Redelings Nachspielzeit

Effenbergs Dänen-Drama Am EM-Titel zerbrach seine große Freundschaft

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Effenberg (links) und Laudrup gemeinsam beim AC Florenz 1992.

(Foto: imago/Magic)

Heute spielen die Dänen gegen Wales im Achtelfinale. Vor genau 29 Jahren gewannen sie gegen Deutschland die EM 1992. An diesem Tag spielte Stefan Effenberg gegen seinen besten Freund Brian Laudrup. Doch nach dem Finale war nichts mehr so, wie es vorher einmal war.

"Wenn ich eine Frau gewesen wäre, hätte ich ihn wahrscheinlich geheiratet, so sehr stand ich auf ihn." Das hat das blonde Raubein Stefan Effenberg tatsächlich einmal über seinen damaligen besten Freund und Mannschaftskameraden Brian Laudrup gesagt. In ihren gemeinsamen Tagen beim FC Bayern München gingen die beiden durch und dick und dünn. "Brian war wie ein kleiner Bruder für mich", meinte Effenberg noch viele Jahre später. Doch plötzlich war alles aus. Und Schuld war im Grunde die Europameisterschaft 1992 in Schweden.

Wie eng das Verhältnis des damals 23-jährigen Dänen und des nur wenige Monate älteren Effenbergs war, zeigt eine Szene aus dem Oktober 1991. Stefan Effenberg hatte in den Tagen und Wochen zuvor das eine oder andere Mal Stress mit seinem Trainer Jupp Heynckes gehabt. Die Auseinandersetzung der beiden ging so weit, dass die Situation eines Tages komplett eskalierte und Effenberg seinem Coach offen Prügel androhte: "Wollen wir die Sache draußen klären?"

Die Macht von Jupp Heynckes wurde durch solche Aktionen natürlich Stück für Stück untergraben. Und als schließlich die sportliche Lage immer katastrophaler wurde, dachte Uli Hoeneß, dass es keinen anderen Ausweg mehr für ihn und den FC Bayern gäbe als den Rauswurf des Trainers. Die Entlassung von Heynckes bezeichnet der damalige Manager heute noch als seinen "größten Fehler". Doch was dann geschah, haben alle Beteiligten nie vergessen.

"Wir teilten alles, außer unsere Frauen, versteht sich!"

Nach dem ersten Spiel nach dem Rauswurf standen Brian Laudrup und Stefan Effenberg bei ihrem Ex-Coach plötzlich vor der Tür. Sie hatten zwei Flaschen Rotwein dabei. Der Grund ihres Kommens: Sie wollten sich bei Heynckes persönlich bedanken, dass sie unter ihm trainieren hatten dürfen. Nach einem feucht-fröhlichen Abend bedankte sich schließlich der spätere Triple-Gewinner im Gegenzug bei Laudrup und Effenberg: "Ich habe genau gewusst, wenn noch jemand aus der Mannschaft vorbeikommt, dann seid ihr beiden das." Die Worte von Heynckes kamen nicht von ungefähr. Der flinke Däne und der kämpferische Deutsche waren in diesen Tagen einfach unzertrennlich. Effenberg erinnert sich: "Wir hingen immer zusammen und teilten alles, außer unsere Frauen, versteht sich!"

Auch bei der EM telefonierten die beiden Freunde regelmäßig, schließlich sollte es danach für beide gemeinsam nach Italien gehen. Der AC Florenz hatte Effenberg verpflichtet - und ihn anschließend nach seinem Kumpel Brian gefragt. Und da der gebürtige Hamburger eine gemeinsame Zeit mit seinem "echten Buddy" in Florenz "obergeil" fand, machte er Laudrup gegenüber den AC-Funktionären "noch besser, als er in Wirklichkeit war". Es klappte. Doch schon kurz nach der Unterschrift des Dänen unter seinen Vertrag war zwischen den beiden nichts mehr so, wie es vorher einmal war.

Schon nach dem gewonnenen EM-Finale der Dänen hatten die beiden kein Wort miteinander gewechselt. Laudrup hatte darauf verzichtet, an diesem Abend auf dem Rasen nach dem Spiel zu seinem Freund zu gehen, als er sah, dass dieser den Tränen nahe war. Doch nachdem einige Tage ins Land gegangen waren, trafen die beiden in Florenz wieder aufeinander. Allerdings nur kurz, denn der Däne musste nach seiner Vertragsunterschrift noch einige Dinge in München und seiner Heimat regeln. Zuvor hatte sich Laudrup jedoch etwas gegönnt: ein nigelnagelneues Mercedes SL Cabriolet. Effenberg meinte damals über die spontane Anschaffung seines Kumpels, dass dieser "ein bisschen den Dicken machen" wollte.

"Ein ekelhaftes Repertoire hässlicher Tricks"

Ben Redelings

Ben Redelings ist ein leidenschaftlicher "Chronist des Fußballwahnsinns" und Anhänger des ruhmreichen VfL Bochum. Der Bestseller-Autor und Komödiant lebt im Ruhrgebiet und pflegt sein legendäres Anekdoten-Schatzkästchen. Für ntv.de schreibt er montags und samstags die spannendsten und lustigsten Geschichten auf. Weitere Informationen zu Ben Redelings, seinen aktuellen Terminen und seinem aktuellen Buch ("60 Jahre Bundesliga. Das Jubiläumsalbum") gibt es auf seiner Seite www.scudetto.de.

Doch da ihn das Auto trotzdem reizte, ließ sich der blonde Deutsche in Laudrups Abwesenheit vom Hotelportier den Schlüssel für den Wagen geben und unternahm eine kleine Spritztour. Hinterher meinte er: "Das Ding hatte danach vielleicht 100 Kilometer mehr auf dem Tacho!" Als Laudrup wieder zurück in Florenz war, erzählte Effenberg seinem Freund von seiner kleinen Spazierfahrt - doch Laudrup reagierte ganz anders, als es Effenberg erwartet hatte. Der Däne rastete komplett aus. Und Effenberg war total baff: "Brian, wie bist du denn drauf? Ich habe nicht deine Frau gepimpert, ich bin nur mit deinem Auto gefahren. Hast du einen Schatten, oder was?"

Von dieser Sekunde an haben die beiden kein einziges vernünftiges Wort mehr miteinander gesprochen. Der Kontakt brach komplett ab - und eine innige Freundschaft ging für immer in die Brüche. Wie stark und schnell sich die beiden damals auseinandergelebt haben, zeigten sie schon einen Monat später einem Millionenpublikum, als es im September 1992 in Kopenhagen zur Endspiel-Revanche zwischen Dänemark und Deutschland kam. Das "Ekstra Bladet" schrieb am nächsten Tag über Effenberg, dass er "ein ekelhaftes Repertoire hässlicher Tricks" habe. Und besonders im Fokus seiner üblen Attacken stand ausgerechnet sein Mannschaftskamerad und Ex-Kumpel Brian Laudrup.

Freimütig erzählte Effenberg hinterher: "Einmal wollte ich ihn mir so richtig packen. Im letzten Moment habe ich aber zurückgezogen. Ich muss und will ja im Verein weiter mit ihm zusammenspielen." Was für Worte! Kein Wunder, dass die Geschichte der einstmals besten Freunde schließlich ein trauriges Ende fand.

Quelle: ntv.de

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