Fußball

Ibrahimovic begeistert L.A. Zlatan I., König von Kalifornien

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"Ich bin der Beste, der jemals in der MLS gespielt hat": Zlatan Ibrahimovic.

(Foto: imago images / ZUMA Press)

Zlatan Ibrahimovic ist der mit Abstand großmäuligste unter den selbstbewussten Fußballstars. Das "Problem": Der Schwede füttert die eigene Legende mit immer neuen Heldentaten. Bei seinem Klub L.A. Galaxy bricht er wieder einen Rekord - und die Stadt der Engel liegt ihm zu Füßen.

Es ist eine kleine Szene, aber sie steht sinnbildlich für Zlatan Ibrahimovic und sein Standing in der Basketballstadt Los Angeles. Kurz vor Ende des wilden 7:2-Sieges seiner LA Galaxy über Sporting Kansas City am 30. Spieltag der Major League Soccer, bei dem der Angreifer einen Hattrick erzielt, holt Ibrahimovic einen Einwurf nahe der rechten Eckfahne raus. Der Schwede aber müht sich nicht, den Ball aufzuheben. Er lupft ihn über die Bande zu einem Balljungen, um diesen gleich darauf aufzufordern, ihm den Ball in die Arme zu werfen, was der Halbwüchsige mit einem Grinsen im Gesicht sofort tut. Ein Ibrahimovic bückt sich nicht nach dem Ball - er ist für Größeres hier. Und Fußball-L.A. liegt ihm zu Füßen.

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"In meinen zwei Jahren hier habe ich unglaubliche, perfekte Dinge vollbracht."

(Foto: imago images / ZUMA Press)

Ibrahimovic, 37 Jahre alt, bewegt sich flüssig. Von einem Fuß dreht er sich auf den anderen, schwingt die Hüfte zum Rhythmus. Ibrahimovic ist überall, sogar auf der Tanzfläche. Jeder zweite Galaxy-Fan trägt ein Trikot des Schweden, die Anhänger der Kalifornier feiern schon vor dem Spiel, bei dem es für beide Teams um die Playoff-Plätze geht. Eine Salsa-Band heizt vor dem Stadion ein, ein Reggaeton-DJ folgt. Besonders die vielen mexikanisch stämmigen Fans tanzen. Vor 22.465 Zuschauern trifft Ibrahimovic gleich dreifach, in der 32., 51. und 85. Minute.

Mit seinen Treffern 24, 25, und 26 (in 25 Spielen) knackt er den Torrekord von Galaxy in einer Spielzeit. Joe Corona (48.), Uriel Antuna (69.) und zweimal Sebastian Lletget (77., 79.) machen die Kansas-Klatsche voll. Für den Gegner schnürt Felipe Gutiérrez einen Doppelpack (24., 86.), der in der Zlatan-Mania allerdings komplett untergeht.

"Habe unglaubliche Dinge vollbracht"

"Ich habe von meinem ersten Tag an gesagt, dass ich nicht hier bin, um Urlaub zu machen", sagt Ibrahimovic. "Ich bin hergekommen, um zu performen und allen zu zeigen, worum es bei diesem Spiel geht." In der Kabine scharen sich die Reporter um den Stürmerstar, wie es in den USA üblich ist. Alle beobachten, wie er sich Zeit lässt, sich langsam anzieht und die Haare kämmt, sich mit Deo Marke "Zlatan" einsprüht. "Ich bin der Beste, der jemals in der MLS gespielt hat. Ohne Witz. In meinen zwei Jahren hier habe ich unglaubliche, perfekte Dinge vollbracht." Trainer Guillermo Barros Schelotto sagt: "Er ist Zlatan. Und das ist der Grund, warum er Zlatan sein kann. In wichtigen Spielen ist er immer zur Stelle und liefert."

Wie so oft sind es im Fußball Details, die ein Spiel entscheidend in eine Richtung lenken. Beim Stand von 0:1 schiebt Ibrahimovic einen berechtigten Handelfmeter in die rechte Ecke, Torhüter Tim Melia pariert, wehrt den Ball aber in die Mitte ab und nicht zur Seite. So staubt der Schwede zum 1:1 ab - und das Spektakels nimmt seinen Lauf. Er schießt, mal mit links, mal mit rechts. Er köpft nach Belieben, die Verteidiger sind einen Kopf kleiner. Und er trifft und trifft und trifft und lässt sich nach jedem Tor feiern. Die Lateinamerikaner unter den Galaxy-Spielern bekommen besonders viel Applaus, aber den Jubel für Ibrahimovic toppt keiner. "Ihr müsst flanken", rufen die Fans, in der Luft kann ihn niemand aufhalten. Er gewinnt jedes Kopfballduell. "Sei eigensinnig", hört man auch von den Zuschauern, als der Schwede einen Risikopass spielt.

Sie wissen in Los Angeles, welchen Fähigkeiten sie vertrauen. Denen im rechten Fuß des Schweden, als er vor dem 3:1 den Ball mit einer gefühlvollen Bewegung mitnimmt und auf Links legt, um eiskalt einzuschießen. Oder denen im linken Fuß, als er in der 85. humorlos und präzise nach einem Konter den Ball neben den rechten Pfosten ins Netz jagt. Ibrahimovic läuft jubelnd über das halbe Spielfeld, springt auf die Bande und lässt sich mit ausgebreiteten Armen feiern. Seht her: "Ich bin L.A.". Das twitterte der Stürmer auch im Juli einen Tag nach dem 3:2 im Derby gegen den FC Los Angeles. Auch dort traf er dreifach.

"Für immer auf diesem Niveau"

Die Zuschauer rasten aus nach jedem Ibrahimovic-Tor, eine Pyro-Show ballert Feuerwerk in den sommerlichen Abendhimmel Kaliforniens. In 52 Spielen für Galaxy hat er nun 48 Tore geschossen und elf Vorlagen gegeben. Los Angeles ist fußballverrückt - und das liegt ausschließlich an dem Ausnahmekönner. Der Schwede ist eine aussterbende Art: der klassische Mittelstürmer. Oft parkt er an der Mittellinie, nimmt sich immer wieder Auszeiten, um dann stets da zu sein, wenn es gefährlich wird.

Und er ist Zlatan. Heißt: Der Fußball-Exzentriker bietet Show. Läuft er in einen Kansas-Spieler, fällt dieser um. Doch der Schwede starrt den auf den Boden sitzenden an, als hätte jener gerade eine königliche Hoheit beleidigt. Und auch dafür liebt L.A. seinen Zlatan. Er passt in diese Stadt der Extravaganz, in der alles eine Nummer größer ist. Schließlich ist in Zlatans Welt niemand und nichts größer als Zlatan.

Nach Wochen mit Toren, Hattricks und Siegen brachte sich Ibrahimovic deshalb auch mal wieder mit Manchester United in Verbindung, wo er bis März 2018 noch gespielt hatte. Auf Nachfrage von n-tv.de, ob er so eine Show wie beim 7:2-Sieg auch immer noch in einer großen europäischen Liga liefern könne, antwortet der 37-Jährige Zlatan‘esk: "Ich kann auf diesem Niveau für immer spielen. Easy."

Quelle: ntv.de