Olympia

"Vorstellung war Gold wert" Putin leidet mit Pluschenko

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(Foto: AP)

Nach seiner Kür ließ sich Jewgeni Pluschenko siegessicher feiern, nach dem Entscheid der Jury kochte es in ihm: Statt als erster Russe sein Olympia-Gold im Eiskunstlaufen zu verteidigen, muss er sich hinter Evan Lysacek mit Silber begnügen - obwohl der Amerikaner doch nur "Eistanz" betreibt! Trost spendet Russlands Regierungschef Wladimir Putin.

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Gedämpfte Freude: Wirklich freuen mochte sich Pluschenko über Silber nicht. Er hatte Gold verloren.

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Der Kalifornier Evan Lysacek lächelte die harschen Worte des Verlierers Jewgeni Pluschenko einfach weg. "Wenn ein Olympiasieger keinen Vierfach-Sprung beherrscht, dann weiß ich auch nicht ...", schimpfte der russische Silbermedaillen-Gewinner in Vancouver, "das ist kein Eiskunstlauf für Männer, das ist Eistanzen." Die flüssige Kür des 24 Jahre alten Weltmeisters aus den USA war aber mitnichten nur eine Tanzeinlage.

Im Gegenteil: Lysacek schlug den Goldmedaillengewinner von 2006 sogar mit dessen eigenen Mitteln: Die Sprünge waren blitzsauber, die Pirouetten einwandfrei. Pluschenko vermied hingegen beim "Liebestango" gerade noch einen Sturz beim Dreifach-Axel, er wackelte gewaltig. Dennoch verteilte er nach der Kür siegessicher Handküsse und ließ sich feiern. "Ich dachte, es war genug, und es hätte auch genug zum Gewinnen sein müssen", sagte der blonde Russe über seine eigene Leistung und schüttelte nur verständnislos den Kopf über die Preisrichter.

Unverständnis bei Putin

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Jewgeni Pluschenko: "Ich dachte, es war genug, und es hätte auch genug zum Gewinnen sein müssen."

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Die stuften vor 11.689 Zuschauern die getragene Eleganz Lysaceks höher ein als die wuchtige Dynamik Pluschenkos, dessen nach wie vor einzigartige Kombination aus vierfachem und dreifachem Toe-Loop eingeschlossen. Und sich dafür zu entschuldigen, sah der Weltmeister keinen Anlass: "Ein vierfacher Sprung ist natürlich ein schwieriges Element, aber nur ein Bestandteil einer kompletten Kür."

Pluschenko wollte davon und von eigenen Fehlern nichts wissen, stattdessen lederte er im russischen Staatsfernsehen weiter gegen Lysacek: "Ohne Vierfach-Sprung ist man kein wahrer Champion." Nur Stunden nach dem Triumph mischte sich sogar der russische Regierungschef Wladimir Putin in die Diskussion ein und sandte Pluschenko eine Botschaft. "Die außergewöhnliche Vorstellung war Gold wert", hieß es darin.

Lysacek konnte die Äußerungen seines Rivalen, der zu Beginn seiner Karriere fast ein Idol für ihn war, nicht begreifen. "Jewgeni hat mir einen der schönsten Momente meines Lebens schon ein bisschen verdorben", sagte der US-Amerikaner. Pluschenkos Kritik konterte er cool: "Wenn es ein Sprungwettbewerb wäre, würden wir zehn Sekunden für den besten Sprung bekommen. Es geht um die gesamte Vorstellung in 4:40 Minuten vom Anfang bis zum Ende. Und ich habe das Gefühl, es sehr gut gemacht zu haben." Seit Brian Boitano 1988 in Calgary gab es keinen Olympiasieger aus Nordamerika mehr, erst Lysacek beendete nach 22 Jahren die russische Ära. Bronze an den Japaner Daisuke Takahashi ging da ganz unter.

Revanche in Sotschi?

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Offene Kritik: Pluschenko nahm einen ungewöhnlichen Weg zum Silberplatz auf dem Podium.

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"Die Preisrichter sind auf einem Auge blind", kritisierte Pluschenkos Coach Alexej Mischin, dem unbegreiflich ist, dass die schwere Kombination aus vierfachem und dreifachem Toeloop so wenig Punkte brachte. Der Stachel saß tief bei seinem Schüler, der nun sogar Richtung Sotschi 2014 schielt: "Nach dieser Niederlage werde ich meine Hände nicht in den Schoß legen und aufhören." Dann wird er 31 sein und seine Knie werden kaum weniger schmerzen - eine Folge des ewigen Sprungtrainings.

Auch sein Rivale hat seine körperlichen Malaisen: Nach einem Ermüdungsbruch im vergangenen Jahr wurde Lysacek vorsichtiger, dann verpatzte er den Vierfach-Toeloop bei den nationalen Meisterschaften und entschied sich gegen das Risiko. Belohnt wurde er für seine ausgefeilte Schlittschuh-Technik und seinen Laufstil.

Quelle: n-tv.de, sid/dpa