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Trauriges Schauspiel um Ex-Kapitän Ballack ruiniert seinen Ruf

Wer was wann zu wem gesagt hat, können wir an dieser Stelle nicht klären. Das wissen nur Joachim Löw und Michael Ballack. Fest aber steht: Aus dem einstigen Kapitän der Nationalmannschaft und dem besten deutschen Fußballer der vergangenen Dekade ist eine beleidigte Diva geworden. Eine traurige Geschichte.

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Er schmollt, giftet, wirft dem Bundestrainer Scheinheiligkeit vor und lehnt ein Abschiedsspiel als Farce ab: Michael Ballack.

(Foto: dpa)

Immerhin ist Michael Ballack konsequent. Allerdings nur darin, alles, aber auch alles falsch zu machen. Mit jeder Presserklärung, die er verbreiten lässt, mit jedem neuen Vorwurf, den er gegen den Deutschen Fußball-Bund und Nationaltrainer Joachim Löw erhebt, ruiniert er weiter seinen Ruf. Völlig unabhängig davon, wer mit wem was in den vergangenen Monaten besprochen hat. Und auch unabhängig davon, wer bei dieser Schlammschlacht nun Recht hat.

Rudi Völler, ehemaliger Bundestrainer und nun Ballacks Sportdirektor bei Bayer Leverkusen, hat es auf den Punkt gebracht: "Alle Seiten haben sich nicht mit Ruhm bekleckert." Wie auch? Schließlich gehören zu einem derartigen Kommunikationsdesaster immer mindestens zwei. Der Bundestrainer, der es nach der Weltmeisterschaft versäumt hat, rechtzeitig klar und offen zu sagen, dass die Nationalmannschaft Michael Ballack nicht mehr braucht. Nicht als Kapitän, nicht als Spieler. Und Michael Ballack, der mehr als eine Gelegenheit ausließ, von sich aus zurückzutreten.

Aussage gegen Aussage. Einer lügt.

Doch darum geht es jetzt gar nicht mehr. Nun rätseln alle, was sich Michael Ballack und Joachim Löw wohl zu sagen hatten, als sie sich am 30. März in Meerbusch bei Düsseldorf trafen. Denn beide lassen über das, was sie besprochen haben etwas völlig Unterschiedliches verbreiten. Löws Version, verkündet über Wolfgang Niersbach, Generalsekretär des DFB, lautet so: Beide hätten sich darauf geeinigt, dass Ballacks Karriere in der Nationalelf beendet ist. Nur der Zeitpunkt der Verkündung sei noch offen gewesen.

Ballacks Version per Pressemitteilung widerspricht dem: Löw habe ihm gesagt, dass er an seine Rückkehr in die Mannschaft glaube. Aussage gegen Aussage. Einer lügt. Ein unwürdiges, ein trauriges Schauspiel. Und was macht Michel Ballack? Er legt nach, statt auf Rudi Völler zu hören und zu versuchen, doch noch einen friedlichen Abschied hinzubekommen. Er schmollt, giftet, wirft Löw Scheinheiligkeit vor und lehnt ein Abschiedsspiel als Farce ab. Was bleibt ist das Bild einer verbitterten Diva, die immer noch nicht gemerkt hat, dass die Welt sich auch ohne sie weiterdreht – und die sie deshalb nicht mehr versteht.

Selten sah ein Spieler so hilflos zu

Fast scheint es so, als habe Michael Ballack nicht ansatzweise begriffen, was um ihn herum geschehen ist, seitdem Kevin- Prince Boateng ihn im englischen Pokalfinale so böse foulte, dass der Kapitän die Weltmeisterschaft verpasste. Und seit eine junge, wie befreit aufspielende deutsche Nationalelf in Südafrika nicht nur Platz drei erreichte, sondern mit tollem Fußball und grandiosen Siegen gegen England und Argentinien ein Fest feierte. Denn nach diesem Turnier war eigentlich jedem klar, dass sie ihn nicht mehr brauchen. Ihn, den besten deutschen Fußballer der vergangenen Dekade, den alle überragenden Anführer. Nur Michael Ballack merkte das nicht.

Sein Absturz ist nahezu beispiellos. Selten hat ein Spieler so hilflos dabei zuschauen müssen, wie sich die Verhältnisse um ihn herum ändern, ja gnadenlos über ihn hinwegfegen. Und noch nie hat ein Kapitän einer deutschen Mannschaft so viel dafür getan, seine Karriere mit einem Rosenkrieg zu beenden. Aus dem gehen zwar auch Joachim Löw und der DFB nicht unbeschadet hervor, auch sie haben Fehler gemacht. Aber der große Verlierer ist Michael Ballack. Und das ist in letzter Konsequenz einfach nur schade.

Quelle: n-tv.de

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