Fußball-WM 2018

Geschmackloser Brych-Vergleich Serbischer Trainer rückt ins Visier der Fifa

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Der serbische Trainer Mladen Krstajic spielte von 2000 bis 2009 in der Fußball-Bundesliga für Werder Bremen und den FC Schalke 04.

(Foto: dpa)

In den Augen von Mladen Krstajic ist der deutsche Schiedsrichter Felix Brych ein Fall für das Kriegsverbrechertribunal. Für seine Aussagen bekommt der serbische Trainer Ärger mit der Fifa. Die untersucht auch die Jubelgesten der Schweiz.

Die Fifa hat erste Ermittlungen gegen den serbischen Nationaltrainer Mladen Krstajic aufgrund seiner Kriegsverbrecher-Aussage aufgenommen. Der Fußballweltverband bestätigte am Samstagabend, dass die Disziplinarkommission mit "Voruntersuchungen" begonnen habe. Zudem ermittelt die Fifa gegen die Schweizer Spieler Xherdan Shaqiri und Granit Xhaka.

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Stein des Anstoßes: Granit Xhaka (l.) und Xherdan Shaqiri zeigen den Doppeladler.

(Foto: dpa)

Shaqiri und Xhaka hatten am Freitag die beiden Tore beim 2:1-Sieg der Schweiz gegen Serbien erzielt. Ihre Treffer feierten die Torschützen mit kosovo-albanischen Wurzeln mit der politisch aufgeladenen Doppeladler-Geste, nachdem sie zuvor über die Dauer des Spiels von den serbischen Anhängern ausgepfiffen worden waren. Einen Tag später hatte Krstajic auf einer Pressekonferenz des serbischen Verbandes für den zweiten Eklat gesorgt, als er den deutschen Schiedsrichter Felix Brych indirekt als Kriegsverbrecher bezeichnete. "Ich würde ihn nach Den Haag schicken, damit sie ihm den Prozess machen, wie sie ihn uns gemacht haben", sagte der frühere Bundesligaprofi über Brych. In der niederländischen Stadt hat das UN-Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien seinen Sitz.

Die Serben geben Brych die Schuld an der Niederlage gegen die Schweiz, weil er ihnen in der 66. Minute einen Strafstoß verweigerte. Zudem bemängelt der Verband FSS, dass der Videobeweis nicht eingesetzt wurde. Deshalb haben die Serben ein Protestschreiben an die Fifa geschickt. Die Entscheidung Brychs auf Freistoß zugunsten der Schweizer war allerdings vertretbar. Deshalb war sie auch kein Fall für den Videobeweis, der nur bei klaren Fehlern des Referees zum Einsatz kommen darf.

Provozierender Doppeladler

In der Jubel-Affäre erhalten die Schweizer Profis Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri derweil Unterstützung von ihrem Fußballverband. "Der SFV stellt sich vor die Spieler", hieß es auf der Verbandsseite, nachdem die Fifa das Disziplinarverfahren gegen die früheren Bundesligaspieler eröffnet hatte. Vorher hatte der Schweizer Generalsekretär Alex Miescher bereits um Verständnis für die Spieler gebeten: "Es gibt durchaus Momente von großer Emotionalität, in denen Funktionäre oder Medienschaffende sich nicht wirklich vorstellen können, wie sich derart heftig provozierte Spieler fühlen, zumal in einem Spiel mit dieser Dramaturgie."

Der Doppeladler, den Xhaka und Shaqiri nach ihren Toren mit den Händen geformt hatten, ziert die Flagge Albaniens, das eine Verbindung zum Kosovo hat. Serbien erkennt die Balkanrepublik aber nach wie vor nicht als eigenständiges Land an, dies gibt den heftig diskutierten Jubelgesten eine politische Dimension. Der Schweizer hat 24 Stunden Zeit für eine Stellungnahme bei der Fifa-Disziplinarkommission.

Quelle: n-tv.de, chr/sid/dpa

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