichte. Ein internationaler Titel, das wäre was. Während für den Fußball-Bundesligisten alles neu ist, sind beim Gegner Personen dabei, die mit Besonderem glänzen können: auf dem Spielfeld, am Seitenrand - und sogar auf der Tribüne. Und auch der Name von Aston Villa könnte Einfluss auf den Ausgang des Spiels haben. Funfacts zum Endspiel zwischen dem SC Freiburg und Aston Villa (20.15 Uhr/RTL, RTL+ und im ntv.de-Liveticker).
Unai Emery ist der Rekordmann der Europa League
Während sowohl der SC Freiburg als auch Aston Villa noch nie im Finale der Europa League standen, ist Villa-Trainer Unai Emery ein alter Hase. Für ihn ist es bereits das sechste Finale - vier der fünf vorherigen endeten zu seinen Gunsten. Mit dem FC Sevilla gewann er den Titel von 2014 bis 2016 dreimal in Folge. 2019 rauschte er mit dem FC Arsenal wieder ins Finale - und musste sich dort dem Stadtrivalen FC Chelsea mit 1:4 deutlich geschlagen geben. Schon zwei Jahre später holte er dann aber den Rekord als Trainer: Er siegte mit dem FC Villarreal. Und nun führte er Aston Villa zum ersten Mal ins Endspiel.
108 Europa-League-Spiele hat der 54-jährige Spanier als Trainer bereits absolviert. Nur 15 davon gingen verloren. Emery ist der einzige Trainer, der mit vier verschiedenen Vereinen das Finale der Europa League erreichte.
"Villa" ist das Erfolgsgeheimnis
Wer eben genau gelesen hat, weiß schon Bescheid: Emery ist immer dann erfolgreich in der Europa League, wenn er einen Klub trainiert, der "Villa" im Namen trägt. Erst Se"villa", dann "Villa"rreal. Die schlechte Nachricht für den SC Freiburg und seine Fans: Emery trainiert nun eben Aston "Villa".
Ex-BVB-Star schafft Final-Triple
Erinnern Sie sich noch an Jadon Sancho? Diesen unfassbaren Flügelspieler beim Ballspielverein Borussia aus Dortmund, der es als 20-Jähriger in der Saison 2019/2020 auf 17 Tore und 17 Vorlagen brachte und als eines der größten Versprechen im Weltfußball galt? Daraus wurde nichts. Sein Wechsel zu Manchester United im Sommer 2021 darf als karrierezerstörend beschrieben werden. Er brachte Borussia Dortmund 85 Millionen Euro und dem Spieler neben einem ordentlichen Gehalt viel Schmerz.
Sancho wurde zum Wandervogel, als ewiger Sehnsuchtsspieler der Dortmunder kehrte er im Januar 2024 noch einmal zurück zum Westfalenstadion. Dort erzählte man sich immer noch Wunderdinge über den alten Sancho, der jung und unbesiegbar war. Zwar gelang es ihm in seiner Wohlfühloase mit drei Toren und drei Vorlagen in 21 Einsätzen nicht, das Versprechen einzulösen, aber immerhin war er maßgeblich an dem wundersamen BVB-Lauf ins Finale der Champions League beteiligt. Die Schwarzgelben verloren gegen Real Madrid, Sanchos Leihe endete und eine neue Leihe begann. Via Manchester United ging es zu Chelsea.
In London spielte Sancho eine kleine Rolle. Eine, die zwar größer war als die von Timo Werner, die aber keinen Einzug in irgendwelche Ruhmeshallen der Blues rechtfertigte. Am Ende der Spielzeit brachte er es auf fünf Tore und zehn Assists bei insgesamt 42 Einsätzen. Oft kam er von der Bank. Nicht viel für einen, der doch eigentlich Weltstar hätte werden sollen. Doch eine Sache passierte: Am Ende der Saison stand Sancho schon wieder in einem europäischen Finale. Diesmal in der Conference League. Beim 4:1 im Finale gegen Betis Sevilla traf Sancho zum vorentscheidenden 3:1. Sanchos Leihe endete und eine Leihe begann. Via Manchester United ging es zu Aston Villa.
Noch weniger Spielzeit, noch weniger Einfluss. Kurz vor Ende der Spielzeit bringt Sancho es auf 38 Einsätze, die meisten mit limitierter Spielzeit von der Bank. Er erzielte ein Tor, bereitete drei vor und bekam in England Sprüche um die Ohren geballert. "Das ist ein Spiel, in dem sogar Sancho von Anfang an spielen durfte", hieß es dort immer wieder, wenn es darum ging, die geringe Bedeutung eines Spiels für Aston Villa hervorzuheben. Sogar die Liebe und Sehnsucht der Dortmunder scheint erloschen, obwohl sie ihren verlorenen Sohn in diesem Sommer vielleicht sogar ablösefrei verpflichten könnten. Wollen sie aber womöglich nicht, denn was hat er überhaupt noch zu bieten? Tja, eine Finalgarantie. Denn natürlich steht Sancho heute wieder im Kader eines Finalisten in einem europäischen Wettbewerb. Diesmal geht es in der Europa League gegen den SC Freiburg.
Drei aufeinanderfolgende europäische Finals in drei unterschiedlichen Wettbewerben mit drei unterschiedlichen Klubs. Das ist ein Novum. Auch, wenn es sportlich immer seltener reicht für einen, der sein Talent offenbar verschleudert hat.
Marktwert-Unterschied ist eklatant
Trainer Julian Schuster wusste ganz genau, worauf er sich beim SC Freiburg einlässt. Einen tendenziell immer noch kleineren Klub, der sich seit Jahren im Kampf David gegen Goliath behauptet. Die Superstars fehlen im Kader, der Gesamtmarktwert des Teams beträgt laut transfermarkt.de 191 Millionen Euro. In der Bundesliga steht man damit im Mittelfeld. Der FC Bayern ist weit enteilt mit knapp 969 Millionen Euro, dahinter folgt mit riesigem Abstand Borussia Dortmund mit gut 498 Millionen Euro.
Was zur Folge hat: Freiburgs Final-Gegner würde in der Bundesliga-Tabelle Platz zwei hinter den Bayern belegen. Denn der Gesamtmarktwert von Villa beträgt 547,5 Millionen Euro. Seit 2019 haben die Engländer fast 900 Millionen Euro in neue Spieler investiert. Verkauft haben sie aber lediglich für 550 Millionen Euro. Und so kann sich Villa etwa Argentiniens Weltmeister-Torhüter Emiliano Martinez leisten.
Der Prinz kütt
Aston Villa – das klingt erstmal wenig royal. Ist aber trotzdem so. Denn die Fan-Lage gibt viel her: Prinz William ist, ja wirklich, ein großer Anhänger des Klubs. Dabei entstammt der englische Prinz der Großstadt London, verschmähte die dort gelegenen Super-Klubs (Arsenal, Chelsea, Tottenham, West Ham etc.) aber für den Verein aus der Arbeiterstadt Birmingham (Stadtteil Aston). Wie kam’s dazu?
Während der Schulzeit begann sein Herz für den Underdog Villa zu schlagen. "Ich war total fußballbegeistert. Ich habe mich nach Vereinen umgesehen. Meine Freunde waren entweder Fans von Manchester oder von Chelsea, und ich wollte nicht für so einen Durchschnittsverein sein", erklärte er einst der BBC. "Ich wollte einen Verein, der eher im Mittelfeld der Tabelle spielt und mir emotionalere Höhen und Tiefen bescheren kann." Da kann er sich nicht beschweren. Der letzte große Titel ist schon eine Ewigkeit her (1982). Nun geht's wieder steil bergauf. Bei der Erfüllung des Europapokal-Traums in Istanbul soll Prinz William sogar im Stadion dabei sein.
Ex-Coach Stamm fiebert mit in Istanbul
Dass der SC Freiburg längst mehr ist als nur ein regionales Fußballmärchen, zeigt auch der Reiseplan von Thomas Stamm. Der Trainer von Zweitligist Dynamo Dresden fliegt eigens nach Istanbul, um seinen Ex-Klub im Europa-League-Finale gegen Aston Villa live zu unterstützen. Der Schweizer arbeitete neun Jahre lang im Nachwuchsbereich der Freiburger und begleitete dort zahlreiche heutige Profis.
Vor allem mit vielen Spielern des aktuellen Kaders verbindet ihn noch heute eine besondere Beziehung. Noah Atubolu, Philipp Treu, Johan Manzambi oder Jordy Makengo trainierte Stamm einst selbst. Gerade bei einigen Akteuren sei der Weg in Richtung Europapokal damals keineswegs absehbar gewesen. Über Treu sagt Stamm etwa, dass der Außenbahnspieler in der U21 zeitweise kaum Einsatzminuten bekam, sich aber mit enormem Fleiß entwickelte. Und auch Halbfinal-Held Manzambi habe ihn überrascht: "Er war damals noch sehr wild und unruhig im Zentrum." Umso beeindruckender sei nun dessen Entwicklung.
Dass Freiburg plötzlich um einen internationalen Titel spielt, begeistert Stamm aber nicht nur wegen seiner Vergangenheit. Der 43-Jährige sieht im Sport-Club weiterhin ein Vorbild für andere Vereine. Viele Entscheidungen würden in Freiburg ruhig und durchdacht getroffen, sagt er - vielleicht genau die Art von Kontinuität, die den SC nun bis ins Finale geführt hat.
Support vom anderen Ende der Welt
Die Unterstützung für den SC Freiburg endet dieser Tage nicht im Breisgau - und nicht einmal in Europa. Selbst am anderen Ende der Welt fiebern Fans mit dem Sport-Club mit. Beim Halbfinale der australischen A-League hielten Anhänger von Sydney FC am vergangenen Wochenende ein Banner mit der Aufschrift "Bringt den Pokal nach Freiburg" hoch. Eine ungewöhnliche Szene - und gleichzeitig Ausdruck einer besonderen internationalen Fanfreundschaft.
Hinter der Aktion steckt die Ultra-Gruppierung "The Cove", die seit Jahren mit Freiburger Fans verbunden ist. Kennen gelernt haben sich Mitglieder beider Gruppen bereits 2010 bei einem Schüleraustausch. Daraus entwickelte sich über die Jahre eine enge Verbindung zwischen Sydney und Freiburg – und vielleicht steckt in der australischen Aktion sogar ein gutes Omen für den Sport-Club. Denn Sydney FC gewann sein Halbfinale gegen die Newcastle Jets nach Elfmeterschießen. Freiburg hätte vermutlich nichts dagegen, wenn sich diese Geschichte in Istanbul auf ähnliche Weise fortsetzt.
