Technik

Aus Anime wird Videospiel Captain Tsubasa: Tiger-Schuss ins Fanherz

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Titelheld, Symbolfigur, Vorbildfußballer - Tsubasa Ozora schafft es endlich auf den europäischen Videospielmarkt.

(Foto: Bandai Namco)

Mitte der 90er-Jahre erobern "Die tollen Fußballstars" die Fernsehbildschirme und Kinderherzen. Der Anime-Kult um den kickenden Edeltechniker Tsubasa Ozora hält bis heute an. Die neueste Videospielvariante nimmt Zocker mit auf eine nostalgische Reise, fernab jeder bekannten Fußballsimulation.

Es geht um Freundschaft, die Liebe zum Spiel, blitzschnelle Aktionen am Ball und unvorstellbare Torschüsse. Wer die Anime-Serie "Die tollen Fußballstars" mag, der wird die Videospiel-Umsetzung "Captain Tsubasa: Rise of New Champions" für Playstation 4 und Nintendo Switch abfeiern. Auch wenn es im Spiel aus dem Hause Bandai Namco an manchen Ecken Verbesserungspotenzial gibt und das Gameplay einige Logikfehler aufdeckt, fängt es den Charme der Serie um den fußballverrückten japanischen Jungen Tsubasa Ozora gelungen ein. Ein Fußball-Spiel so ganz anders als die immer nähe an die Realität heranrückenden Fifa oder Pro Evolution Soccer - mit hohem Unterhaltungswert und einer dicken Portion Nostalgie.

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Von Genzo Wakabayashi bis Hermann Kaltz - im neuen Tsubasa-Spiel sind alle mit an Bord.

(Foto: Bandai Namco)

"Die tollen Fußballstars", im Original "Captain Tsubasa", wurde in den 90er Jahren in Deutschland populär. Eine Anime-Serie, die Tsubasa Ozora von seiner Schulmannschaft Nankatsu bis hin in die japanische Junioren-Nationalmannschaft begleitet. Neben einem Online-Modus mit Freundschaftsduellen und Ranglisten werden im Spiel dann zwei große Tsubasa-Geschichten in Kampagnen-Modi verpackt. Die Basics lernt der Spieler in der ersten Storyline - hier schlüpft man in die Rolle des jungen Tsubasa Ozora und muss die Schullandesmeisterschaften gewinnen. Als Einstieg ideal, denn hier werden gleich noch einmal die wichtigsten Charaktere eingeführt.

Die zweite Storyline hat dann deutlich mehr Rollenspielelemente. Hier muss der Spieler seinen eigenen kleinen Fußballstar zusammenstellen und sich einer Schule anschließen, um schließlich Tsubasa herauszufordern. Aus regionalen Rivalitäten werden dann schnell internationale. Denn nach siegreichen Spielen gegen andere Schulteams geht es zusammen mit Tsubasa weiter zur Junioren-Nationalmannschaft, die an der WM in den USA teilnimmt. Der eigene Charakter kann im Laufe der Partien aufgelevelt und mit Spezialfähigkeiten ausgestattet werden. Dafür müssen individuelle Aufgaben gelöst oder die Freundschaften zu anderen Charakteren im Spiel aufgebaut werden - das funktioniert über eine Art Memory-System. Vor jedem Spiel werden fünf mögliche Mit- und Gegenspieler ausgewählt, die Fähigkeiten vermitteln sollen. Je nach Benotung der eigenen Leistung steigt die Wahrscheinlichkeit, den ein oder anderen Trick beigebracht zu bekommen.

Auge in Auge mit Karl-Heinz Schneider

Wirklich neu ist die Story nicht. Es handelt sich mit kleineren zeitgemäßen Abwandlungen um die Geschichte der ersten 128 Folgen aus "Die tollen Fußballstars". Spannend bleiben die Matches trotzdem dank der Dynamik und Dramatik, die anhand von Rivalitäten auf und abseits des Platzes aufgebaut werden. Zunächst fordern die Kapitäne anderer japanischer Schulen wie Kojiro Hyuga, Jun Misugi oder Hikaru Matsuyama Tsubasa heraus. Später sind es die internationalen Stars wie der Deutsche Karl-Heinz Schneider - eine namentliche Anlehnung an Karl-Heinz Rummenigge - oder der Franzose Eru ShidoPierre.

Was die ganzen gewichtigen Charaktere der Serie gemeinsam haben: Alle beherrschen spezielle Dribbel- und Schusstechniken. Ob Tiger-, Zwillings-, Falkenschuss oder Top-Spin - sowohl in der Serie als auch in der Videospielfassung bleibt dieses Element das Herzstück des Tsubasa-Kosmos und ist entsprechend pompös inszeniert.

Diese Highlights, auf die Fans der Serie dann stellenweise fünf bis zehn Episoden warten mussten, können Videospieler im Akkord auslösen. Da reiht sich eine Spezialschuss- oder Trick-Sequenz an die nächste. Gerade deshalb ist das Spiel von einer Fußball-Simulation weit entfernt. Arcade-Action würde wohl eher passen. Das Gameplay erfüllt mit einer Standardsteuerung für Sprint, Passen, Flanken und Schießen zwar die Grundvoraussetzungen, das war es aber dann auch schon mit den Möglichkeiten. Auch das Regelwerk ist auf schnellen und actionreichen Spiel ausgelegt. Daher gibt es auch keine Fouls. Es darf gegrätscht und gerempelt werden, was das Zeug hält. Das passiert ebenfalls stellenweise in Zwischensequenzen, die den Spielfluss unterbrechen. Dazu sind "normale" Tore kaum zu erzielen - es müssen schon die Superschüsse her.

Superschüsse nur selten super effektiv

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Und da kommt es leider zu einem Logikfehler, den die Spielmechanik herbeiruft. Die Spezialschüsse werden inflationär benutzt. Die Ausdauerleiste bei Spielern ist beim gegnerischen Torwart eine Willensleiste und die muss erst mit Schüssen abgearbeitet werden - also die Aktionen, die in der Serie als fast unparierbar gelten. Ganz selten kann man den gegnerischen Torwart mit einem Top-Spin-Schuss auf dem falschen Fuß erwischen. Dazu kommt, dass innerhalb der Story-Modi bestimmte Ereignisse getriggert werden und Gegentore unvermeidbar sind - egal, wie gut man spielt. Bedeutet: Um die Geschichte voranzutreiben, muss man auch mal einem Rückstand hinterherrennen.

Wer jetzt absolut nichts mit dem Namen Tsubasa Ozora oder Anime anfangen kann, der wird seine Probleme haben, sich mit dem Spiel anzufreunden. Ähnlich wie die Anime-Serie ist auch "Captain Tsubasa: Rise of New Champions" von zahlreichen Dialogen um Ehrgeiz, Freundschaft und Teamspirit geprägt. Das zieht sich an einigen Stellen selbst für Kenner, die japanische Synchronisation mit deutschen Untertiteln ist zwar charmant, aber auf Dauer anstrengend. Sollte es bei dem Namen des Titelhelden allerdings klingeln und Kindheitserinnerungen kommen zutage - dann darf man sich auf eine kurzweilige Kombination aus Action-Kick und Nostalgie freuen.

Quelle: ntv.de