Redelings Nachspielzeit

Kein Support wegen NotfallKölns Kwasniok spaltet nach seltsamem Kompany-Vergleich die Fanszene

23.02.2026, 12:10 Uhr Ben-RedelingsVon Ben Redelings
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Beim Spiel des 1. FC Köln gegen die TSG Hoffenheim war ein Fan vor der Partie gestürzt und lebensgefährlich verletzt worden. Dass die Anhänger daraufhin ihre Unterstützung einstellten, gefiel Trainer Kwasniok gar nicht. Und dann irritierte er auch noch mit einem seltsamen Kompany-Vergleich.

"Wir hatten gestern oder vorgestern eine Grundsatzrede von Vincent Kompany in Bezug auf Rassismus und jetzt könnte ich auch eine Grundsatzrede zu diesem Thema halten - der eingestellten Fanunterstützung." Kölns Trainer Lukas Kwasniok hatte sich auf der Pressekonferenz nach der Frage eines Journalisten sogar noch etwas Zeit zum Durchatmen genommen, doch dann deutete schon sein Gesichtsausdruck an, dass seine Antwort für Irritationen sorgen würde.

Denn nachdem die aktive Fanszenen beider Klubs beim Spiel des 1. FC Köln gegen die TSG Hoffenheim über 90 Minuten den Support eingestellt hatten, weil ein 90-jähriger Mann vor der Partie gestürzt und lebensgefährlich verletzt worden war (und später im Krankenhaus versterben sollte), machte Lukas Kwasniok ein Fass auf, dass in dieser Situation völlig unangemessen war. Statt in kurzen Worten Mitgefühl für den gestürzten Mann und seine Familie zu zeigen und alle Grundsatzdiskussionen auf einen späteren Zeitpunkt zu vertagen, stellte Kwasniok auf krude Art und Weise das Erlebte in einen Kontext zu Kompanys Worten zum Thema Rassismus - und wirkte dabei seltsam überfordert.

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Der Frust des Kölner Trainers

So verständlich es ist, dass der Kölner Trainer in einem Heimspiel natürlich gerne den wichtigen Support der eigenen Fans im Rücken gehabt hätte, so unverständlich ist es zugleich auch, dass er in dieser tragischen und traurigen Situation sich dazu berufen fühlte, eine "Grundsatzrede" überhaupt nur in Erwägung zu ziehen. Zudem irritierte der Wortlaut von Kwasniok an manchen Stellen ("Gleichzeitig haben wir ganz viel Verständnis für viele, viele Themen außerhalb des Fußballs") und zeigte gleichzeitig, dass ihm auf eine bedenkliche Art und Weise jegliches Feingefühl abhandengekommen zu sein scheint, wenn es ganz allgemein um fanspezifische Themen geht. Zu groß ist mittlerweile offenbar sein Frust über die zunehmende Kritik von Teilen der FC-Anhänger.

Dass Lukas Kwasniok im Grunde natürlich recht hat, wenn er sagt, dass es "ein zweigespaltenes Thema" sei, bei dem es "Argumente dafür und Argumente dagegen" gäbe, zeigen auch die Reaktionen der Fans auf die Worte des Kölner Trainers. Sie sind gespalten. Während große Teile Verständnis für den eingestellten Support zeigen ("Es gibt Wichtigeres als Sport") und mit Unverständnis auf Kwasnioks Einlassungen reagieren, weisen andere Fans darauf hin, dass sie nicht verstehen können, warum auch nach dem Abtransport des gestürzten Mannes keine Unterstützung für die Mannschaft von den Rängen gekommen sei. Ihr Argument: Der Verunglückte hätte das vermutlich selbst so nicht gewollt!

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Kwasniok kämpft mit zunehmendem Gegenwind

Ein Thema, das man sicherlich weidlich diskutieren kann und bei dem am Ende wahrscheinlich auch kein einheitliches Ergebnis stehen würde. Doch solch eine Diskussion darf zwangsläufig nicht direkt nach einem Spiel geführt werden, bei dem sich Großteile der Fans dazu entschieden haben, aus Mitgefühl und Empathie mit einem verunglückten Anhänger ihren Support einzustellen. Denn so bleibt das ungute Gefühl hängen, dass bei Lukas Kwasniok beim aktuell zunehmenden Gegenwind offenbar der Kompass verloren geht, angemessen auf Themen zu reagieren - selbst wenn es sich dabei um die eigenen Fans handelt.

Denn eine Sache hat der Kölner Trainer trotz seiner vielen Worte drumherum auch klar gemacht: Er selbst hatte kein Verständnis für den eingestellten Support. Und damit dürfte er vielen Fans des FC - auch und besonders bei diesem sensiblen Thema - vor den Kopf gestoßen haben!

Quelle: ntv.de

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