Ist Werders Schicksal besiegelt?"Wenn es die Taube war, dann ist das natürlich scheiße"

Werder Bremen kämpft in der Fußball-Bundesliga ums sportliche Überleben: Die Norddeutschen stehen am Rande der Katastrophe. Da kommt ein tierischer Unheilbringer völlig ungelegen.
Erinnern Sie sich an den 7. Mai 2009, als Werder Bremen zum Halbfinal-Rückspiel des UEFA-Cups zum Hamburger SV gereist war und ein 0:1 aus dem Hinspiel umbiegen musste? Das Spiel ist tief verankert im kollektiven deutschen Fußball-Gedächtnis, weil eine Papierkugel gravierend Einfluss auf den Lauf der Geschichte nahm: Beim Stand von 1:2 wollte HSV-Verteidiger Martin Gravgaard den Ball in der 82. Minute gelassen zu seinem Torwart Frank Rost zurückspielen, der ihn locker geklärt hätte. Doch die aus dem HSV-Block aufs Feld geworfene Papierkugel lenkte den Ball so ab, dass er Gravgaard ans Schienbein und von dort ins Toraus sprang.
Aus der folgenden Ecke resultierte das 1:3 und obwohl der HSV später noch einmal verkürzte, hatte sich das Schicksal entschieden: Der SV Werder zog ins Finale ein, der HSV stürzte in den folgenden Jahren erst Richtung Mittelmaß und später bis in die 2. Liga ab.
Die Papierkugel, die der Fußballgott geschickt hatte, um den Lauf der Dinge zu ordnen, wird mittlerweile im Werder-Museum ausgestellt. Nun, 17 Jahre später, wurde den Bremern wieder ein Wink des Schicksals gesendet - im Körper eines Vogels. Und diesmal ist es ein Unheilsbote.
"Danke an die Taube"
Sollte der SV Werder, der eine fürchterliche Bundesliga-Saison durchlebt, am Ende tatsächlich absteigen, werden sie sich an den 15. März erinnern und an eine Taube, die an diesem Sonntag um kurz nach 15.30 Uhr über den Rasen des Weserstadions spazierte und sich nicht vertreiben ließ. Das durchaus propere Federtier zog während eines Einwurfs des 1. FSV Mainz 05, der als Tabellen-15. zum so enorm wichtigen Kellerduell zum 14. Werder angereist war, so effektiv die Aufmerksamkeit von Werder-Verteidiger Marco Grüll auf sich, dass sich eine Kette unglücklicher Momente entwickelte, an deren Ende die Mainzer Führung nach fünf Minuten stand.
Werder konnte nicht kontern, am Ende gewann Mainz 05 2:0. Und die Taube war hinterher in aller Munde: "Danke an die Taube", sagte der Mainzer Profi Philipp Mwene bei DAZN. Und Torschütze Paul Nebel, der den Ball am Ende aus kurzer Distanz zur Führung einköpfte, schmunzelte: "Das war anscheinend dann heute der Glücksbringer. Das ist dann eine ganz lustige Story vor dem Tor."
Wenig überraschend überhaupt nicht lustig fanden die Bremer die Situation, die nach zuvor zwei Siegen in Folge nun wieder nur noch einen Punkt Vorsprung auf den Relegationsrang haben: "Wenn es die Taube war, dann ist das natürlich scheiße. Trotzdem fällt das Tor vielleicht zu leicht", sagte Leonardo Bittencourt: "Egal, ob da jetzt 'ne Taube oder irgendetwas anderes auf dem Platz ist, das darf uns nicht ablenken."
"Kleinigkeiten, die Spiele entscheiden"
Die Mainzer hatten sich zuvor noch um das Tier gesorgt, das schon wenige Augenblicke zuvor über den Platz stolziert war. "Sheraldo Becker oder Phillip Tietz hatten noch zum Schiedsrichter gesagt, dass wir die Taube vom Platz holen müssen, weil sie völlig verängstigt ist", berichtete Bittencourt. "Den Schiedsrichter hat es wohl nicht so interessiert und er hat sich gedacht, dass sie schon wieder von allein wegfliegt." Wenige Momente später zappelte der Ball im Bremer Tor.
Bereits in der Halbzeit der Partie hatte der verletzte Werder-Profi Mitchell Weiser die Situation bei "DAZN" thematisiert: "Beim Einwurf gab es zuvor die Szene mit der Taube. Ich weiß nicht, ob sie Grüllo abgelenkt hat, aber er muss da mitgehen. Es sind Kleinigkeiten, die solche Spiele entscheiden." Acht Spieltage vor dem Saisonende befindet sich Werder in akuter Abstiegsnot. Egal, wie es ausgeht: Es ist schwer vorstellbar, dass die Taube aus dem Mainz-Spiel eines Tages einen Platz neben der Papierkugel von 2009 im Werder-Museum finden wird.