Fußball-WM 2018

Merkel, Özil, Watutinki DFB-"Maulwürfe" greifen Löw und Bierhoff an

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Haben Maulwürfen zufolge den Blick nach vorn auf die leichte Schulter genommen: Joachim Löw (r.) und Oliver Bierhoff (m.)

(Foto: imago/Sven Simon)

Mitten in Joachim Löws Entscheidungsfindung zu seiner Zukunft als Bundestrainer platzen massive Anschuldigungen aus Kreisen der Mannschaft: Das Scheitern bei der WM sei eine Fehlerkette aus Löws und Bierhoffs Sorglosigkeit und Selbstüberschätzung gewesen.

In der Diskussion um die Verantwortung für und die Konsequenzen aus dem DFB-Debakel bei der WM beziehen Bundestrainer Joachim Löw und Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff nun auch massive Kritik aus den eigenen Reihen. Aus "Spielerkreisen" sowie von zwei "erfahrenen Kennern der sportlichen und organisatorischen Verhältnisse" beim DFB-Team werden in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" Stimmen laut, die das Bild des langjährigen Führungsduos erschüttern. Demnach sei die Mannschaft bei der WM in Russland wie zuletzt kolportiert tatsächlich in zwei Lager, bestehend aus Etablierten und Jungen, gespalten gewesen.

Vor allem aber habe die Sorglosigkeit der Verantwortlichen Löw und Bierhoff zum Desaster Vorrunden-Aus geführt. Die Zeitung listet unter Berufung auf die namentlich nicht genannten "Maulwürfe", die aktiv auf sie zugegangen seien, eine ganze Reihe von Fehlentscheidungen und Verfehlungen auf. Dass Löw Kapitän Manuel Neuer nach dessen Verletzung einen Sonderstatus einräumte, soll "für einige Spieler" ein Problem gewesen sein. Löw habe damit "dem Leistungsgedanken und der Leistungsgerechtigkeit geschadet".

Auch die Sonderrolle, die es Mesut Özil erlaubt habe, als erster DFB-Spieler überhaupt dem gemeinsamen Medientermin kurz vor WM-Beginn fernzubleiben, habe dazu beigetragen, dass "am Ende jeder macht, was er will - auch auf dem Platz". Innerhalb des Teams sei die Erdogate-Debatte hingegen kein Thema gewesen, man habe aber gemerkt, dass sie Mesut Özil und Ilkay Gündogan belaste.

Löw wollte wohl aufhören

Der Fokus sei auch gestört worden, weil ein Kamerateam Toni Kroos begleitet habe, um eine Kino-Doku über den Real-Star zu drehen. Ohnehin habe Löw verdienten Spielern den Vorrang eingeräumt, jüngere Spieler seien für ihren Einsatz im Training nicht honoriert worden. Einige der Älteren selbst seien teils arrogant und unnahbar gewesen.

Darüber hinaus wird die Auswahl der Testspielgegner in der Vorbereitung scharf kritisiert: Die letzten beiden Spiele vor Turnierbeginn (gegen Österreich und Saudi-Arabien) hätten sich, entgegen der DFB-Tradition, nicht an den stärksten Gruppengegnern orientiert. Die Selbstgefälligkeit Bierhoffs, bei der Quartierswahl das umstrittene Watutinki zu bevorzugen, weil es logistisch für Halbfinale und Finale günstiger sei, wird ebenfalls als negatives Zeichen gewertet.

Auch der Zeitpunkt und Rahmen des Besuchs der Kanzlerin sei kontraproduktiv gewesen und habe am Vorabend der endgültigen Kader-Benennung zu viel Öffentlichkeit und Ablenkung in eine Situation gebracht, die eigentlich nicht zuletzt von den Spielern höchsten Fokus verlangt hätte.

Als am Ende dann alles zusammenkam und Deutschland endgültig an Südkorea scheiterte, habe Joachim Löw nach Einschätzung der "Maulwürfe" seinen Rücktritt als Bundestrainer klar ins Auge gefasst. Einzig seitens des DFB, der nach der kurz zuvor erfolgten, vorzeitigen, langfristigen Vertragsverlängerung wohl keinen Plan B habe, sei Löw massiv gedrängt worden, von seinem Plan abzurücken.

Quelle: ntv.de, mra/sid