Fußball-WM 2018

Bierhoff und Löw genervt Rauball attackiert DFB in "Erdogan-Affäre"

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DFL-Präsident Reinhard Rauball (r., mit DFB-Präsident Reinhard Grindel) wurde beim letzten WM-Test selbst Zeuge der Pfiffe gegen Nationalspieler IlkayGündogan.

(Foto: imago/Nordphoto)

Beim WM-Test gegen Saudi-Arabien pfeift das Publikum Nationalkicker Ilkay Gündogan gnadenlos aus. Die "Erdogan-Affäre" wird das DFB-Team wohl bis nach Russland begleiten. DFL-Präsident Rauball wirft dem Verband nun misslungenes Krisenmanagement vor.

DFL-Präsident Reinhard Rauball hat dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) Fehler in der Aufarbeitung der "Erdogan-Affäre" um die Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan vorgeworfen. "Das Thema ist in der Tat unterschätzt worden", sagte er im Interview der "Bild am Sonntag": "Und ich glaube auch, dass man es nicht alleine mit den Maßnahmen und Erklärungen, die bisher erfolgt sind, aus der Welt schaffen kann."

Der 71 Jahre alte Rechtsanwalt fürchtet, dass das Thema "dauerhaften Schaden bei den beiden Sportlern hervorruft". Er habe selbst beobachtet, wie geknickt Özil und Gündogan nach der WM-Generalprobe in Leverkusen gegen Saudi-Arabien gewesen seien. Dort war Gündogan vom Zeitpunkt seiner Einwechslung (57.) an ausgepfiffen worden. Viele Fans haben Gündogan nicht verziehen, dass er sich wie Mesut Özil mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan ablichten ließ. Özil saß wegen seiner Knieverletzung auf der Bank.

Die heftige Reaktion des Publikums habe ihn "überhaupt nicht verwundert", sagte Rauball. Der "erhebliche Unmut" der Anhänger habe angesichts der unzureichenden Reaktion der Beteiligten "eher noch zugenommen". Ihm fehlt der "Schulterschluss mit den Fans und dem Publikum".

Bierhoff und Löw fordern Schlussstrich

Noch vor dem Test gegen Saudi-Arabien hatte sich DFB-Teammanager Oliver Bierhoff genervt von der Debatte geäußert und einen Schlussstrich gefordert. "Ihr beendet es doch nicht. Ihr bringt es doch jeden Tag wieder, weil ihr keine Themen habt", sagte Bierhoff in der ARD. "Ihr könnt die Fragen aber auch stellen. Ihr müsst nur akzeptieren, wenn einer sagt: Darüber rede ich nicht mehr", fügte er an. "Mein Ratschlag ist: Redet nicht mehr darüber, konzentriert euch auf den Sport", sagte Bierhoff.

Auch Bundestrainer Joachim Löw nahm Gündogan in Schutz. "Es hat mich schon geschmerzt", bekannte Löw nach der Partie sichtlich betroffen ob der massiven Abneigung des Publikums. "Eine Mannschaft lebt davon, dass jeder Spieler unterstützt wird. Dass ein Nationalspieler so ausgepfiffen wird, hilft niemandem", klagte Löw. Gündogan habe sich zu den Werten der Nationalmannschaft und der Republik bekannt, "was soll er denn noch tun?", schimpfte er aufgebracht. Nach Schlusspfiff sei Gündogan ein Häuflein Elend gewesen, auch Özil beschäftige das Thema.

Rauball forderte nun, der DFB mit der Führung der Nationalmannschaft um Löw sollte sich in Russland mit den Spielern "zum frühestmöglichen Zeitpunkt zusammensetzen", um die "sehr, sehr schwierige Lösung" für das Problem zu finden. "Es ist meine Sorge, dass der richtige Zeitpunkt für eine solche Maßnahme entweder schon vorbei oder sehr schwer nachzuholen ist. Trotzdem muss es schnell gemacht werden", sagte Rauball.

Gündogan reagierte unterdessen mit einer gehörigen Portion Demut auf die Pfiffe gegen sich bei der WM-Generalprobe. Er sei "immer noch dankbar, für dieses Land zu spielen", twitterte der Profi von Manchester City. Dazu stellte er ein Foto, das ihn am Freitagabend nach dem Spiel im Kreise seiner Kollegen auf der kleinen Ehrenrunde zeigt. Der 27-Jährige applaudiert dabei den Fans in Leverkusen.

Quelle: ntv.de, cri/sid/dpa