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Der Aufreger: Lukowicz reckt den Arm empor, ganz rechts eilt Kapitän Bruns zu seinem Teamkollegen.
Der Aufreger: Lukowicz reckt den Arm empor, ganz rechts eilt Kapitän Bruns zu seinem Teamkollegen.(Foto: Screenshot Youtube/Channel HL-Sports)
Dienstag, 30. September 2014

Hitlergruß vor gegnerischen Fans?: Werder-Talent wegen Torjubels angezeigt

Mit ausgestrecktem rechten Arm feiert Werder Bremens U23-Stürmer Maik Lukowicz ein Tor in Lübeck - vor der Kurve des Gegners. Ein Hitlergruß? Lukowicz und sein Verein streiten ab. Doch ein Video zeigt den Jubel, und die Polizei ermittelt.

Dem umstrittenen Jubel folgt der Ärger: Gegen das Werder-Talent Maik Lukowicz wurde Anzeige erstattet. Er soll den Hitlergruß gezeigt. "Das Verfahren wurde von Amts wegen eingeleitet", bestätigte eine Polizeisprecherin einen entsprechenden Bericht der "Lübecker Nachrichten".

Lukowicz hatte am Freitagabend während der Regionalliga-Partie zwischen dem VfB Lübeck und der U23 von Werder (2:2) nach dem zwischenzeitlichen 2:0 für die Grün-Weißen mit ausgestrecktem rechten Arm vor den Lübecker Fans gejubelt. Die Polizei sichtet nun entsprechendes Videomaterial und befragt Zeugen.

Lukowicz und Werder weisen die erhobenen Vorwürfe zurück. "Das ist eine Farce, mich in so eine Ecke zu stellen. Ich distanziere mich ganz deutlich von diesem politischen Gedankengut. Ich habe beim Jubeln den Arm gehoben ohne jeden symbolischen Hintergrund", hatte Lukowicz in einer Klub-Mitteilung gesagt: "Es tut mir leid, wenn das Menschen anders interpretieren, aber es kann nicht sein, dass daraus solche schwerwiegenden Vorwürfe konstruiert werden, die mich öffentlich diffamieren."

Bruns will nichts erkannt haben

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Tatsächlich lässt die Geste Spielraum zur Interpretation. In einem Video ist deutlich zu sehen, wie Lukowicz seinen rechten Arm hebt. Mitspieler Florian Bruns - lange Zeit beim FC St. Pauli, einem Verein mit antifaschistischem Grundkonsens und damit sensibilisiert für derlei Gesten - schreit ihn an, reißt ihn dann weg und schimpft offenbar weiter auf seinen Teamkollegen. Einen Hitlergruß will Bruns aber nicht gesehen haben: "Ich habe erst nach dem Spiel von den Vorwürfen erfahren. Ich bin hingelaufen, um die Jungs aus der Ecke zu holen."

Der VfB Lübeck selbst hatte in der Vergangenheit immer wieder Probleme mit rechtsradikalen Fans. Gerade in Duellen mit Vereinen mit eher linksgerichtetem Anhang - wie etwa St. Pauli oder zum Teil auch Werder Bremen - kam es oft zu Gewaltausbrüchen. Bei einem Halltenturnier 2012 zettelten Lübecker Fans eine Schlägerei mit St. Paulianern an, sangen dazu einschlägige rechte Hetzereien wie das "U-Bahn"-Lied.

Während des Spieles waren immer wieder Becher auf Werder-Spieler geflogen, der Referee drohte mit einem Abbruch. Der VfB Lübeck erklärte jedoch, die Fans seien provoziert worden - vor allem vom vermeintlichen Hitlergruß. Lübecks Vorstand Florian Möller hatte nach auf der Internet-Plattform "Sportbuzzer" erklärt: "Die Situation war sehr heikel. Wir haben uns die Videoaufnahmen angesehen, und stellten fest, dass der Spieler mit der Nummer 16 tatsächlich diese Geste gemacht hat."

Bremen droht mit Klage

Bremens Sportchef Thomas Eichin nahm seinen Spieler in Schutz. "Diese Vorwürfe sind absolut haltlos und für unseren 19 Jahre alten polnischen Stürmer eine Zumutung. Wir haben mit dem Spieler gesprochen, er distanziert sich ganz klar von jeglicher rechter Gesinnung oder jeder Art damit zusammenhängender Symbolik. Wir sehen auch nach Ansicht des Videomaterials des VfB Lübeck keinen Grund für diese schwerwiegenden Unterstellungen", sagte Eichin, der sich juristische Schritte gegen die Anschuldigungen vorbehält.

"Wer solche Beschuldigungen anhand von überzogenen Interpretationen aufstellt, sollte sich über die Tragweite bewusst sein. Hier wird ein junger Spieler in der Öffentlichkeit an den Pranger gestellt. Da können wir als Verein nicht einfach zuschauen, egal wie emotional diese Partie geführt und von den Rängen begleitet wurde." Die Tragweite ist in Lukowicz tatsächlich groß: Der Hitlergruß ist strafbar, selbst wenn er "nur" zur Provokation gezeigt wird.

Quelle: n-tv.de