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FNC erstmals in DeutschlandDer Balkan liebt es auch im Käfig laut

08.02.2026, 11:00 Uhr
imageVon Michael Bauer, München
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Fast volle Hütte in München. (Foto: FNC MMA)

Mit viel Emotionalität und Leidenschaft versucht sich der kroatische MMA-Veranstalter FNC auf dem deutschen Markt. Der Auftakt in München kann als Erfolg verbucht werden. Aus der bayerischen Landeshauptstadt wird zwischenzeitlich Klein-Belgrad.

Konkurrenz belebt das Geschäft, und mit der Fight Nation Championship (FNC) kommt ein kroatischer Veranstalter nach Deutschland, um hier die großen Hallen zu füllen. Beim ersten Aufschlag im SAP Garden in München wird klar: Die Balkan-Organisation macht viele Dinge anders und setzt vor allem auf Knalleffekte für ein vertrautes Publikum.

Wie sehr FNC den deutschen Markt, der bislang von Oktagon dominiert wird, erobern will, zeigt sich schon vor der Veranstaltung. Die Organisation präsentiert sogar einen eigenen Rap-Song, in dem es heißt: "Wir kommen nach München, der Markt steht still. Konkurrenz auf den Knien, weil sie es nicht fühlen will", heißt es darin. "Wir nehmen nicht vorsichtig, wir nehmen mit Kraft. Weil nur, wer erobert, auch Geschichte schafft."

Angriffslustig zeigt sich FNC schon seit Monaten. Beim Oktagon-Event in Köln Mitte Oktober hatte man sich vertraglich schon vorab mit dem Gegner von "King of GerMMAny" Christian Eckerlin geeinigt. Ivica Truscek gewann dann etwas überraschend. Es folgte unmittelbar auf dem FNC-Instagram-Account ein Video mit der Krönung Trusceks, im Ring und auf der Pressekonferenz warb der Kroate dann für FNC, man könne ihn das nächste Mal in München kämpfen sehen.

Bei der Pressekonferenz vor München ist Truscek nicht anwesend, dafür aber die Hauptkämpfer, darunter die beiden Titelaspiranten aus Deutschland, Hatef Moeil (Schwergewicht) und Lom-Ali Eskiev (Leichtgewicht). Das Kommando haben aber die kroatischen MMA-Profis Miran Fabian und Aleksandar Ilic. Das Duo macht vor ihrem anstehenden Duell ordentlich Welle, auf Englisch wird beleidigt, geflucht und provoziert. Möglichst laut muss es sein, bei Moel und Eskiev und deren Gegnern geht es deutlich gesitteter und respektvoller zu. Das ist eine altbekannte Formel im MMA-Zirkus, denn beim Großteil der Kämpfe dominiert gegenseitiger Respekt - das generiert aber weniger Klicks.

Verkehrte Welt vor 9000 Zuschauern

Stimmungstechnisch präsentiert sich das Publikum in München auch etwas anders, als es der deutsche MMA-Fan gewohnt ist. Ein Großteil der rund 9000 Zuschauer hat nämlich Wurzeln im Balkan, auf den Korridoren der Arena ist die Amtssprache kroatisch. Entsprechend feuern die Fans nicht die eigentlichen Lokalmatadoren an. Die Rollenverteilung ist bei Kämpfen mit Balkan-Beteiligung also schnell geregelt: Jubel für Luka, Ivica und Co. – Pfiffe und Buhrufe für deren Gegner. "Dass deutsche Kämpfer ausgebuht werden, wird sich in Zukunft ändern", sagt FNC-Gründer Drazen Forgac im Interview mit ntv.de. "Wir bauen gerade erst unseren deutschen Kader und werden neue Stars hervorbringen. Dann wird auch das Publikum auf dem Balkan die Kämpfer von hier kennen."

Das volle Potenzial der Organisation zeigt sich in München beim intensiv beworbenen Duell zwischen Fabian und Ilic. Das Balkan-Duo polarisiert. Die Zuschauer sind hier bereits bei den Introvideos voll involviert. Hier mischen sich Buhrufe, Jubel und Pfiffe, einige strecken sogar demonstrativ den Mittelfinger in Richtung Videowürfel an der Decke, wo Fabian gerade vorgestellt wird. Beim Einmarsch der beiden Athleten kocht die Stimmung dann über. Keinen Zuschauer hält es mehr auf dem Sitz. Das Spektakel auf den Rängen überträgt sich in den Käfig, hält sportlich aber nicht lange. 24 Sekunden pure Intensität bei Schlägen und Tritten, ehe Serbe Ilic den Slowenen Fabian mit einer linken Geraden abfängt und ausknockt. Ekstase in der bayerischen Landeshauptstadt, die in diesem Moment zu Klein-Belgrad mutiert.

Zwei Titel gehen nach Deutschland

Aus deutscher Sicht endet der Abend erfreulich, nur mit weniger Begeisterung: Eskiev gewinnt den Titel gegen den Argentino-Kroaten Francisco Barrio souverän in der ersten Runde, Moeil entthront Champion Ivan Vitasović in der fünften Runde durch Aufgabegriff. Abgesehen vom mitgereisten Anhang der aus NRW kommenden Fighter ist die Arena in deren Moment des Triumphs verstummt. "Das sind beide großartige Kämpfer", attestiert Forgac nac dem Event. "Das einzige Problem bei ihnen - was vielleicht auch andere Organisationen hatten - sie generieren keine großen Ticketverkäufe. Aber das ist uns egal. Wir wollen echte Kämpfer und große Champions, die nicht nur den Hype haben."

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Lom-Ali Eskiev zählt zu Deutschlands renommiertesten MMA-Kämpfern - nun ist er Champion bei FNC. (Foto: FNC MMA)

Beim Niveau der Kämpfer und was die Produktion der Events angeht, braucht sich FNC ohnehin nicht vor der Konkurrenz zu verstecken. Vor allem atmosphärisch bietet FNC etwas Neues für den MMA-Sport in Deutschland. Der Balkan-Riese ist gekommen, um zu bleiben. "Ich bin mehr als glücklich mit dem ersten Event hier. Wir haben einen Langzeitplan für den deutschen Markt", zieht FNC-Boss Forgac sein Fazit. Man wolle im Februar 2027 wieder nach München zurückkommen, bis dahin aber noch zwei bis drei Events in Deutschland veranstalten.

Dabei sind aber nicht nur Städte wie Frankfurt oder Stuttgart eine Option, wo es ebenfalls viele Menschen mit Wurzeln im Balkan gibt. "Wir wollen uns aber nicht auf diese Städte festlegen. Wir können überall hingehen, wenn wir große deutsche Stars verpflichten oder neue Stars hier aufgebaut haben. Denn darin sind wir sehr gut", so Forgac.

Quelle: ntv.de

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