Fußball

Freiburg-Legende wird 70 Volker Finke, der Projekttrainer

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Er machte den Strandkorb im Stadion legendär: Volker Finke.

(Foto: dpa)

Beim SC Freiburg ist er eine Legende: Volker Finke hat den Fußball-Bundesligisten anderthalb Jahrzehnte geprägt, dabei drei nachhaltige Projekte angestoßen. Projektarbeit, das war ohnehin seins. Auch während seines intensiven Engagements in Kamerun.

Der Wirbel um seinen 70. Geburtstag überraschte Volker Finke doch. "So viele Leute wollten etwas von mir. Meine Stimme war schon fast weg", sagte der langjährige Trainer des SC Freiburg, der Details über die Feier heute aber nicht verraten wollte: "Das ist privat." Finke genießt sein Leben fernab der Öffentlichkeit in vollen Zügen, er stand lange genug im Rampenlicht. 16 Jahre allein als Coach der Breisgauer - im deutschen Profifußball noch immer Rekord. "Ich unternehme die Dinge, die mir Spaß machen", sagte Finke, der nach seiner Entlassung als Nationaltrainer Kameruns keinen Trainerjob mehr angenommen hat: "Ich bin viel unterwegs - ab und zu auch in Sachen Fußball - aber das hat für mich nicht mehr Priorität."

Neben Einladungen zu Trainerausbildungen in Japan und Afrika verfolgt er, wenn es sich in seinem Leben mal um Fußball dreht, vor allem die Entwicklung des Sport-Clubs. Am vergangenen Wochenende war Finke wieder einmal im Stadion, er musste aber ein seiner Meinung nach "schlechtes Spiel" der Freiburger gegen den VfB Stuttgart sehen (1:2). "Es war ein enttäuschendes Spiel mit vielen langen Bällen. Ich bin ja eher bekannt als Verfechter des Kombinationsspiels", erklärte Finke. Trotzdem müsse man sich aktuell um den Verein keine Gedanken machen, was vor allem an seinem "Nach-Nach-Nachfolger" Christian Streich liegt. "Das war eine gute Entscheidung nach der kribbeligen Phase mit Robin Dutt und Marcus Sorg", sagte Finke, dem der Fußball bei seinen direkten Nachfolgern nicht gefallen hat.

"Gute Idee, Freiburg als Projekt zu sehen"

Der Sport-Club war für Finke, der von 1991 bis 2007 die Geschicke geleitet hatte, stets mehr Projekt als klassische Vereinsarbeit. In den 16 Jahren unter seiner Regie sind die Freiburger als krasser Außenseiter insgesamt dreimal in die Bundesliga aufgestiegen, haben sich zudem zweimal für den damaligen Uefa-Pokal qualifiziert. Auf die drei größten Projekte - Trainingsgelände, Stadion und Fußballschule - blickt Finke zufrieden zurück. "Das ist heute natürlich ein schönes Ergebnis. Es war eine gute Idee, den SC Freiburg als Projekt zu sehen", sagte Finke.

Das Projekt mit den interessantesten Erfahrungen war für Finke aber sein Engagement als Nationaltrainer Kameruns von 2013 bis 2015 - auch, weil es nicht immer positiv war. "Nach der erfolgreichen Qualifikation für die WM 2014 folgten die Erfahrungen, die ich befürchtet hatte", sagte er mit Blick auf Streitigkeiten um Prämienzahlungen bei den großen Turnieren. "In der Qualifikation ging es nur um das Sportliche. Bei den Turnieren war es aber eine Schlacht um das Budget", sagte Finke, der aber auch in Afrika bewies, dass er aus wenig Mitteln Großes machen konnte.

Das hatte der gebürtige Norddeutsche schon vor seinem Wechsel nach Freiburg beim TSV Havelse gelernt. "In Havelse habe ich ein bisschen experimentiert, und dann sind wir tatsächlich in die 2. Bundesliga aufgestiegen", erinnert sich Finke. Für den niedersächsischen Verein aus Garbsen ist das bis heute der größte Erfolg. Auch deshalb wurde Finke dort in diesem Jahr für sein Lebenswerk geehrt.

Quelle: ntv.de, Alexander Dietz, sid