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Geländetauglicher E-Scooter Der IO Hawk Exit Cross mag's dreckig

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Der IO Hawk Exit Cross braucht keinen glatten Asphalt.

(Foto: kwe)

Der IO Hawk Exit Cross ist ein etwas anderer E-Scooter: Er lässt sich zusammenklappen und ist geländegängig. Ob er damit alltagstauglicher als andere Elektroroller ist, hat n-tv.de ausprobiert.

Wer schon mal auf einem E-Scooter einer Sharing-Firma unterwegs war, weiß, dass die Flitzer mit ihren kleinen Rädern oft große Probleme bekommen, wenn sie nicht auf ordentlich asphaltierten Pisten unterwegs sind. Kopfsteinpflaster vibriert Fahrern die Sonnenbrille von der Nase, und selbst niedrige Kanten, kleine Unebenheiten oder schmale Rillen können die E-Scooter aus der Bahn werfen. Über Feldwege oder Wiesen mit so einem Ding zu hoppeln, möchte man sich gar nicht vorstellen.

Der IO Hawk Exit Cross ist da ein ganz anderes Kaliber. Er wurde speziell für schwierige Untergründe konzipiert und lässt sich für den Transport auch noch zusammenklappen. Ob er wirklich so hart im Nehmen ist, wie er aussieht, hat n-tv.de im Berliner Großstadtdschungel ausprobiert.

Nicht leicht, aber stabil

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Der Klappmechanismus ist stabil, aber unkompliziert.

(Foto: kwe)

Ein Leichtgewicht ist der IO Hawk Exit Cross nicht gerade. Obwohl er größtenteils aus Aluminium gefertigt ist, wiegt der E-Scooter rund 20 Kilo. Damit ist er im zusammengeklappten Zustand zwar transportabel. Aber man möchte ihn mit oder ohne den mitgelieferten Tragegurt nicht mehr als eine Etage hochschleppen oder weiter als ein paar Meter tragen. Dafür ist der Exit Cross sehr stabil gebaut, auch die Klappverbindung zwischen Lenksäule und Trittbrett wirkt vertrauenswürdig. Und wenn man den E-Roller nur in den Fahrstuhl oder eine S-Bahn schieben möchte, genügt es, die Lenkerenden umzuklappen.

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Das Trittbrett ist angenehm breit.

(Foto: kwe)

Dass der IO Hawk Exit Cross breiter als andere E-Scooter ist, ist einer seiner großen Vorteile - auch auf glatten Straßen. Denn während man auf den kleinen Miet-Rollern die Füße eher hintereinander platzieren muss, haben sie auf dem ausladenden und griffigen Trittbrett des Exit Cross bequem nebeneinander Platz. Das ist vor allem bei längeren Fahrten viel bequemer und man fühlt sich auf dem breiten Brett einfach sicherer. Auf dessen schleifpapierähnlichen Oberfläche rutscht man auch bei Regen nicht ab, der E-Scooter ist nach IP54 vor Staub und Spritzwasser geschützt.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist der höhere Schwerpunkt, der der größeren Bodenfreiheit des IO Hawk Exit Cross geschuldet ist. Das fühlt sich die ersten Kilometer etwas wackeliger an, aber dann merkt man den Unterschied nicht mehr. Und man weiß schnell zu schätzen, dass der E-Scooter die Bordsteinkante zur Hofeinfahrt ohne aufzusetzen nehmen kann.

Der kann was wegstecken

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Der E-Scooter hat dicke Reifen mit tiefem Profil.

(Foto: kwe)

Hart im Nehmen ist der IO-Hawk-Roller auch durch die wirksamen Stoßdämpfer und die dicken Reifen mit tiefem Profil. So ausgerüstet kann man nicht nur problemlos über Wiesen, Schotter- oder Sandpisten düsen. Mit dem Exit Cross fährt man auch noch auf Berlins übelsten Kopfsteinpflasterstraßen relativ entspannt, während Miet-Scooter-Fahrer heftig durchgeschüttelt werden.

Eine starke Leistung zeigt der E-Scooter auch bei Steigungen, mit seinem 500-Watt-Motor erklimmt der IO Hawk Exit Cross Berliner Berge mit Höchstgeschwindigkeit. Auf den Abfahrten leisten die Scheibenbremsen vorne und hinten sehr gute Arbeit.

Auch wenn der Roller Erschütterungen besser als andere E-Scooter wegsteckt, sollte man wie bei anderen E-Scootern immer beide Hände am Lenker lassen, weil man sonst schnell die Kontrolle verlieren kann. Das Testgerät kam noch ohne Blinker, hat aber bereits Kontakte dafür im Lenker und kann nachgerüstet werden, sobald IO Hawk für seine Leuchten eine Zulassung hat. Der Hersteller erwartet dies noch im Sommer.

Zu sehr gezähmte Kraft

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Zusammengeklappt passt der IO Hawk Exit Cross in den Kofferraum.

(Foto: kwe)

An die 20 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit hält sich der E-Scooter penibel. Weil er aber viel schneller könnte, drosselt das den Fahrspaß. Nicht weil man mit dem Ding gerne 45 km/h schnell fahren möchte. Das Problem liegt darin, dass der Roller sehr zügig die Höchstgeschwindigkeit erreicht, dann etwas vom Gas geht, wieder ein bisschen beschleunigt, bei 20 km/h erneut langsamer wird und so weiter. Das merkt man nicht stark und ausschließlich auf glatter, ebener Strecke, doch es nervt.

Nicht so schön ist auch die Angewohnheit des E-Scooters, auf einen Dreh am Gasgriff mit deutlicher Verzögerung zu reagieren. Laut Hersteller ist das eine Sicherheitsmaßnahme, da der Roller sonst zu stark beschleunigen würde. Beim Überqueren einer Kreuzung ist die Verzögerung aber eher gefährlich. Außerdem ist auf diese Weise dosiertes Fahren, beispielsweise im Fahrrad-Stau, nahezu unmöglich. Man beschleunigt, bremst, beschleunigt, bremst - da ist für die Ingenieure noch Luft nach oben.

Gute Reichweite

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Die hinteren Stoßdämpfer sind auch ein Blickfang.

(Foto: kwe)

Die Reichweite gibt IO Hawk für das Modell mit kleinerem LG-Akku (499,2 Wh) mit bis zu 30 Kilometer an, der besser ausgestattete E-Scooter (748,8 Ah) soll bis zu 48 Kilometer ohne Ladegerät auskommen. Geschätzt sind die Angaben bei gemütlicher Fahrweise ohne Gegenwind, auf ebener und glatter Strecke plausibel. Der Test-Roller mit dem größeren Akku kommt im Berliner Alltag geschätzt rund 35 Kilometer weit. Das ist nicht schlecht. Ist die Batterie hinüber, kann man sie laut Hersteller nachbestellen und einfach wechseln.

Der IO Hawk Exit Cross kostet je nach Akku-Größe 1100 oder 1200 Euro. Dafür bekommt man einen kräftigen und robusten Klapp-E-Scooter, der sich auch abseits von perfekten Radwegen wohlfühlt und lange durchhält. Prima sind außerdem seine breite Trittfläche und dass die Lenkstange auch an große Menschen angepasst werden kann. Etwas nervig ist lediglich die späte Gas-Annahme, an die man sich aber gewöhnen kann.

Quelle: n-tv.de

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