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Damit hat auch der Fotograf nicht gerechnet: Und Ron-Robert Zieler hat seinen Eintrag im Saisonrückblick mit seinem Eigentor sicher.
Damit hat auch der Fotograf nicht gerechnet: Und Ron-Robert Zieler hat seinen Eintrag im Saisonrückblick mit seinem Eigentor sicher.(Foto: imago/Sportfoto Rudel)
Montag, 01. Oktober 2018

"Collinas Erben" trösten: Zielers Eigentor - vermeidbar wie paradox

Von Alex Feuerherdt

Weil er beim Einwurf eines Mitspielers pennt, sorgt der Stuttgarter Torhüter Ron-Robert Zieler für eines der kuriosesten Eigentore in der Geschichte der Fußball-Bundesliga und für ein Novum. Das hätte er paradoxerweise vermeiden können.

Als Schiedsrichter Tobias Welz am späten Samstagnachmittag das Spiel zwischen dem VfB Stuttgart und dem SV Werder Bremen abpfiff, dürfte die Erleichterung des Stuttgarter Torhüters Ron-Robert Zieler über den 2:1-Erfolg an diesem sechsten Spieltag besonders groß gewesen sein. Ein Moment der Unachtsamkeit bei ihm nach 68 Minuten hatte in einer gänzlich harmlosen Situation zum höchst skurrilen Ausgleichstor für die Bremer geführt. Ohne Not schien der VfB den Sieg aus der Hand zu geben, da bügelte Gonzalo Castro das Missgeschick seines Keepers mit dem Siegtreffer wieder aus. Zielers Fauxpas führte zu einem der kuriosesten Eigentore in der Geschichte der Fußball-Bundesliga - und regeltechnisch interessant war es ebenfalls.

Jean-Marie Pfaff weiß, wie sich Ron-Robert Zieler fühlt.
Jean-Marie Pfaff weiß, wie sich Ron-Robert Zieler fühlt.(Foto: dpa)

Passiert war dies: Der Stuttgarter Verteidiger Borna Sosa hatte den Ball bei einem Einwurf zu seinem Schlussmann zurückgeworfen, der jedoch gerade damit beschäftigt war, sich die Stutzen hochzuziehen, und die Kugel deshalb erst sehr spät bemerkte. Sein hektischer Versuch, sie mit dem rechten Fuß zu stoppen, schlug fehl. Zieler berührte den Ball minimal, dann rollte er ins Tor. "Es gab eine Auswechslung", versuchte der Torwart, seinen Blackout zu erklären. "Ich habe den Pfiff, dass es weitergeht, nicht gehört und nicht damit gerechnet, dass der Ball so präzise und schnell zurückgeworfen wird."

Dabei hätte Zieler das Gegentor paradoxerweise verhindern können, wenn er noch unaufmerksamer gewesen wäre und den Ball gar nicht getroffen hätte. Denn nicht nur für den Einwurf, sondern auch für jede andere Spielfortsetzung gilt: Wenn der Spieler, der sie ausführt, den Ball regelgerecht ins Spiel bringt und ihn dabei direkt, also ohne weitere Berührung, ins eigene Tor befördert, zählt der Treffer nicht, sondern es gibt einen Eckstoß für die gegnerische Mannschaft. Der regelphilosophische Grund dafür liegt darin, dass aus dem Vorteil in Form des Ballbesitzes - zu dem es gekommen ist, weil der Gegner eine Spielunterbrechung herbeigeführt hat - nicht unmittelbar ein Nachteil in Form eines Gegentores werden soll.

Jean-Marie Pfaff weiß, wie Zieler sich fühlt

Die Regelhüter wollen aber auch nicht, dass ein solcher Lapsus ohne Konsequenzen bleibt. Deshalb gibt es, wenn etwa ein Freistoß oder ein Einwurf direkt im eigenen Tor landet, einen Eckstoß für den Gegner - sozusagen als Mittelweg. Auch bei einem Abstoß, einem Eckstoß und einem Strafstoß wäre das so, nur ist es fast unmöglich, aus diesen Spielfortsetzungen ein Eigentor zu erzielen, weil es dafür Unterstützung in Form eines sehr starken Windes bräuchte. Wird die Kugel beim Schiedsrichter-Ball von jenem Spieler, der sie als Erster berührt, ohne weitere Umschweife im eigenen Tor versenkt, hätte das ebenfalls einen Eckstoß zur Folge.

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Dass ein Torwart den Einwurf eines Mitspielers in den eigenen Kasten lenkt, ist ein Novum in der Bundesliga. Ein Eigentor durch das Abfälschen eines gegnerischen Einwurfs hat es dagegen schon einmal gegeben, und zwar vor etwas mehr als 36 Jahren. Auch damals profitierte der SV Werder. Am ersten Spieltag der Saison 1982/1983 versuchte Jean-Marie Pfaff, Torhüter des FC Bayern, im Weserstadion bei seiner Premiere in der Bundesliga einen weiten Einwurf von Uwe Reinders mit den Händen aufzuhalten. Er kam aber nur mit den Fingerspitzen an den Ball, der zum 1:0 ins Tor sprang. Bei diesem Ergebnis blieb es bis zum Schluss. Wie Zieler hätte auch Pfaff besser daran getan, sich gar nicht erst um den Ball zu bemühen. Denn wenn ein Einwurf direkt ins gegnerische Tor geworfen wird, geht das Spiel mit einem Abstoß weiter. Der Grund dafür ist in diesem Fall, dass es merkwürdig wäre, wenn beim Fußball ein Treffer zählen würde, bei dem ein Spieler den Ball in hohem Bogen mit den Händen ins gegnerische Tor befördert hat.

Selten genutzte taktische Möglichkeiten

Erlaubt ist es dagegen, den Gegner beim Einwurf taktisch anzuwerfen, um im Ballbesitz zu bleiben. "Taktisch" heißt: nicht zu fest - sonst würde es sich um eine Tätlichkeit handeln. In der Praxis wird diese Möglichkeit jedoch nur selten genutzt, wie auch der Umstand, dass das Abseits bei Einwurf aufgehoben ist.

Wie die Historikerin Petra Tabarelli herausgefunden hat, gilt die heutige Einwurfregel im Wesentlichen seit 1886. Der Weltverband Fifa lässt zwar immer mal wieder bei internationalen Jugendfußballturnieren die Variante testen, den Ball einzuschießen statt einzuwerfen, nachdem er die Seitenlinie überschritten hat. Durchgesetzt hat sich das jedoch bislang nicht.

Erst seit dieser Saison ist in den Regeln festgelegt, dass ein Einwurf zwingend im Stehen ausgeführt werden muss. Theoretisch wäre das zuvor auch anders möglich gewesen. Manche Lücken werden eben erst geschlossen, wenn sie jemand entdeckt.

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Quelle: n-tv.de