Fußball

Weltklasse-Handballer übersetzt, was Löw so sagt Wie Olsson den Bundestrainer stoppte

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„War eine coole Sache, ihn zu treffen": Staffan Olsson mit Bundestrainer Joachim Löw.

(Foto: dpa)

Damit auch die schwedischen Journalisten verstehen, was Joachim Löw zum Spiel der DFB-Elf zu sagen hat, engagiert der Verband einen Handballstar als Dolmetscher. Der kennt zwar Max Kruse nicht, löst die ungewohnte Aufgabe aber selbstbewusst und charmant.

Entgegen anderslautenden Gerüchten können Pressekonferenzen des Deutschen Fußball-Bundes durchaus unterhaltsam sein. Klar, grundsätzlich ist das eine ernste Sache, wenn Deutschlands oberster Trainer und ausgewählte Fußballspieler mit Journalisten sprechen, schließlich sind alle beruflich hier.

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War definitiv nicht in Stockholm: Michael Schulz.

(Foto: imago sportfotodienst)

Im Sheraton-Hotel zu Stockholm aber war es am Tag vor dem nun nicht mehr ga nz so großen Spiel zwischen Schweden und Deutschland in der WM-Qualifikation (heute ab 20.45 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) so, dass auf dem Podium nicht nur Bundestrainer Joachim Löw, DFB-Pressesprecher Jens Grittner und später Angreifer Max Kruse saßen, sondern auch ein Mann seinen Platz einnahm, der ein wenig aussah wie Michael Schulz, der einst beim 1. FC Kaiserslautern, Borussia Dortmund und Werder Bremen für Geld Fußball spielte - und immerhin sieben Mal für die deutsche Nationalmannschaft.

"Mer nervöst än en VM-final"

War er aber gar nicht, sondern viel besser: der 49 Jahre alte Schwede Staffan Olsson, früherer Weltklasse-Handballer, 358-facher Nationalspieler, zweimal Weltmeister, viermal Europameister. Seit 2008 trainiert er das Nationalteam seines Landes. Ein Mann, der in seiner Sportart all das erreicht hat, wovon der Bundestrainer und seine Mannschaft bisher nur träumen. Die Lösung: Der schwedische Verband hatte ihn gebeten, das zu dolmetschen, was Joachim Löw so sagt. Olsson hat elf Jahre in der Bundesliga für den TV Hüttenberg, den TV Niederwürzbach und den THW Kiel gespielt. Er spricht perfekt deutsch.

Ohne sich Notizen zu machen, erledigte er seine Aufgabe gewissenhaft - zumindest hat sich kein schwedischer Journalist beschwert. Allerdings gab Olsson zu, bisweilen "etwas kürzer übersetzt" zu haben. Einmal unterbrach er den Bundestrainer sogar: "Darf ich jetzt mal?" Er durfte. Ansonsten gab er sich bescheiden: "Ich finde das lustig und auch ein bisschen interessant. Ich glaube, ich habe nicht die größte Rolle hier gespielt. Und das ist auch gut so."

Sein Ziel hat Olsson erreicht, schließlich wollte er den Bundestrainer kennenlernen. "War eine coole Sache, ihn zu treffen. Er war ganz locker und sehr sympathisch." Der Zeitung "Aftonbladet" sagte er hinterher, er sei "mer nervöst än en VM-final" gewesen - nervöser als in einem WM-Endspiel. Er kam aber nur einmal ins Straucheln. Mit dem Mönchengladbacher Max Kruse konnte er nicht wirklich viel anfangen. "Richtig gut kenne ich ehrlich gesagt nur die Spieler von Borussia Dortmund und Bayern München." Erst schaute er fragend nach links an Löw und Grittner vorbei zu Kruse, dann auf seinen Zettel. Kruse hatte übrigens gesagt: "Es ist für mich immer eine besondere Sache, bei der Nationalmannschaft zu sein." Manchmal sind Pressekonferenzen auch ein wenig langweilig. Es sei denn, der Star-Dolmetscher nennt Max Kruse Florian.

Quelle: n-tv.de