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"Lama-Boy" Manfred Oettl Reyes staunt über einen verlorenen Stock.
"Lama-Boy" Manfred Oettl Reyes staunt über einen verlorenen Stock.(Foto: dpa)
Mittwoch, 24. Februar 2010

Riesenslalom im Lama-Anzug: Ski-Exoten genießen Olympia

Dem jungen "Lama-Boy" fiel schon beim Fahren der Stock aus der Hand, der alternde Ski-Prinz hatte die Zielraum-Interviews fest im Griff. "Es ist wie immer geil, es ist spannend. Hier geht es um den Look. Die ganze Welt schaut hier zu", tönte der für Mexiko startende Ski-Exot Hubertus von Hohenlohe beim olympischen Riesenslalom in Whistler. In seinem "Bandido"-Renndress mit aufgedruckten Pistolen und Patronengurten wollte der mit 51 Jahren älteste Teilnehmer seine fünfte und als letzte angekündigte Olympia-Teilnahme noch mal in vollen Zügen auskosten: "Achtet nicht auf meine Zeit, sondern auf meinen Style und auf meinen Anzug." 33,64 Sekunden lag er am Ende hinter Olympiasieger Carlo Janka (Schweiz).

Mit 51 Jahren der älteste Olympia-Teilnehmer: Hubertus von Hohenlohe.
Mit 51 Jahren der älteste Olympia-Teilnehmer: Hubertus von Hohenlohe.(Foto: AP)

Auch für den 16 Jahre alten Ski-Benjamin Manfred Oettl Reyes war in Whistler Creekside das Outfit Thema. Aber darüber redete der erste Winter-Olympiateilnehmer Perus in bestem bayerisch. Wenn er in Rennen unterhalb des Weltcups starte, "kimma die Leit'" und wollen seinen Anzug anfassen. "Alle denken, er ist gestrickt", erzählte Manfred Oettl Reyes. Sein Rennanzug ist kunterbunt mit aufgedruckten Lamas - und wirkt aus einiger Entfernung wirklich grobmaschig und gar nicht wie ein Hightech-Anzug. Mit seiner zwei Jahre älteren Schwester Ornella, die bei den Damen in Riesenslalom und Slalom gemeldet ist, bildet Manfred das erste peruanische Miniteam bei Winterspielen.

"Besser als Bode Miller"

Jamyang Namgial aus Indien.
Jamyang Namgial aus Indien.(Foto: dpa)

Geboren sind die beiden allerdings in München, aufgewachsen in einem Dorf am Chiemsee, inzwischen leben sie in Innsbruck in Österreich. Die peruanische Staatsbürgerschaft besitzen die Kinder eines deutschen Vaters und einer peruanischen Mutter seit Sommer des vergangenen Jahres. Dass sie in Kanada tatsächlich für die Anden-Nation bei Olympia dabei sein dürfen, stand erst vor wenigen Wochen fest. "Ich freue mich sehr, das ist wirklich toll", schwärmt Manfred Oettl Reyes - ärgerlich war nur der Verlust eines Skistocks während der Fahrt. "Für Sotschi habe ich gelernt, dass ich die besser festhalten muss."

Der erste Pakistaner bei Winterspielen: Muhammad Abbas.
Der erste Pakistaner bei Winterspielen: Muhammad Abbas.(Foto: AP)

Beendet hat der Teenager sein erstes Olympia-Rennen auf Platz 67, vom Sieger Janka trennten ihn mehr als 24 Sekunden - im Skirennsport sind das Lichtjahre. Doch der unterhaltsame Bursche mit der tiefschwarzen Zottelmähne konnte seinem Resultat durchaus Gutes abgewinnen. "Ich war besser als Bode Miller", scherzte er mit Blick auf den ausgeschiedenen Olympiasieger. Beim Slalom hofft er noch auf ein Autogramm von dem US-Star ("Da muss ich an Stift und Zettel denken"), und bis zu den Spielen 2014 in Sotschi will er sich auch sportlich verbessert haben.

Wie "Mani" und "Ella" Oettl Reyes leben in Whistler noch viele andere Ski-Paradiesvögel ihren Fünf-Ringe-Traum. Dow Travers von den karibischen Cayman-Inseln hat sich drei Wochen an der Uni frei genommen. "Ich fühle mich heute sehr olympisch", sagte er lächelnd. Jamyang Namgial aus Indien schwärmte von einem "Riesenerlebnis" und Muhammad Abbas - erster Pakistaner bei Winterspielen - war einfach "sehr glücklich".

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Quelle: n-tv.de