Wie weiter nach Bronze-Drama?Hase/Volodin weichen einer entscheidenden Frage aus
Bronze im Paarlauf ist die Belohnung für drei Jahre harter Arbeit. Doch die gemeinsame Reise von Minerva-Fabienne Hase und Nikita Volodin könnte bald schon zu Ende gehen. Die Frage nach der Zukunft bleibt vorerst unbeantwortet.
Minerva-Fabienne Hase und Nikita Volodin verstauten ihre Medaillen im Gepäck und stiegen mit einem klaren Vorsatz ins Taxi nach Cortina. "Wir haben immer nur gehört, dass die Partys im Deutschen Haus krass sein sollen. Wir freuen uns mega", sagte Hase am Morgen nach Paarlauf-Bronze bei den Olympischen Winterspielen: "Ich durfte auf Instagram ein bisschen mitverfolgen, wie andere gefeiert wurden. Es ist super schön, dass das für uns auch möglich gemacht wird."
Mailand, wo sich die deutschen Eiskunstläufer ihren Traum vom Olympia-Podest erfüllt hatten, verließen Hase und Volodin am Dienstag im DOSB-Shuttle stolz und zufrieden. Dass sie die Führung nach dem Kurzprogramm nach zwei Hase-Fehlern in der Kür noch aus den Händen gegeben hatten, war fast schon vergessen. "Wir wollten unbedingt eine Medaille haben, und es musste nicht unbedingt Gold sein", sagte Hase und lächelte.
Die Partnerschaft, vor drei Jahren initiiert von Hases Chefcoach Dmitri Savin, einem russischen Paarlaufspezialisten, hatte sich als Glücksfall herausgestellt - für Hase, für Volodin, für die Deutsche Eislauf-Union (DEU). Zwei Läufer, die laut Savin "dieselbe Seele" verbindet, ermöglichten sich gegenseitig den fast aufgegebenen Olympia-Traum. Volodin, erst seit August 2025 deutscher Staatsbürger, musste sich in einem neuen Land akklimatisieren und integrieren. Bei seiner Premiere auf olympischem Eis blieb er fehlerfrei, garantierte so die sechste Bronzemedaille für das Team D.
Der Tiefpunkt 2022 ist längst vergessen
Hase patzte in der Kür ihrer zweiten Spiele bei der Sprungkombination und dem Salchow. "Natürlich sind wir mit unserer Leistung nicht 100 Prozent zufrieden, vor allem ich, weil ich die Fehler gemacht habe", sagte Hase, "aber ich bin trotzdem sehr stolz auf uns, wie wir nach dem Salchow zurück ins Programm gefunden haben".
Silber, das an Anastassia Metelkina/Luka Berulawa aus Georgien (221,75) ging, wäre ihnen ohne die Patzer sicher gewesen. Für Gold und die überragenden japanischen Weltmeister Riku Miura/Ryuichi Kihara (231,24) hätte es eine Traum-Kür gebraucht. Hase/Volodin kamen auf 219,09 Punkte.
Hase wollte nicht hadern. 2022 in Peking war sie mit ihrem früheren Lauf-Partner Nolan Seegert, der in Corona-Quarantäne musste und völlig die Kraft verlor, nach der Kür schließlich Letzte geworden. Sie sei damals "am Tiefpunkt" ihrer Karriere gewesen, habe zwischenzeitlich ans Aufhören gedacht. Dem "guten Kerl", den ihre Trainer als neuen Partner ausgesucht hatten, sprach Hase nun "den größten Anteil" daran zu, dass sie jetzt auf zwei Winterspiele zwischen "Hölle und Himmel" zurückblicke.
"Wir werden die Saison beenden"
Als sie am Montag um kurz vor Mitternacht in den Katakomben der Mailänder Eis-Arena stand, richtete Hase ihren Blick hinauf zum 20 Zentimeter größeren Volodin und es schien, als schossen ihr Bilder des gemeinsamen Weges in den Kopf. Gedanken an das erste Kennenlernen, die unzähligen Trainingsstunden, die Erfolge und Rückschläge, das gemeinsame Lachen und Streiten, das gegenseitige Unterstützen. "Ich bin sehr stolz, wie ich innerhalb von den vier Jahren gewachsen bin, wie Nikita gewachsen ist, wie wir als Team gewachsen sind und dass wir das so nach Hause gebracht haben."
Doch die gemeinsame Reise könnte sich dem Ende nähern. Der Frage nach der sportlichen Zukunft wichen die Vize-Weltmeister aus. "Wir werden die Saison beenden, den Sommer genießen, ein bisschen freimachen. Ich habe einen Bundeswehr-Lehrgang. Dann schauen wir, wie es weitergeht, wie lang und in welchem Rahmen", sagte Hase. Als letzter großer Saison-Wettkampf steht die WM in Prag (24. bis 29. März) im Kalender.
