Technik

Gamescom-Perle mit Botschaft Wie der Nacktmull mit seiner Angst klarkommt

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Design wie ein Kinderbuch, vom Gameplay und thematisch auch etwas für Erwachsene.

(Foto: Twisted Ramble)

Videospiele sollen in erster Linie unterhalten. Kritische Themen behandeln sie nur selten. In dem Rätselspiel eines deutschen Entwicklerstudios plagen einen Nacktmull Selbstzweifel und Depression. Ein schwieriger Spagat, der gelingt.

Vor allem die großen Spieletitel ziehen die Besucher der Gamescom in ihren Bann. Dabei lohnt sich der Blick abseits der Triple-A-Games durchaus. Auf der Messe in Köln bietet die Indie Booth Arena eine eigene Plattform für kleinere Entwickler und ihre Spieleperlen, die sonst vielleicht unter dem Radar bleiben. Ein ganz spezieller Puzzle-Plattformer kommt dabei aus Deutschland. "Duru: A Game about Mole Rats & Depression" thematisiert Depression und Ängste, verpackt in einer Geschichte um einen rübenpflückenden Nacktmull mit Fell. Klingt überhaupt nicht depressiv - und das soll es auch nicht sein.

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Die Nebencharaktere im Spiel zeigen, welche unterschiedlichen Reaktionen im Umgang mit Depressionen entstehen können.

(Foto: Twisted Ramble)

Die drei Entwicklerinnen von Twisted Ramble erklären im Gespräch mit ntv.de, dass das Spiel vor allem leicht zugänglich sein und dennoch auf das Thema Depressionen aufmerksam machen soll. Das wirkt wie ein schwieriger Spagat. Nach dem Anspielen der Demo-Version kann man allerdings sagen, der gelingt "Duru" mit seinem charmanten Comic-Look durchaus.

Der Spieler schlüpft ins Fell des Mulls Tuli. Es gilt, kreativ Rätsel zu lösen, Höhlensysteme zu erkunden und Rüben einzusammeln. Mit einem Pinsel lassen sich - in begrenzten Rahmen - Gegenstände wie Steine und Felsblöcke malen, mit denen man Hindernisse überwinden oder Schalter umlegen kann. Alles ziemlich harmonisch, sollte man meinen, wären da nicht die Selbstzweifel und Ängste, die Tuli plagen. Diese manifestieren sich in Bel, einem pechschwarzen Mull, der fortan als ständiger Begleiter auftritt. Bel wird zum Ballast, den Tuli mitschleppen muss.

Entfernt sich Tuli zu weit von seinem bedrückenden Weggefährten, verdunkelt sich der Bildschirm und Bel beginnt zu weinen - ein Weitergehen ist nicht mehr möglich. Platziert der Spieler einen Stein auf einem türöffnenden Knopf, stößt ihn Bel unmittelbar danach wieder herunter. Schnell wird klar: Den Dauerbegleiter kann man nicht einfach abschütteln, ausblenden oder ignorieren, man muss lernen, mit ihm umzugehen. Genauso wie mit Depressionen und Ängsten.

Weil diese Assoziation aber vor allem erwachsenen Spielern bewusst wird, bleibt "Duru" auf der anderen Seite wunderbar kindgerecht. Die Rätsel reichen von offensichtlich bis ziemlich knifflig, dazu herrscht kein echter Erfolgsdruck: Rüben sammeln ist gut, aber nicht zwingend notwendig, um im Spiel voranzukommen. Auf Dialoge haben die Entwicklerinnen bewusst verzichtet, bildhafte Gedanken- und Sprechblasen leiten durch die Geschichte. Auch das macht den Zugang für jüngere Spieler leichter.

Die Idee ist den drei Gründerinnen von Twisted Ramble bereits 2017 nach ihrem Game-Design-Studium gekommen, durch Kickstarter-Kampagne und Landesfördermittel steuert die Entwicklung nun auf die Zielgerade zu. Kleinere Bugs sollen noch behoben werden, ehe "Duru: A Game about Mole Rats & Depression" im November für den PC auf den Markt kommen soll. Die Demo-Version kann man bereits kostenlos auf Steam anspielen.

Im Bestfall, so hoffen die jungen Entwicklerinnen, landet das Spiel dann später auf der Nintendo Switch. Für das kunterbunte Mario-Universum des japanischen Konsolenherstellers wäre der deutsche Export sicher eine Bereicherung, weil die Botschaft in "Duru" stark, aber nicht aufdringlich ist: Ängste sind ein Teil des Lebens - man muss lernen, mit ihnen umgehen und darf sie nicht verdrängen.

Rat und Nothilfe
  • Bei Suizidgefahr: Notruf 112
  • Beratung in Krisensituationen: Telefonseelsorge (0800/111-0-111 oder 0800/111-0-222 oder 116-123, Anruf kostenfrei) oder Kinder- und Jugendtelefon (Tel.: 0800/111-0-333 oder 116-111; Mo-Sa von 14 bis 20 Uhr)
  • Auf den Seiten der Deutschen Depressionshilfe sind Listen mit regionalen Krisendiensten und Kliniken zu finden, zudem Tipps für Betroffene und Angehörige.
  • In der deutschen Depressionsliga engagieren sich Betroffene und Angehörige, um die Situation und die Versorgung Depressiver zu verbessern. Sie bieten Depressiven ein E-Mail-Beratung als Orientierungshilfe an.
  • Eine Übersicht über Selbsthilfegruppen zur Depression bieten die örtlichen Kontaktstellen (KISS).

Quelle: ntv.de

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