Fußball

Zweistellige Pleite gegen Essen Unwürdiges Mega-Debakel für Uerdingen

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Simon Engelmann (l., weißes Trikot) war von Uerdingen nicht zu stoppen.

(Foto: imago images/Markus Endberg)

Der ehemalige Fußball-Bundesligist KFC Uerdingen hat in der Regionalliga West eine historische Pleite kassiert. Nach dem Zwangsabstieg aus der dritten Liga geht der Fall des DFB-Pokalsiegers von 1985 ungebremst weiter. Im Heimspiel gegen Rot-Weiss Essen kassieren sie eine 0:11-Pleite.

Acht Tore in einer Halbzeit, zahlreiche neue Rekorde. Das Regionalliga-Spiel zwischen KFC Uerdingen und Rot-Weiss Essen wurde zu einem Fall für die Geschichtsbücher. Am Ende hatten die Hausherren nur noch den Wunsch, das Ergebnis einstellig zu halten. Nicht einmal das wollte ihnen gelingen.

"Ich bin mega stolz auf unsere Mannschaft. Wir haben guten Fußball gespielt und eine überragende Positionierung auf dem Spielfeld gehabt. Man hat den Jungs angemerkt, dass sie über 90 Minuten Bock hatten, Tore zu schießen", freute sich Essen-Trainer Christian Neidhardt nach dem historischen Sieg, der den Ruhrpott-Kultklub zurück an die Tabellenspitze der Regionalliga West katapultierte.

Nie zuvor war einer Mannschaft in der Regionalliga West in ihrer aktuellen Form, also seit der Spielzeit 2012/2013, ein höherer Sieg gelungen. Nur einmal konnte ein Klub einer anderen Staffel in der fünfgleisigen Regionalliga einen höheren Sieg erringen. Im Juni 2016 besiegte die Zweitvertretung des Bundesligisten FC Augsburg den SV Seligenporten mit 12:0. In Uerdingens langer Vereinsgeschichte hatte es auch noch nie eine ähnliche hohe Niederlage gesetzt. Die höchste Heimniederlage der Geschichte war bislang ein 0:7 gegen die Sportfreunde Lotte in der Spielzeit 2013/2014.

Regionalliga-Vardy mit drei Treffern

Sieben Essener Spieler trugen sich in die Torschützenliste ein. Der 30-jährige Oğuzhan Kefkir und Simon Engelmann, der im Ausland schon lange als Regionalliga-Vardy gefeiert wird, erzielten je drei Treffer. Engelmann bringt es in seiner Karriere somit auf 216 Tore in 408 Spielen. Bis zur Pause hielten die Uerdinger, die früh Torhüter Jovan Jovic verletzungsbedingt auswechseln mussten, ein 0:3, danach brachen alle Dämme. Jovic-Vertreter Jonas Bredendieck kassierte bei seinem Regionalliga-Debüt neun Treffer. Nach einer Notbremse sah Uerdingens Erdinc Karakas zu allem Überfluss auch noch die Rote Karte.

Vor dem Spiel hatte Trainer Dmitry Voronov sich trotz großer Verletzungssorgen noch optimistisch gezeigt. "Wir sind eine Mannschaft, die vor keinem Gegner Angst hat - auch nicht vor Rot-Weiss Essen. Wir werden versuchen, auch dieses Spiel zu gewinnen", hatte der Trainer erklärt und auf den besonderen Charakter des Spiels hingewiesen: "Wir wissen, dass das Essen-Spiel ein Derby ist und auch für unsere Fans sehr speziell. Wir werden alles raushauen, um nach dem Derby etwas Zählbares mit unseren Anhängern zu feiern."

Doch die rund 1750 Zuschauer im Ausweichstadion in Velbert, wo der KFC seine Heimspiele austrägt, hatten nach dem Spiel wenig zu feiern, wenn sie es denn mit den Uerdingern hielten. Gut 700 Essener hatten sich auf den Weg ins nahegelegene Velbert gemacht. Sie feierten ihr Team.

Der lange Weg hinab

In der vergangenen Saison hatte Uerdingen sich am letzten Spieltag noch sportlich den Klassenerhalt in der dritten Liga gesichert, letztendlich dann aber vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) keine Lizenz für die eingleisige Liga erhalten.

Die goldenen Zeiten in Uerdingen sind schon viel länger vorbei. Der DFB-Pokalsieg 1985 gegen den FC Bayern München oder das historische 7:3 im Europapokal gegen Dynamo Dresden liegen bereits Jahrzehnte zurück. Nach dem Ausstieg der Bayer AG und dem Namenswechsel von Bayer Uerdingen zu KFC Uerdingen im Jahr 1995 spielten sie eine letzte Bundesliga-Saison, nach dem Abstieg und drei weiteren Jahren in der zweiten Liga wurde der Verein in die Unterklassigkeit zurückgedrängt.

Unter dem größenwahnsinnigen Investor Michail Ponomarew gelang zur Saison 2018/2019 die Rückkehr in die dritte Liga, doch zahlreiche Wechsel in der sportlichen Leitung und eine fragwürdige Zahlungsmoral führten im August zu einem Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens.

Der Westdeutsche Fußball-Verband belegte den Klub im September mit einem Abzug von neun Punkten für die laufende Saison, die in die aktuelle Tabelle noch nicht einfließen, da Uerdingen angekündigt hat, gegen die Entscheidung Rechtsmittel einzulegen. Somit haben die Krefelder nach aktueller Erzählung noch sechs Punkte nach elf Spieltagen. Zuletzt hatten sie gegen die Sportfreunde Lotte noch ihren ersten Saisonsieg gefeiert.

Quelle: ntv.de, sue

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