Technik

Teuer, aber richtig gut Apple Watch 4 ist ihrer Zeit voraus

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Die Apple Watch 4 mit dem exklusiven Zifferblatt "Infograph".

(Foto: kwe)

Die neue Apple Watch ist nicht nur eine vorsichtige Weiterentwicklung, sondern ein großer Schritt nach vorne und klar die beste Smartwatch, die man derzeit kaufen kann. Leider müssen deutsche Nutzer auf wichtige Neuerungen warten und Radler müssen Sportsgeist zeigen.

Die große Show gehörte am 12. September ganz klar den neuen iPhones, doch eigentlich war die neue Apple Watch spannender. Denn während es bei den Handys nur Weiterentwicklungen und ein günstigeres LCD-Modell zu sehen gab, hat sich bei Apples Handgelenk-Computer sehr viel verändert. Technisch ist sie der Android-Konkurrenz jetzt weit voraus und sie kann jetzt tatsächlich Leben retten. Leider bremsen hierzulande langwierige Genehmigungsverfahren die Apple Watch 4 noch aus.

Größere Displays, schmalere Ränder

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Die Krone bietet haptisches Feedback.

(Foto: kwe)

Auf den ersten Blick sieht das neue Gerät wie das Vorgängermodell aus. Doch das ändert sich, wenn man die Watch einschaltet. Dann sieht man nämlich das neue Display, das rund 30 Prozent größer als bei der dritten Generation ist. Beim kleineren Modell wächst die Bildschirmdiagonale von 38 auf 40 Millimeter, bei der größeren Watch von 42 auf 44 Millimeter. Gleichzeitig nimmt die Auflösung von 272 x 340 und 312 x 390 Pixel auf 324 x 394 und 368 x 448 Pixel zu. Da die Displayränder deutlich schmaler geworden sind und Apple das Design runder gestaltet hat, ist die neue Uhr insgesamt kaum größer und sogar etwas schmaler als die Vorgängerin. So passen auch die bisherigen Armbänder an die Apple Watch 4.

Der Effekt ist beeindruckend, durch den Platzgewinn kann das Display wesentlich mehr Text und andere Inhalte darstellen. Außerdem ist es auf dem größeren Display viel einfacher, Apps per Touch zu bedienen. Apple zeigt mit einem neuen, exklusiven Zifferblatt für die Watch 4, was man nicht damit machen sollte. Denn "Infograph" liefert in Regenbogenfarben Infos zu bis zu acht "Komplikationen" im Zentrum und in jeder Ecke. Das ist einfach zu viel, sieht nicht gut aus und ist eher verwirrend als praktisch. Weniger ist hier mehr, beispielsweise die Uhrzeit und als Hintergrund ein schönes Fotos oder ein Album als Diashow. Aber zum Glück lässt Apple dem Nutzer die Wahl und es gibt auch viele gelungene Ziffernblätter in der Watch-App zu finden.

Einfachere und flottere Bedienung

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Die Uhr erkennt automatisch Stürze.

(Foto: kwe)

Neu ist auch die verkleinerte Krone, die beim Scrollen durch Apps ein haptisches Feedback liefert. Sie rastet quasi bei jeder angezeigten Vorschau ein, was die Auswahl erleichtert. Eine kaum sichtbare Änderung erleichtert den Umgang mit der Watch ebenfalls erheblich: Apple hat Mikrofon und Lautsprecher neu angeordnet. Dadurch muss man die Uhr bei Telefonaten oder der neuen Walkie-Talkie-Funktion nicht mehr dicht vor den Mund halten und der Klang hat sich deutlich verbessert.

Im Inneren werkelt mit dem S4 ein neuer Zwei-Kern-Prozessor, der der Watch ordentlich Beine macht. So startet sie ein gutes Stück schneller als die dritte Generation und Verzögerungen bei der Bedienung oder dem Öffnen von Apps sind endgültig Vergangenheit. Bei der Akku-Laufzeit hat sich nichts geändert, was weiter kein Problem ist. Schon mit der Vorgängerin kam man locker über den Tag und wenn man sie nur für Benachrichtigungen nutzt, hält sie auch bis zum Feierabend des folgenden Tages durch.

Sportlich gesehen kann die Watch 4 ansonsten nicht mehr als die Vorgängerin mit dem neuen Betriebssystem watchOS 5. Dazu gehört leider auch, dass Radfahren nicht automatisch erkannt wird. Wenn man dieses Training also nicht selbst aktiviert, wird nichts aufgezeichnet. Beim Laufen oder auch Gehen klappt dies vorzüglich, warum kriegt das Apple nicht beim Radeln hin? Seltsam.

Du bist gestürzt?

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Mit mehr und neu angeordneten Sensoren misst die Watch 4 den Puls noch genauer als das Vorgängermodell.

(Foto: kwe)

Die Sensoren der Watch 4 dürften das jedenfalls problemlos können. Sie bekommen nämlich auch mit, wenn der Nutzer stürzt. Reagiert er innerhalb einer Minute nicht, setzt die Uhr automatisch einen Notruf ab. Man muss die Funktion vorher aber in der Watch-App unter Notruf SOS aktivieren. Im Test wurden simulierte Stürze immer erkannt und kein Fehlalarm ausgelöst.

Das Gerät kann aber noch viel besser auf den Nutzer aufpassen, wenn man es lässt. Die Watch 4 erkennt, wenn dessen Puls zu schnell oder zu langsam ist und warnt ihn gegebenenfalls. Um genauer zu messen, hat die Apple Watch jetzt unter anderem vier statt zwei Laserdioden. Bei welchem Puls Alarm geschlagen wird, kann man unter Einstellungen - Herzfrequenz festlegen, standardmäßig sind das 120 und 40 Schläge pro Minute.

EKG-Funktion noch gesperrt

Schon diese Funktion ist wertvoll, die Watch 4 ist aber auch in der Lage, ein ziemlich genaues Elektrokardiogramm (EKG) anzufertigen, wenn man einen Finger an die Krone legt, die dafür zusätzliche Sensoren erhalten hat. So können Träger vorzeitig mögliche Herzrhythmusstörungen erkennen und sich vom Arzt untersuchen lassen. Patienten, die bereits Probleme mit dem Herzen hatten, können die Funktion zur Nachsorge nutzen und dem behandelnden Arzt Aufzeichnungen zur Diagnose liefern. Die Informationen werden im Chip der Uhr gespeichert. In Deutschland beziehungsweise in der EU gibt es für die EKG-Funktion der Watch aber noch keine Zulassung, wann sie Apple erhält, ist noch offen.

Unterm Strich ist die Watch 4 durch das größere Display und die stärkere Hardware schon eine deutliche Verbesserung und Apple zeigt der Android-Konkurrenz beeindruckend, wie Smartwatch geht. Durch die verbesserte Pulsmessung und die EKG-Funktion beschreitet sie neue Wege und kann letztlich zum Lebensretter werden. Dafür benötigt Apple in der EU aber erst noch die nötigen Genehmigungen und nicht jeder Patient wird sich eine Apple Watch 4 leisten können. Im günstigsten Fall kosten die 40-Millimeter-Modelle 430 Euro, mit eSIM 530 Euro. Für die größere Variante sind jeweils 30 Euro extra fällig.

Quelle: n-tv.de

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