Technik

Ego-Shooter für Buchliebhaber "Metro Exodus" - ein postapokalyptischer Russland-Trip

Metro-Exodus_4K_Announce-Screenshot_7_WATERMARK.jpg

Die Dampflok "Aurora" wird für Artjom und seine Freunde zur fahrenden Festung.

(Foto: 4A Games)

Der finale Teil der Metro-Reihe hat es in sich. Ein brillante Story findet in "Exodus" ihren Höhepunkt. Der Ego-Shooter fordert den Spieler mit Monstern, Kannibalen und Fanatikern. Der grafischer Augenschmaus kann zur echten Herausforderung werden.

Ob Naturkatastrophe oder Zombieapokalypse - Entwickler lassen Videospiele mit Weltuntergangsstimmung vorwiegend in westlichen Szenarios stattfinden. Die erfrischende osteuropäische Alternative bietet dagegen "Metro Exodus" von 4A Games. Im survivallastigen Ego-Shooter wird Russland nach einem Atomkrieg in Szene gesetzt - ein grafischer Augenschmaus, der für Spieler zur echten Herausforderung werden kann.

*Datenschutz

Nach "Metro 2033" und "Metro: Last Light" ist Exodus bereits der dritte Teil der Serie und auch dieses Mal schlüpft der Spieler in die Rolle des Soldaten Artjom, der nach dem nuklearen Vernichtungskrieg in Russland an Überlebenschancen an der Oberfläche glaubt. Er verlässt daher die Moskauer Metro und begibt sich mit einer Spezialeinheit auf die Suche nach einer nicht verseuchten Zone.

Auf der gepanzerten Lokomotive "Aurora" bahnt sich Artjoms Tross seinen Weg durch das postapokalyptische Russland. Die Areale wechseln dabei kapitelweise das Landschaftsbild - vom arktischen Winter, über Wüstengebiete bis hin zu Sumpf- und Waldlandschaften. Alle Gebiete haben ihren ganz eigenen Charme und bestechen durch Detailtreue und eine fantastische grafische Aufarbeitung. Die Umgebungen werden dann durch Tag-Nacht-Wechsel und neue diverse Wettererscheinungen noch zusätzlich belebt.

Das größte Monster bleibt der Mensch

PRINT_ONLY_Best_of_2019_4_Spring_PRINT_ONLY_png_jpgcopy.jpg

"Metro Exodus" zeigt, wie viel Schönheit in der Zerstörung liegen kann.

(Foto: 4A Games)

Die unterschiedlichen Missionen kommen eher aus dem klassischen Ego-Shooter-Bereich, wie einen Stützpunkt einnehmen oder einen Gegenstand beschaffen. Da der Spieler in Metro nicht von Quest zu Quest hetzt und zwischen den einzelnen Aufgaben stets ein langer Story-Block liegt, setzt nie Langeweile ein. Der neue Metro-Ableger verfügt über einen tollen Tempowechsel zwischen dynamischen Actionsequenzen und wichtigen sehr dialoglastigen Storyelementen. Bei Konversationen genau hinzuhören lohnt sich, denn dadurch werden erst einige Nebenmissionen möglich gemacht.

Gekämpft, gemeuchelt und geballert, wird in "Metro Exodus" natürlich ebenfalls. An Gegnern mangelt es auf keinem der Terrains. Der Atomkrieg hat durch Tiermutationen zwar zahlreiche monströse Wesen erschaffen, der Mensch bleibt für Artjom jedoch die größere Gefahr. In Form von Fanatikern, Kannibalen und Sklaventreibern stellen sie sich ihm entgegen. Dabei steht aber immer eine kontrollierte Kampfgestaltung statt wilden Schusswechseln im Vordergrund.

Metro-Exodus_1080_Announce-Screenshot_4_WATERMARK.jpg

Gruselige Kreaturen lauern im Ego-Shooter fast überall.

Denn beim Zielen wird der Spieler vor eine echte Herausforderung gestellt. Je nach Waffentyp, Bewegung und Ausdauer ruckelt das Fadenkreuz oder der Infrarotpunkt gewaltig. Für einen ungeübten Spieler gestaltet sich das Spiel dann - selbst beim Schwierigkeitsgrad 'normal' - sehr knifflig. Ein bis zwei Fehlschüsse sorgen schnell dafür, dass Artjom von Gegnern umstellt wird. Und dann war's das auch schon für unseren Protagonisten, der nach seinem Ableben am letzten Speicherpunkt wieder einsteigt. Der Auto-Save ist allerdings sehr fein getaktet und nach dem Dahinscheiden befördert es den Spieler nie allzuweit zurück. Dazu kann der Spieler fast sprichwörtlich zwischen jeder abgefeuerten Kugel die Schnell-Speichern-Funktion nutzen.

 

Ganz nah dran an der Buchvorlage

Liebe zum Detail beweisen die Entwickler auch bei den vielen Verweisen auf die Buchvorlage. Basierend auf dem Bestseller Metro 2035 von Dmitri Gluchowski erinnert der neue Metro-Teil immer wieder gerne an den literarischen Vorlagengeber. Alleine die Struktur des Spiels ist schon wie ein Buch aufgebaut. Übergänge zwischen den Kapiteln werden als Tagebucheinträge vom Protagonisten Artjom vorgelesen. Auch dessen im Spiel verfasstes Metro-Pedia ist in Buchform gehalten - mit vielen kunstvollen Skizzen und Zeichnungen.

ANZEIGE
Metro Exodus [Day One Edition] - [PlayStation 4] [AT-PEGI]
EUR 51,89
*Datenschutz

Gravierende Schwächen hat "Metro Exodus" nicht. Einen kleinen, dafür aber witzigen, Wermutstropfen liefert die deutsche Synchronisation. Die sorgt an einigen Stellen des Spiels für Lacher. Wenn ein Mitfünfziger seine erwachsene Tochter erotisch angeseuselt "Baby" nennt, oder Artjom der Aufforderung folgt, mal "frische Luft zu schnappen", obwohl die Umgebung draußen total verseucht ist. Da lässt sich zumindest ein Schmunzeln nicht vermeiden.

Dennoch bleibt die Story das größte Plus des Spiels. Neueinsteiger dürften aufgrund der tollen Landschaften schnell mit dem Russland-Setting warmwerden. Wo die ersten beiden Teile der Serie vorwiegend in Moskaus Untergrund stattfanden, bietet der neue Teil eine offene Spielwelt unter Tageslichtbedingungen. Den Entwicklern gelingt es dabei immer wieder Zweifel zu säen, ob der Krieg ausgestanden ist, oder eben nicht. So mutiert "Metro Exodus" im Laufe des Spiels zu einem Shooter mit Polit-Elementen.

Metro Exodus ist ab sofort für Playstation 4, Xbox One und PC erhältlich.

 

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema