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Klopp zum Verfolger degradiert Wie Man United aus der Krise aufersteht

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So viel hat United lange nicht gejubelt.

(Foto: imago images/Colorsport)

Plötzlich mischt Manchester United im Titelkampf der Premier League mit. Es stellt sich aber die Frage, ob der jüngste Höhenflug der Red Devils wirklich von Dauer sein kann. Denn trotz der sensationellen Wiederauferstehung unter Teammanager Ole Gunnar Solskjaer gibt es berechtigte Zweifel.

Rückschläge, Krisen, Kritik. Für Verantwortliche und Spieler von Manchester United gehörten sie in der jüngeren Vergangenheit mitunter zum Tagesgeschäft. Allein die vergangenen vier Monate hatten es für den Klub aus dem Nordwesten der Insel in sich.

Hier eine kleine Auswahl: der mäßige Saisonstart und die heftige 1:6-Pleite gegen Ex-Manager José Mourinho und dessen Spurs. Die große Kritik an panischen Transfers vor der Deadline im Oktober. Die blamable Schlappe in der Champions League gegen Istanbul Basaksehir und das letztendliche Aus in der Gruppenphase. Es hatte sich ausgeträumt, im "Theatre of Dreams", der Heimstätte von Manchester United. Nicht nur einmal stand Solskjaer vor dem Aus, seine Ablösung schien nahezu unausweichlich.

Und dann wäre da die Gegenwart: Platz eins nach 17 Spielen in der Premier League. Der Vorsprung auf Meister Liverpool beträgt drei Punkte. Seit elf Partien ist United ungeschlagen, neun davon gewann der Klub und ist plötzlich Meisterschaftsanwärter. In der Liga wie im Pokal warten nun Duelle gegen den FC Liverpool, die so offen scheinen wie lange nicht. Wie konnte das passieren, bei all den Krisen?

Anteil am Aufschwung hat ausgerechnet Paul Pogba, den so mancher United-Fan schon zum Teufel gejagt hatte. Der hoch veranlagte Weltmeister galt zu oft als einer jener Superstars, die für ihr Geld zu wenig Leistung zeigen. Mehr Mitläufer als Anführer. Eben jener Paul Pogba ist nun so etwas wie der Mann der Stunde.

Deutlich verbessert

Seit Dezember legte der Franzose in zahlreichen Statistiken zu. Pogba kommt laut "Statsbomb" mittlerweile auf 1,2 Schlüsselpässe pro 90 Minuten, also Zuspiele, die einem Torabschluss vorausgehen. In den Spielen davor lag der Wert bei nur 0,48. Er kreiert zudem mehr Schuss-Chancen für seine Mitspieler (3,6 zu 1,9 pro 90 Minuten) und ist auch selbst gefährlicher vor dem Tor. Im einstudierten 4-2-3-1 überzeugte er zuletzt im Mittelfeld neben Routinier Nemanja Matic.

"Nun sind wir da, wo wir hinwollen", sagte Pogba daher nach dem so mühevollen wie richtungsweisenden 1:0 gegen den FC Burnley am vergangenen Wochenende selbstbewusst, er selbst erzielte den Siegtreffer. Die Leistung gegen den Tabellen-16. "beweist, dass wir fokussiert sind. So werden wir besser."

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Fernandes' Torgefahr ist längst unersetzlich.

(Foto: imago images/PA Images)

Zusammen mit Top-Scorer Bruno Fernandes (elf Tore, sieben Vorlagen), dem wohl besten Transfer der jüngeren United-Vergangenheit, hält Pogba dieser Tage das Gleichgewicht. Vier Jahre nach seinem 105-Millionen-Euro-Wechsel ist der 27-Jährige "endlich" in Top-Form, unken daher auch die englischen Gazetten. Plötzlich ist die Welt wieder heile, Abschiedsgedanken spricht Pogba längst nicht mehr aus.

Doch nicht nur innerhalb zum Ende des Jahres 2020 - seit Anfang November ging kein Liga-Spiel verloren - hat eine Entwicklung stattgefunden. Ein Blick auf die Tabelle des 17. Spieltags der Vorsaison offenbart den Aufschwung der Solskjaer-Schützlinge: 25 Punkte (und damit satte 24 Zähler weniger als Liverpool), hatte ManUnited damals auf dem Konto. Nun haben die Red Devils schon 36 Punkte gesammelt.

Rückstände sind keine Rückschläge

Solskjaer hat aus der Millionentruppe einen eingeschworenen Haufen, aus Einzelkönnern eine Mannschaft geformt. Es sind eher Arbeitssiege, die sein Team Woche für Woche einfährt. Mitunter mischt sich aber auch ein Gala-Auftritt wie der gegen Leeds United (6:2) darunter.

Beeindruckend ist zudem, wie sich sein Team auf fremdem Platz schlägt. ManUnited reist am Sonntag (17.30 Uhr im ntv.de-Liveticker) als ungeschlagene Auswärtsmacht (sieben Siege, ein Remis) zu den Reds. Noch beeindruckender: Die Spiele gegen Brighton, Newcastle United, Everton, Southampton, West Ham und Sheffield United gewann die Solskjaer-Elf trotz Rückstand. Mentalität als Schlüssel des Erfolgs.

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Der norwegische Teammanager weiß vor dem Duell gegen Jürgen Klopps Meisterschaftsfavoriten aber nur allzu gut, dass zum ersten großen Titel seit 2013, als Sir Alex Ferguson die 20. Meisterschaft der Vereinsgeschichte einfuhr, noch viel fehlt. "Niemand erinnert sich an die Tabelle vom 12. Januar", so ein realistischer Solskjaer.

Da sein Team bislang nur ein wirkliches Top-Spiel in dieser Saison gewann, nämlich gegen den aktuellen Tabellenfünften Everton (3:1), schwingen eben auch weiterhin die Zweifel mit. Ob Manchester United also bald den 23. Mai 2021 mit Freuden in Erinnerung behalten wird, das Datum des letzten Spieltags, lässt sich trotz der beeindruckenden Serie freilich nicht erahnen. Ein Sechs-Punkte-Vorsprung auf Liverpool würde aber sicher neue Träume im "Theatre of Dreams" zulassen.

Quelle: ntv.de