Schock um Lindsey VonnErste Medaille für Deutschland: Emma Aicher rast in Abfahrt zu Silber

In der Abfahrt der Frauen gibt es die erste Medaille bei diesen Olympischen Winterspielen für Deutschland: Emma Aicher gewinnt mit nur 0,04 Sekunden Rückstand Silber. Gold geht an Breezy Johnson aus den USA. Der Wettbewerb wird vom schweren Sturz von Lindsey Vonn überschattet.
Skirennläuferin Emma Aicher hat bei den Olympischen Spielen von Mailand/Cortina die erste Medaille für die deutsche Mannschaft gewonnen. Bei der Abfahrt der Frauen, die von einem schweren Sturz von Lindsey Vonn überschattet wurde, fuhr sie hinter Weltmeisterin Breezy Johnson aus den USA zu Silber, ihr Rückstand betrug nur 0,04 Sekunden. Bronze ging an die Italienerin Sofia Goggia (+0,59 Sekunden), Super-G-Olympiasiegerin von 2018.
"Es hat sich wild angefühlt, über jedem Sprung hat es mich aufgerissen, ich habe gar nicht gemacht, was ich machen wollte, aber es ist ja zum Glück nochmal gutgegangen", sagte Aicher im ZDF. Tatsächlich war das 22 Jahre alte Multitalent im oberen Streckenabschnitt sogar schneller gewesen als Johnson, die noch nie ein Weltcup-Rennen gewonnen hat - nun aber zweimal Gold. Für Aicher ist es die zweite Olympia-Medaille nach Silber 2022 mit dem Team.
"Der Knoten ist geplatzt! Herzlichen Glückwunsch an Emma Aicher zu einer wahnsinnig tollen Leistung", sagte DOSB-Präsident Thomas Weikert. "Das ganze Team Deutschland freut sich mit ihr und wird diese Silbermedaille als Motivation nutzen für die weiteren Wettkämpfe. Emma ist schon jetzt ein echter Star auf der olympischen Bühne."
Der Traum von Lindsey Vonn von einem zweiten Olympiagold nach 16 Jahren endete bereits nach 13 Fahrsekunden. Die 41 Jahre alte Amerikanerin, die sich neun Tage zuvor einen Kreuzbandriss im linken Knie zugezogen hatte und eine Teilprothese im rechten Knie hat, wurde an der ersten schwierigen Welle ausgehoben, überschlug sich, lag danach mit seitlich ausgestreckten Beinen schreiend im Schnee und musste mit dem Rettungshubschrauber abtransportiert werden.
Auf den Tag 50 Jahre nach der "Gold-Rosi"
Aicher gewann auf den Tag genau 50 Jahre nach dem Abfahrts-Olympiasieg von "Gold-Rosi" Mittermaier als erste deutsche Skirennläuferin seit den Spielen von Sotschi 2014 eine Einzel-Medaille. Damals holte Maria Höfl-Riesch Gold (Kombination) und Silber (Super-G), Viktoria Rebensburg fuhr zu Bronze (Riesenslalom).
Aicher gilt schon seit mehreren Jahren als die größte Zukunftshoffnung im deutschen Alpin-Team. Bei der WM vor fünf Jahren war sie - ebenfalls in Cortina d'Ampezzo - ohne jegliche Weltcup-Erfahrung erstmals auf der großen Ski-Bühne aufgetaucht und hatte prompt zu Bronze im Teamwettbewerb beigetragen. Seitdem entwickelte sich die Allrounderin kontinuierlich weiter.
2022 holte sie bereits eine Olympia-Medaille: Silber mit der Mannschaft. Im vergangenen März folgten die ersten beiden Weltcup-Siege, in der laufenden Saison schon zwei weitere. Ihr skifahrerisches Gefühl ist außergewöhnlich, ihre Vielseitigkeit eine Seltenheit in der heutigen Zeit. Aicher, aktuell Dritte im Gesamtweltcup, lässt die Deutschen wieder von großen Ski-Zeiten träumen.
Auch bei diesen Winterspielen hat sie noch mehrere Medaillenchancen: in der Team-Kombination, im Super-G und im Slalom. Anders als Aicher enttäuschte Teamkollegin Kira Weidle-Winkelmann, die in der Abfahrt mit Ambitionen auf Edelmetall angetreten war, dann aber nur Neunte (+1,16 Sekunden) wurde.