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Die Sache mit dem Konto Hoeneß muss nicht gehen

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Ein Rücktritt kommt für Hoeneß nicht infrage.

(Foto: dpa)

Als moralische Instanz ist Uli Hoeneß bereits zurückgetreten. Doch ist er als Präsident des FC Bayern noch tragbar? Für Politiker gilt: Wer Steuern hinterzieht, muss gehen. Hoeneß hat der Politik zwar Predigten gehalten, aber er ist kein Politiker. Ob er zurücktritt, entscheiden allein er und sein Verein.

Fast 30 Jahre ist es her, Bayern München steht auf Platz drei der Fußball-Bundesliga. Ein betrunkener CSU-Politiker rast in der Nacht zum 29. Oktober 1983 auf der A9 in einen Fiat 500. Der Fahrer des Fiats, ein Rentner aus München, kommt ums Leben, sein Beifahrer überlebt schwer verletzt. Ein Jahr später wird CSU-Generalsekretär Otto Wiesheu in erster Instanz zu 13 Monaten Haft verurteilt, in der zweiten Instanz erhält er 12 Monate auf Bewährung.

Für Wiesheu sind Unfall und Verurteilung nur ein kleiner Karriereknick. Zunächst wird er auf dem Amt des Geschäftsführers der Hanns-Seidel-Stiftung geparkt, 1990 wird er bayerischer Kultusminister, 1993 Landesminister für Wirtschaft und - ausgerechnet - Verkehr. Diesen Job behält er bis 2005, danach ist er noch bis zum Erreichen der Pensionsgrenze für ein paar Jahre Vorstandsmitglied bei der Bahn.

Der Umgang der CSU mit dem Fall Wiesheu ist bis heute ein handfester Skandal. Die bayerische Staatspartei machte damals deutlich, dass ein Politiker nach ihrer Auffassung auch dann ohne jeden Bruch weitermachen kann, wenn er wegen fahrlässiger Tötung verurteilt wurde. Zwar wurde Wiesheu als Generalsekretär beurlaubt. Sein Mandat im Landtag behielt er jedoch ebenso wie seinen Sitz im CSU-Präsidium. So war das damals in Bayern.

Als Vorbild ausgedient

Und heute? Muss einer, der mithilfe eines Schweizer Kontos Steuern hinterzogen hat, zurücktreten? Muss also Uli Hoeneß seinen Hut als Präsident und Aufsichtsratschef des FC Bayern nehmen? Immerhin handelt es sich "nicht um ein Kavaliersdelikt", wie der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans bei n-tv sagte, sondern, sofern die gehandelten Zahlen stimmen, um "eine Straftat, von der der Bundesgerichtshof erwartet, dass sie mit Freiheitsstrafen ohne Bewährung belegt wird".

Als moralisches Vorbild, zu dem Uli Hoeneß sich peinlicherweise hat hochjazzen lassen, sowie als politikferner Polit-Prediger hat der 61-Jährige ausgedient. Aber muss er deshalb auch seine Ämter aufgeben? Hoeneß selbst lehnt das ab und gibt sich auch sonst ganz in der Tradition der CSU, der er nicht angehört, der er jedoch nahe steht.

Denn Hoeneß zeigt keine Demut, Hoeneß greift an: "Gegen die Exzesse in einigen Berichterstattungen werde ich mich anwaltschaftlich zur Wehr setzen", sagt er dem "Münchner Merkur". Besonders für eine bestimmte Zeitung der bayerischen Landeshauptstadt werde das "richtig teuer". Der "Sport Bild" sagt er, an einen Rücktritt als Aufsichtsrat bei Bayern München denke er nicht. An diesem Dienstag will er gar wieder im Stadion sitzen, wenn die Bayern in der Champions League den FC Barcelona empfangen.

Hoeneß ist nur seinem Verein Rechenschaft schuldig

Vor 30 Jahren hätten Wiesheu und die CSU sich viel Ärger ersparen können, wenn sie damals ein wenig Demut gezeigt hätten. Vielleicht kommt auch Hoeneß zu dem Schluss, dass es für ihn und für seinen Verein besser ist, wenn er einfach geht. Doch es gibt einen gravierenden Unterschied zwischen den Fällen Wiesheu und Hoeneß - und an dieser Stelle geht es dabei nicht darum, dass der Bayern-Präsident kein Menschenleben auf dem Gewissen hat. Der Unterschied ist vielmehr: Hoeneß ist kein Politiker.

Ein Politiker ist der Öffentlichkeit gegenüber rechenschaftspflichtig. Wer den Tod eines Menschen zu verantworten hat, muss nicht für alle Zeiten aus dem öffentlichen Leben verschwinden. Er sollte aber durch Wort und Tat zum Ausdruck bringen, dass er weiß, dass er einen Fehler gemacht hat - und sich nicht an sein Mandat klammern. Gleiches gilt für Minister, die ihre Dissertation zusammenkopiert haben. Es gilt jedoch in keiner Weise für die Aufsichtsräte von Bundesligisten.

Uli Hoeneß ist allein der FC Bayern München AG Rechenschaft schuldig. Wenn der Bayern-Vorstand Hoeneß weiter unterstützt, dann ist das allein seine Sache. Als moralische Instanz ist Hoeneß längst zurückgetreten. Ob er Bayern-Präsident bleibt oder nicht, geht außerhalb des Vereins niemand etwas an.

Quelle: n-tv.de

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