Fußball

Vom PC an die Seitenlinie Will Still verschiebt die Grenzen der Fußball-Realität

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Will Still (r.) schaut gar nicht hin. Neymar kennt er doch vom Football Manager.

(Foto: IMAGO/PanoramiC)

Seit 15 Spielen ungeschlagen, dem Katar-Ensemble Paris Saint-Germain einen Punkt abgetrotzt, plötzlich berühmt. Das Leben des 30-jährigen Will Still wird im Dezember 2022 auf den Kopf gestellt. Was am heimischen PC beginnt und wie eine Werbekampagne klingt, ist seinem Klub 25.000 Strafe pro Spiel wert.

Will Still schaffte, wovon viele Fußball-Fans nur träumen können: Der gebürtige Belgier mit englischen Eltern zockte in seiner Jugend stundenlang den beliebten Football Manager. Jetzt, einige Jahre später, arbeitet Still als Cheftrainer des französischen Erstligisten Stade Reims - und das sehr erfolgreich.

"Ich war verrückt danach, Football Manager zu spielen, als ich aufwuchs. Mein Bruder und ich spielten es ununterbrochen", sagte Still auf der Website The Coaches Voice. Aus dieser Leidenschaft zum Spiel entschied Still, sich voll auf den Trainerberuf zu fokussieren und begann früh eine Trainerausbildung in England.

"Das Spiel hat wahrscheinlich das Feuer in mir entfacht, dass ich jetzt als Trainer an der Seitenlinie habe", sagte der Fan von West Ham United. Da Stills Eltern keine Playstation erlaubten, wurde deshalb eben jenes Managerspiel am "Familiencomputer" gezockt.

Der Klub investiert in Trainer ohne Lizenz

Nach verschiedenen Stationen als Interims- und Co-Trainer wurde der 30-Jährige Ende 2022 schließlich zum Chef befördert und ist nun der jüngste Trainer in Europas Top-fünf-Ligen. Und seine sportliche Bilanz kann sich sehen lassen: Seit 15 Pflichtspielen ist Still mit Reims ungeschlagen und trotzte vor Kurzem sogar dem Star-Ensemble von Paris St. Germain einen Punkt (1:1) ab. Heute (15 Uhr/DAZN) soll die Serie bei Ligue-1-Aufsteiger und Abstiegskandidat AJ Auxerre weiter ausgebaut werden.

Dass ihm heute noch seine Erfahrungen aus dem Managerspiel, bei dem Fans selbst in die Rolle des Trainers und/oder Managers schlüpfen und die Geschicke eines Vereins leiten können, helfen, erstaunt Still selbst.

"Ich hätte nie gedacht, dass der Football Manager einen Einfluss auf meine reale Karriere hat, aber wenn ich jetzt darüber nachdenke, hat es das definitiv", sagte Still, der auch schon einige seiner Ideen zunächst virtuell getestet hat. Sein Spielgefährte und Bruder Edward trainiert übrigens mittlerweile den belgischen Erstligisten KAS Eupen.

Einen kleinen Haken hat diese fast schon märchenhafte Geschichte doch: Weil Still keine UEFA-Pro-Lizenz besitzt, muss sein Verein für jedes Spiel, das er an der Seitenlinie steht, 25.000 Euro Strafe zahlen. Das scheint jedoch kein Problem. "Der Klub hat mir gesagt: 'Wir sind bereit, in deine Karriere zu investieren", betonte Erfolgscoach Still in der "Daily Mail": "Solange du gewinnst."

Quelle: ntv.de, sue/sid

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