Technik
Notenblätter braucht "Amadeus Code" zum Komponieren sicher nicht.
Notenblätter braucht "Amadeus Code" zum Komponieren sicher nicht.(Foto: imago/ZUMA Press)
Donnerstag, 20. September 2018

Besser als Mark Forster und Co.?: "Amadeus Code" schreibt perfekte Popsongs

Wie leicht es sein kann, ein radiotaugliches Stück Popmusik zu schreiben, beweist das KI-Projekt "Amadeus Code". Anhand von Daten aus unzähligen Popsongs kreiert es neue Musik - und die klingt richtig gut.

Wer es im Musikgeschäft ganz nach oben schaffen und dort auch lange bleiben will, der braucht Talent, Durchsetzungsvermögen, Ausstrahlung - und ein Händchen für gute Songs. Dass man für ein paar veritable und leicht verdauliche Hits aber nicht unbedingt von der Muse geküsst sein muss, wird schnell klar, wenn man das Radio einschaltet. Hier klingen viele Songs irgendwie gleich und das ist kein Zufall, denn Popmusik folgt oft gewissen Schemata und kompositorischen Kniffen, die immer wieder angewandt werden. Das machen sich die Macher des AI-Projekts "Amadeus Code" zunutze, von dem "Tech Crunch" berichtet. Und das Ergebnis hört sich erstaunlich - oder erschreckend - gut an.

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Hinter den Computer-Songs von "Amadeus Code" stecken die japanischen Wissenschaftler und Musik-Experten Jun Inoue, Gyo Kitagawa und Taishi Fukuyama. Für ihre Songwriting-Maschine haben sie Dekaden von zeitgenössischen Songs und klassischer Musik und Stücke von großer wirtschaftlicher oder sozialer Bedeutung analysiert und "Amadeus Code" mit diesen Daten gefüttert. Das Ergebnis ist eine Künstliche Intelligenz (KI), die auf das Komponieren von ansprechenden Melodien spezialisiert ist. "Amadeus Code" kann aber noch mehr: Bei Youtube zeigen die Macher einen von "Amadeus Code" komponierten Song, einmal als Rohdatei mit MIDI-Sounds und einmal als "richtige" Version, eingespielt von echten Menschen mit Instrumenten.

"Amadeus Code" soll inspirieren

Das Ergebnis klingt richtig gut - böse Zungen sehen hier schon eine echte Konkurrenz zu Indie-Bands wie Mumford & Sons oder deutschen Pop-Sängern wie Mark Forster, Max Giesinger, Tim Bendzko und Co. Bei "Amadeus Code" geht es aber nicht darum, die Charts mit Roboter-Songs zu erobern - zumindest nicht direkt, erklärt Jun Inoue. Das Tool, das es übrigens auch als App für iOS-Geräte gibt, sei vielmehr als Inspirationsquelle für professionelle Musiker gedacht, denen auf der Suche nach der nächsten Millionen-Dollar-Melodie noch die zündende Idee fehlt. Über Umwege könnten die Kompositionen von "Amadeus Code" also doch in den Charts landen. Merken würde es wahrscheinlich niemand.

Dass KI irgendwann die richtigen, großen Stars ersetzt, glaubt Inoue aber nicht: "Die KI erzählt nichts von den inneren und äußeren Kämpfen und Schwierigkeiten, die Menschen durchleben. Diese echten, menschlichen Geschichten machen Musik aus. Wir sehen KI als weiteres Kreativ-Tool, genau wie Sampler oder Drum-Maschinen, mit dem Künstler die Grenzen von Pop-Musik erweitern können."   

Übrigens: Wie die Mechanismen des Popgeschäfts funktionieren, haben schon andere Künstler aufgedeckt. Im Buch "The KLF - Das Handbuch - der schnelle Weg zum Nummer-eins-Hit" erklärten die Musiker hinter dem Bandprojekt KLF schon 1988, wie einfach es ist, in den Charts zu landen. Satiriker Jan Böhmermann rechnete 2017 mit Deutsch-Pop-Stars wie Max Giesinger oder Tim Bendzko ab und bewies mit dem Song "Menschen Leben Tanzen Welt", wie einfach es ist, einen Radiohit zu produzieren - die Textzeilen bestehen aus Werbeslogans, Kalendersprüchen und Auszügen aus Deutsch-Pop-Songs, zusammengesetzt haben sie Schimpansen aus dem Gelsenkirchener Zoo.

Quelle: n-tv.de