Technik

Indie-Perle mit Suchtpotenzial "Loop Hero" zelebriert die Retro-Zeitschleife

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Als namenloser Held dreht man in "Loop Hero" seine Runden.

(Foto: Four Quarters)

Es muss nicht immer Hochglanz und Bombast sein. Videospiele können auch mit ausgefeilten Gameplay-Kombinationen überzeugen. "Loop Hero" vereint gekonnt gleich mehrere Genres und präsentiert sich dazu im schicken Retro-Look der 80er Jahre.

Wer sich zu schnell im Kreis dreht, dem wird schwindelig. Wer sich im Leben im Kreis dreht, der kommt nicht voran. Kaum vorstellbar, dass ein Videospiel, in dem man permanent den gleichen schleifenförmigen Weg absolvieren muss, da Spaß machen soll. Das pixelige PC-Spiel "Loop Hero" beweist jedoch das Gegenteil und schafft mit einem Mix aus mehreren Genres eine knifflige und unterhaltsame Herausforderung für Spieler, denen Gameplay wichtiger ist als die Grafik.

Vorweg sei bereits erwähnt, in eine Schublade passt "Loop Hero" aus dem Hause Four Quarters nicht. Im Spiel, das mit einer charmanten Retro-Pixelgrafik und stilechten Soundeffekten aus den 80er Jahren aufwartet, ist ein ganzes Paket an Gameplay-Elementen verbaut. Rollenspiel, Adventure, Aufbaustrategie und sogar Kartenspielelemente sorgen für ordentlich Abwechslung, obwohl es eigentlich immer nur im Kreis herumgeht.

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Bauplan für Fortgeschrittene: In "Loop Hero" dreht man seine Runde, bis der Endboss kommt.

(Foto: Four Quarters)

Die Story ist nicht sonderlich komplex. Ein untoter Fürst hat die Welt und die Erinnerung daran untergehen lassen. In den mittelalterlichen Ruinen erwacht ein namenloser Held, der sich auf den Weg macht, seine Welt wieder aufzubauen. Das Spiel startet im Nichts, nur ein schleifenförmiger Pfad und ein Lagerfeuer ist zu sehen. Dort trifft unser Held auf die ersten Gegner, schleimige Blobs, die nach ihrem Ableben, Spielkarten hinterlassen. Mit Bergen, Wäldern, Bäumen bis hin zu Spinnenhöhlen und voller Moskitos wimmelnden Sümpfen beginnt der Spieler nun, die Welt neu zu bebauen. Mit jeder Runde kommen neue Gegner und neue Elemente werden freigegeben, um wichtige Ressourcen zu sammeln. Ziel jeder Runde ist es, möglichst viele Rohstoffe zu sammeln oder bis zum Untoten-Endboss vorzudringen und diesen zu besiegen.

Aber genau der Weg dorthin ist der Kniff. Stirbt der Held, verliert er einen Großteil seiner Rohstoffe und muss die Karte von vorne beginnen. Mit jeder Runde werden die Gegner stärker - ebenso wie die nützlichen Gegenstände, die sie fallen lassen. Je nachdem wie der Spieler seine Karte zusammenbaut, muss er entscheiden, welche Items er einsetzt, um die nächste Runde zu bewältigen. Die Gegneranzahl wird ebenfalls durch die Bebauung der Karte bestimmt. Errichtet man ein großes Gebirge, zieht das gefährliche Harpyien an, baut man vorwiegend Gesteinsbrocken in die Landschaft, errichten Trolle ihre Lager am Wegesrand.

Auto-Battles zum Mitfiebern

Je nach Gegnertyp und -anzahl muss der Spieler entscheiden welche seiner Fähigkeiten er mit Schwert, Schild, Rüstung und Ring aufbessert. Lebensraubender Vampirismus, Angriffsgeschwindigkeit, Magieschaden oder Verteidigung müssen geschickt kombiniert werden, um bis zum Endboss vorzudringen. Der Kniff bei der Sachen ist, dass die Kämpfe automatisiert ablaufen. Während man den Monstern zu Leibe rückt, kann man keinen Einfluss auf Attacken, Konter- oder Ausweichmanöver nehmen. Die erfolgen je nach Ausrüstung mit den jeweiligen prozentual verteilten Fähigkeiten. Bahnt sich eine Niederlage an, kann der Spieler das Level beenden und so deutlich mehr Ressourcen mit ins Lager nehmen.

Mit den Ressourcen lässt sich das Basiscamp ausbauen. Ob Friedhof, Farm oder Schmiede - alle Gebäude geben kleine Boni, die die unzähligen Rundläufe in den Levels leichter machen. Ohne diese Aufbaustrategie kommt man auch nicht bis zum Endboss.

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Aufbaustrategie in Form von Basisbau darf nicht fehlen.

(Foto: Four Quarters)

Trotz der andauernden Zeitschleifen kommt keine Langeweile auf. Von der Denkweise funktioniert "Loop Hero" eher wie ein Schachspiel, bei dem man mehrere Züge im Voraus planen muss. Es wird zu einer echten Tüftelarbeit, den richtigen Weg durch Level zu bauen und seinen Helden so zu gestalten, dass seine Fähigkeiten dazu passen. Und da steckt echtes Suchtpotenzial drin, denn oft scheitert man nur ganz knapp am Endboss und versucht ein paar kleine Stellschrauben im Camp oder am Kartenaufbau zu drehen, um es doch irgendwie zu schaffen.

Retro-Look mit Luft nach oben

Im Laufe des Spiels kann man sogar zwischen drei Klassen wählen: Krieger, Schurke und Nekromant. Alle stellen noch einmal unterschiedliche Fähigkeitentypen dar und können unterschiedlich ausgerüstet werden. Der Krieger setzt auf Rüstung und Angriffskraft, der Schurke auf hinterlistige und schnelle Attacken. Der Nekromant beschwört Tote, die ihm zur Hilfe eilen.

Abwechslung gibt es also genug in "Loop Hero". Die Gestaltung des Spiels hätte aber etwas liebevoller ausfallen dürfen. Trotz der pixeligen Retro-Grafik wäre bei Objekten und den kleinen Dialogsequenzen sicherlich etwas mehr Vielfalt drin gewesen.

Bei einem Preis von unter 15 Euro auf Steam und Dutzenden Stunden Spielspaß darf man sich aber eigentlich nicht darüber beschweren. Denn das Spielprinzip ist schlichtweg genial und der Dauerlauf in der Endlosschleife könnte kaum schöner sein - ganz ohne Schwindelanfälle und ohne das Gefühl nicht voranzukommen.

Quelle: ntv.de

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