Collinas Erben

"Collinas Erben" sind überrascht So rustikal wie regelwidrig

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Deutliche Spuren.

(Foto: imago images/Jan Huebner)

Vor dem Ausgleichstor für Union Berlin in Frankfurt hinterlässt ein Spieler der Gäste sichtbare Spuren auf dem Oberschenkel des gegnerischen Kapitäns. Doch der Treffer zählt, weil der Video-Assistent sich erstaunlicherweise nicht einschaltet. In anderen Spielen interveniert er dagegen durchweg zu Recht.

Nach dem Schlusspfiff des Spiels zwischen Eintracht Frankfurt und dem 1. FC Union Berlin (5:2) war die Entstehung des Ausgleichstores der Gäste zum zwischenzeitlichen 1:1 in der siebten Minute kaum mehr der Rede wert. Doch das wäre wohl anders gewesen, hätten die Hausherren die Partie nicht gewonnen, und das auch noch so deutlich. Denn dem Treffer von Max Kruse war ein Zweikampf zwischen Julian Ryerson und dem Frankfurter Kapitän Makoto Hasebe im Strafraum der Gastgeber vorausgegangen, bei dem die Hessen ein Foulspiel des Berliners reklamierten. Schiedsrichter Markus Schmidt gab das Tor jedoch, und auch der Video-Assistent in Köln hatte keine Einwände.

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Das fälschlicherweise als "regelkonform" eingestufte Duell.

(Foto: imago images/Matthias Koch)

Dabei musste Hasebe nach dem Treffer vom medizinischen Personal der Eintracht auf dem Rasen behandelt werden, und den Grund dafür fingen die Kameras ein, als er wieder stand: Auf seinem linken Oberschenkel sah man Stollenabdrücke und blutige Striemen. Die hatte ihm Ryerson zugefügt, als dieser im Laufduell mit dem langen Bein zum Ball ging, die Kugel jedoch verfehlte und stattdessen mit der Sohle das Bein von Hasebe streifte. Anschließend blieb er mit der Ferse auch noch kurz am Hosensaum seines Gegenspielers hängen, der seinerseits den Ball abschirmte und nun zu Boden ging. Das Spiel lief gleichwohl weiter, und schließlich traf Kruse.

Schmerzhafter Streiftreffer mit den Stollen

Dass der Unparteiische, der von hinten auf den Zweikampf schaute, keine Regelwidrigkeit wahrnahm, ist aufgrund seines Blickwinkels begreiflich. Sehr viel weniger nachvollziehbar ist es dagegen, dass der VAR nach der Überprüfung der Torerzielung keinen Handlungsbedarf sah. Denn hier lag kein handelsüblicher Kontakt im Rahmen eines Kampfes um den Ball vor - den Ryerson im Übrigen auch nicht spielte -, sondern ein schmerzhafter Streiftreffer mit den Stollen, der selbst bei einer großzügigen Regelauslegung und einer hohen Eingriffsschwelle des Video-Assistenten nicht mehr als gerade noch regelkonform durchgehen sollte.

Deshalb wären ein Eingriff des VAR und eine Review-Empfehlung an den Referee angebracht gewesen, mit der Folge, dass das Tor annulliert worden wäre und die Frankfurter wegen des Foulspiels einen direkten Freistoß bekommen hätten. Gerade wenn der Ball nicht gespielt worden ist und die Spuren eines Fußeinsatzes auch noch derart deutlich zu sehen sind, lässt sich nicht mehr die Einschätzung vermitteln, dass das Zweikampfverhalten zwar rustikal war, aber nicht regelwidrig.

Rot für Davies ist die richtige Entscheidung

Anders als bei der Begegnung in Frankfurt schaltete sich im Spiel des FC Bayern München gegen den VfB Stuttgart (4:0) der Video-Assistent nach elf Minuten ein. Zuvor hatte er die Gelbe Karte überprüft, die Schiedsrichter Daniel Schlager dem Münchner Alphonso Davies für dessen Foul an Wataru Endo gezeigt hatte. Der Außenverteidiger der Bayern hatte den Ball technisch unsauber angenommen und dadurch an den Stuttgarter verloren. Beim Versuch der Rückeroberung war er Endo mit den Stollen seines linken Schuhs auf den Knöchel gesprungen.

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Rot nach Rücksprache.

(Foto: Pressefoto Rudel/Robin Rudel/Poo)

Es war ein Foulspiel, das aufgrund der Intensität, der Art und Weise des Einsteigens und des Trefferortes eindeutig als gesundheitsgefährdend einzustufen ist - also nicht nur rücksichtslos, sondern übermäßig hart war. Aus der Perspektive von Schiedsrichter Daniel Schlager auf dem Rasen hatte sich das Vergehen weniger schwerwiegend dargestellt, doch die Bilder ließen nur eine Entscheidung zu, und das war die Rote Karte. Deshalb intervenierte der VAR zu Recht, und der Unparteiische korrigierte dann auch seine Entscheidung: Er verwies Davies des Feldes. Trotzdem nahm der dezimierte Rekordmeister anschließend den Aufsteiger regelrecht auseinander.

Bellingham: Es war der Oberarm und nicht die Brust

Korrekt war auch der Eingriff des Video-Assistenten in der 33. Minute der Partie 1. FC Köln gegen Borussia Dortmund (2:2). Bei einem Torschuss des Kölners Noah Katterbach hatte Jude Bellingham den Ball im eigenen Strafraum abgelenkt - nach Ansicht von Schiedsrichter Daniel Siebert mit der Brust, so zeigte es der Referee jedenfalls an. Die Bilder machten jedoch deutlich, dass der Unparteiische aus Berlin sich in seiner Wahrnehmung geirrt hatte: Bellingham war mit dem Oberarm am Ball gewesen. Der VAR intervenierte deshalb und riet Siebert, sich die Szene noch einmal selbst anzusehen.

Der Unparteiische brauchte in der Review Area nicht lange, um zu dem Schluss zu kommen, dass ein strafbares Handspiel vorlag. Denn Bellingham hätte genügend Zeit gehabt, um seinen Arm aus der Flugbahn des Balles zu nehmen, doch stattdessen bewegte er ihn sogar ein Stück zur Kugel hin. Siebert entschied deshalb auf Strafstoß und zeigte dem Dortmunder außerdem die Gelbe Karte. Es war eine sogenannte Pflichtverwarnung, die zwingend erfolgen muss, wenn ein Spieler den Ball, der ansonsten aufs Tor gekommen wäre, durch ein ahndungswürdiges Handspiel aufhält oder ablenkt.

Auch bei Cordobas Handspiel griff der VAR zu Recht ein

Apropos strafbares Handspiel: Ein solches lag auch im Spiel von Hertha BSC gegen Bayer 04 Leverkusen (3:0) vor, als der Berliner Jhon Cordoba bei einem Konter der Gastgeber den Ball mit dem Arm aus der Luft annahm und sogleich weiterleitete. Am Ende dieses schnurstracks vorgetragenen Angriffs erzielte Dodi Lukebakio das vermeintliche 4:0. Doch weil Schiedsrichter Felix Brych das Handspiel nicht wahrgenommen hatte, griff der Video-Assistent ein. Nach dem folgenden Review annullierte der Referee den Treffer.

Zwar stand das Handspiel nicht in einem unmittelbaren Zusammenhang mit der Torerzielung, aber das war hier auch nicht der Punkt: Weil es für sich genommen aufgrund der Armhaltung von Cordoba ahndungswürdig war und in der Angriffsphase geschah, an deren Ende die Hertha traf, musste der Treffer genauso zurückgenommen werden, wie es bei einem Foulspiel der Fall gewesen wäre. Auch in diesem Fall hatte die Intervention aus der Kölner Videozentrale also ihre Berechtigung.

Quelle: ntv.de

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