Technik

0190-DialerKostspieliges Risiko für User

24.03.2002, 11:24 Uhr

Ein neuer Albtraum der Internet-Gemeinde in Deutschland: Computerprogramme, die über eine 0190-Nummer unbemerkt eine teure Verbindung ins Netz herstellen.

Im jüngsten Albtraum der Internet-Gemeinde in Deutschland erscheint immer eine teure Zahlenkombination: 0190. Verbraucher berichten von extrem hohen Telefonrechnungen, ohne dass sie mehr als sonst telefoniert oder im Internet gesurft hätten, Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) droht bereits mit einer gesetzlichen Regelung zum Schutz vor so genannten Dialern. Die Rede ist von Computerprogrammen, die über eine 0190-Nummer unbemerkt eine teure Verbindung ins Internet herstellen.

"Die hohen Telefonkosten entstehen dadurch, dass der User im Internet etwas anklickt, wohinter sich ein Dialer verbirgt", erläutert Axel Kossel, Redakteur der Computerzeitschrift "c't". "Dieser Dialer installiert sich auf der Festplatte, meist ohne dass der User darüber informiert wird, trennt dann die bestehende Internetverbindung und wählt sich sofort über eine teure 0190-Nummer wieder ein."

Bis zu 900 Euro pro Anruf

Problematisch sind hierbei die frei tarifierbaren 0190-0-Nummern, bei denen es keine festgelegte Höchstgrenze für die berechneten Gebühren gibt. Ein Unternehmen, das über eine solche Verbindung seine Inhalte anbietet und die Gebühren dafür letztlich zum größten Teil einsteckt, kann frei entscheiden, wie teuer die Verbindung sein soll. "Das teuerste, was mir jemals zu Ohren gekommen ist, waren 900 Euro pro Anruf", berichtet Kossel.

Der Internetnutzer kann an seiner Telefonrechnung jedoch nicht erkennen, wessen Dienst er in Anspruch genommen haben soll. Laut Kossel handelt sich hierbei um eine Wertschöpfungskette: das Telekommunikationsunternehmen mietet einen 0190-Nummernblock von der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) und vermietet diese Nummern dann weiter an einen Zwischenhändler, der die Nummern wiederum im Dienste anderer Unternehmen betreibt.

Telekommunikationsunternehmen reagieren

Da sich die Kundenbeschwerden häuften, haben einige Unternehmen inzwischen reagiert. Das Telekommunikationsunternehmen HanseNet beispielsweise bietet seit Mitte März keine frei tarifierbaren Nummern mehr an. "Auf der Telefonrechnung stand HanseNet als Netzbetreiber, daher fiel der Unmut der Kunden natürlich auf uns zurück. Dabei vermieten wir lediglich die Leitung", sagt Etta Schulze, Pressesprecherin von HanseNet.

Auch der Zwischenhändler eops AG hat die Tarife für die 0190- Nummern begrenzt: "Seit Anfang März ist es bei unseren Nummern nicht mehr möglich, durch einen einfachen Klick 50, 100 oder gar 300 Euro in Rechnung gestellt zu bekommen. Wir bieten nur noch 0190-Nummern mit einer Obergrenze von 25 Euro pro Einwahl an", erklärt Heiko Hubertz, Vorstand des Unternehmens. Laut Hubertz gab es über drei oder vier der von eops vertretenen Unternehmen Beschwerden, gegen eines davon ermittelt bereits die Polizei.

Juristische Grauzone

Die Nutzung von 0190-Nummern im Internet sei ursprünglich ein sinnvolles Verfahren gewesen, meinte Kossel: "Der User kann so sehr einfach kostenpflichtige Inhalte über das Internet beziehen, später wird dann unproblematisch über die Telefonrechnung abgerechnet." Problematisch sei der Missbrauch. "Besonders im "Rotlichtbereich" gibt es einen Riesenmarkt, der mit diesen Nummern operiert. Im Endeffekt stellt sich die Frage, ob zwischen User und anbietendem Unternehmen ein rechtsgültiger Vertrag zu Stande gekommen ist."

Über diese Frage streiten sich nicht nur Juristen. Noch gebe es keine höchstrichterliche Rechtsprechung dazu, sagt Edda Castello vom Hamburger Verbraucherschutz. "Bis jetzt gibt es lediglich eine Bundesgerichtshof-Richtlinie, die besagt, dass der Kunde nicht bezahlen muss, wenn ein Betrug stattgefunden hat. Das sollte aber eigentlich selbstverständlich sein." Da es sich hier um eine steigende Zahl von Fällen handele, bei denen es um sehr hohe Geldbeträge geht, rät die Verbraucherschützerin, sich gegen die Bezahlung des verdächtigen Rechnungsbetrages zu wehren. "Nur auf diese Weise kann man den Sumpf austrocknen."

Von Johanna Bartels, dpa