Technik

Fortsetzung mit wenig Glanz "Die Siedler" - früher war doch (fast) alles besser

CPU4618_TSR_New_Screenshot_Jorn_Village.png

Ein Hingucker ist "Die Siedler" in jedem Fall.

(Foto: Ubisoft)

Artikel anhören
00:00
Diese Audioversion wurde künstlich generiert. Mehr Infos | Feedback senden

Mit "Die Siedler" wird vor 30 Jahren ein echter Videospielklassiker ins Leben gerufen. Viele Fortsetzungen folgen. Mit "Neuen Allianzen" soll an den Erfolg der Vorgänger angeknüpft werden. ntv.de hat getestet, ob die neue Ausgabe mit dem Charme der alten Titel mithalten kann.

Der Bauernhof erzeugt Getreide, für die Ernte braucht es aber eine Sense. Die Mühle verarbeitet das Getreide zu Mehl, woraus der Bäcker Brot macht - dafür braucht dafür es aber Wasser. Produktionsketten wie diese waren das zentrale Element im Echtzeitstrategiespiel "Die Siedler" von Ubisoft. Mit der Fortsetzung der Reihe "Die Siedler - Neue Allianzen" specken die Entwickler ordentlich ab, was Ressourcenvielfalt und Produktionsabläufe angeht. Eine kurzweilige Simulation dürfte das PC-Spiel zwar für Neueinsteiger sein, Fans der Reihe sind allerdings stark unterfordert. ntv.de hat das Spiel getestet.

Die Zeichen standen seit der Ankündigung 2018 schon schlecht. Nach der Beta-Version im vergangenen Jahr gingen Fans auf die Barrikaden und übten Kritik an dem entschlackten Modell. Die Entwickler verschoben die Veröffentlichung um ein ganzes Jahr. Die Testmuster für die Presse kamen ebenfalls erst mit dem Release-Datum, was nie ein gutes Zeichen ist.

Immerhin: Die Kritikpunkte der Fans haben sich die Entwickler zu Herzen genommen und das Spiel etwas komplexer gestaltet, als noch in der Beta. Die Siedler -Urformel, die bereits 1993 ein Erfolg war, besteht weiterhin darin, eine funktionierende Siedlung aufzubauen, in der verschiedene Ressourcen erwirtschaftet oder erhandelt werden können, um letztlich eine Verteidigung aufzubauen und militärische Einheiten zu rekrutieren, um das Lager des Gegners einzunehmen.

Brot für den Booster

TSR_New_Screenshot_Maru_Village.png

Panorama kann "Die Siedler - Neue Allianzen".

(Foto: Ubisoft)

Bestimmte Gebäude und Einheiten erfordern unterschiedliche Ressourcen, entsprechend muss man so ziemlich alles bauen, von der oben genannten Farm über den Holzfäller bis hin zur Kohlemine. Während in den Vorgängertiteln vor allem Nahrungsmittel dringend benötigt wurden, um bestimmte Industriezweige zu "füttern", dienen sie in der neuen Ausgabe lediglich als Boost, um die Produktion zu beschleunigen. Strategisch gesehen gibt es einfach Ressourcen, die man vor allem in der Kampagne nur selten braucht.

Der Kampagnen-Modus für Einzelspieler ist bestenfalls Mittelmaß. Die Story in der Kurzfassung: Ein Volk wird aus seiner Heimat vertrieben. Auf zu neuen Ufern und das neue Inselparadies kennenlernen. Es gibt zwar Charaktere und Zwischensequenzen, doch die können den dünnen Plot nicht so recht tragen. Es läuft zu viel nach Schema F. Immer wieder sitzen die gleichen Charaktere um den Taktiktisch, nach Zwischenerfolgen kommen kurze Kameraschwenks über die Karte. So lernt der Spieler in 13 Missionen immerhin Schritt für Schritt neue Gebäude, Ressourcen und neue Einheiten kennen.

Wer sich dann mit anderen Siedlern messen will, kann sich im Multiplayer versuchen. Ganz ohne KI geht es hier aber auch nicht, denn auf der Karte sind Banditenlager verteilt, damit ein Spieler nicht per Überraschungsangriff einen Blitzsieg einfahren kann. Hier büßt das Spiel ein wenig an Dynamik ein.

Wo bleibt die Strategie?

TSR_New_Screenshot_Army_Battle.png

Wer mehr Einheiten hat, gewinnt in der Regel auch die Schlacht.

(Foto: Ubisoft)

Das neue "Die Siedler" hat ein großes Problem: Die Echtzeitstrategie- und die Aufbauelemente funktionieren, aber sind nicht im Einklang. Wie schon erwähnt sind einige Ressourcen nur optional, für ausgeklügelte Gefechte gibt es schlicht zu wenige Einheiten. Auch das Terrain der Karten spielt eigentlich keine Rolle. Daher entscheidet in Schlachten schlicht die größere militärische Schlagkraft.

Defensivbauten wie Geschütztürme haben zwar einen starken Abwehrmechanismus, dieser lässt sich aber leicht austricksen. Man schickt eine Einheit vor, um das Dauerfeuer des Turms auszulösen und wartet mit dem Rest der Armee, bis sich der Turm sozusagen leer geschossen hat. Dann heißt es vorrücken. Die Gefechte sind entsprechend wenig spektakulär und simpel, haben dafür ordentlich Wusel-Faktor, der die Reihe eigentlich so charmant macht.

Der tiefe Blick lohnt sich

TSR_Screenshot2_Comeback_130122_5PM_CET.png

Die Animationen im Spiel sind immer noch hübsch anzuschauen.

(Foto: Ubisoft)

Aber was ist denn eigentlich gut an "Die Siedler - Neue Allianzen"? In der Optik und im Detailgrad der Animationen steckt viel Liebe. Ingenieuren beim Bau der Gebäude zuzuschauen, dem Bauern auf dem Feld oder das muntere Treiben in den Straßen zu beobachten, bleibt ein faszinierender Aspekt. Auch die Kombinationsmöglichkeiten von Wohnhäusern lassen immer wieder interessante Strukturen im Stadt- oder Dorfbild erscheinen. Leider ist der Aspekt, eine schöne und gut funktionierende Kolonie auf einer idyllischen Insel zu erschaffen, nicht kriegs- oder gefechtsentscheidend.

Dazu kam es in der Testphase, also den ersten drei Tagen nach Release, sowohl in der Kampagne als auch im Multiplayer zu Abstürzen. Ein erster Patch soll das mittlerweile behoben haben.

Wer "Die Siedler"-Reihe nicht kennt, wird sich weniger über die Unterschiede zu den Vorgängerspielen aufregen, sondern ein hübsches Echtzeitstrategiespiel vorfinden, das für einige Stunden zu unterhalten weiß. Beim Vollpreis von 60 Euro wird aber schnell klar, dass der Umfang insgesamt zu dünn ist.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen