Olympia

Was ist eigentlich Skimo?Die Sportart, die fast niemand kennt, feiert Olympia-Premiere

18.02.2026, 10:54 Uhr
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Ein Bild vom Weltcup im letzten Jahr: So sieht Skibergsteigen aus. (Foto: dpa)

Erstmals werden im Skibergsteigen olympische Medaillen vergeben. Wie funktioniert dieser Sport, der derzeit boomt? Und welche Chancen haben die deutschen Starterinnen und Starter?

Tatjana Paller könnte kaum aufgeregter sein. "10 von 10", ließ die beste deutsche Skibergsteigerin auf eine entsprechende Frage ausrichten. Dabei steht an diesem Donnerstag nicht nur für die Oberbayerin eine Olympia-Premiere an: Erstmals ist Skibergsteigen bei den Winterspielen dabei. Ein größeres Schaufenster gibt es nicht für eine Sportart, die bislang fast nur Insider verfolgen. Sportsoldatin Paller schilderte: "Auf meinen Lehrgängen der Bundeswehr in Hannover wussten die meisten gar nicht, wovon ich rede."

Was ist Skibergsteigen? Skibergsteigen oder Skimo - die Abkürzung für den englischen Begriff Ski Mountaineering - hat den Ursprung im Skitourengehen. Die Athletinnen und Athleten laufen mit ihren Skiern einen Hang hoch. Um dabei nicht rückwärts zu rutschen, sind Felle unten an die Skiflächen gespannt. Oben angekommen werden diese entfernt und es geht eine kurze Abfahrt hinunter. Also im Prinzip ähnlich wie beim klassischen Skitourengehen. "Aber bei uns gibt es natürlich kein gemütliches Gipfelbrot", stellte Paller einmal schmunzelnd klar.

Wie laufen die olympischen Rennen ab? Für Gipfelbrot wäre auch keine Zeit. Statt ausgedehnter Touren im Gelände besteht der olympische Wettkampf aus knackigen K.-o.-Runden. Ausgetragen werden zwei Disziplinen: der Sprint am Donnerstag und die Mixed-Staffel am Samstag. Im Sprint geht es einen Anstieg 70 Höhenmeter hoch, ein Teil davon ist eine Tragepassage, bei der die Ski auf den Rücken geschnallt sind. Oben angekommen werden die Felle blitzschnell von den Ski gezogen, ehe die Abfahrt mit Kurven ins Ziel ansteht. Etwa drei Minuten dauert eine Runde. In der Mixed-Staffel absolvieren eine Frau und ein Mann den Kurs je zweimal.

Wie sind die deutschen Chancen? Die größte Hoffnungsträgerin ist Tatjana Paller. Sie holte 2025 WM-Bronze - auch wenn es davor im Weltcup noch nie mit dem Podest geklappt hatte. Die 30-Jährige erfüllte sich den Olympia-Traum auf dem zweiten Bildungsweg. Als Radsportlerin war sie für die Sommerspiele 2016 als Ersatzfahrerin nominiert - schaffte es aber nicht nach Rio. 2020 machte sie ihr Hobby Skitourengehen zum Beruf Skibergsteigen. Die erst 19 Jahre alte Helena Euringer ist als zweite deutsche Skimo-Athletin dabei. Im Männer-Sprint startet der 23-jährige Finn Hösch - er bildet zusammen mit Paller dann auch das Duo für die Mixed-Staffel.

Was erhoffen sich die Skimo-Szene und die Olympia-Macher? Das IOC hat Skibergsteigen in das Programm genommen, weil der Sport boomt. Der Deutsche Alpenverein (DAV) als Fachverband schätzt hierzulande 600.000 Skitourengeher und Skitourengeherinnen. Das sind mehr als dreimal so viele wie vor rund zweieinhalb Jahrzehnten - ähnliche Trends gibt es in der Schweiz und Österreich. Im Olympia-Gastgeberland Italien hat Skibergsteigen eine lange Tradition. Nun hofft die Skimo-Szene, dass die Winterspiele den Sport pushen und die Wettkämpfe in Bormio ein Publikumserfolg werden. Denn nur so steigen die Chancen, dass Skibergsteigen auch 2030 in Frankreich olympisch bleibt.

Also sind alle happy über die Winterspiel-Premiere? Nicht alle. Traditionalisten finden, dass sich ihr ursprünglich von Freigeistern und Outdoor-Junkies geprägter Sport dem IOC-Joch unterwirft. Das zeige sich schon an den zwei Disziplinen, die vor allem deshalb ausgewählt worden seien, weil sie gut im Fernsehen zu übertragen sind. Die eigentliche Königsdisziplin im Skimo ist das Individual, ein oft rund eineinhalb Stunden langer Wettkampf mit mehreren Anstiegen und Abfahrten, bei denen deutlich mehr als 1000 Höhenmeter zu überwinden sind. Dafür aber war kein Platz im Programm. Zweifel bei Trendsportarten sind nicht neu: Puristen hatten schon Kritik geübt, als Snowboard, Surfen oder Sportklettern olympisch geworden waren.

Wie ist der Wettkampf-Ablauf? Die Athletinnen und Athleten sind im Schlussteil der berühmten Stelvio-Piste in Bormio im Einsatz, dort, wo bis Montag noch die alpinen Skirennfahrer den Berg hinunterrasten. Am Donnerstag stehen zunächst ab 9.50 Uhr die Vorläufe an, ab 12.55 Uhr die Halbfinals und ab 13.55 Uhr die Finals um die Medaillen. Am Samstag um 13.30 Uhr beginnt die Mixed-Staffel. Das ZDF überträgt im Stream.

Quelle: ntv.de, Manuel Schwarz, dpa

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