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Nutzer haben weiter die freie Browser-Wahl, auch wenn es Microsoft nicht mehr anzeigen muss.
Nutzer haben weiter die freie Browser-Wahl, auch wenn es Microsoft nicht mehr anzeigen muss.(Foto: dpa-tmn)
Donnerstag, 18. Dezember 2014

Das kommt raus, wenn die EU brüllt: Microsoft entfernt Browser-Auswahl

Nach fünf Jahren entfernt Microsoft die von der EU-Kommission aufgezwungene Browser-Auswahl still und leise aus der Windows-Installation. Fast hätte es niemand bemerkt.

Im Dezember 2007 reichte der Browser-Anbieter Opera bei der EU-Kommission eine Klage gegen Microsoft ein. Das norwegische Unternehmen sah sich durch die Praxis des Software-Riesen benachteiligt, den Internet Explorer bei der Windows-Installation automatisch mitzuinstallieren und als Standard-Browser festzulegen. Man tue dies im Namen aller Nutzer, "die es leid sind, dass ein Monopolist für sie entscheidet", hieß es damals in Operas Pressemitteilung. Das Unternehmen forderte unter anderem, den IE herauszulösen und/oder alternative Browser ebenfalls vorzuinstallieren.

Dieses Fenster zeigt Microsoft ab sofort nicht mehr.
Dieses Fenster zeigt Microsoft ab sofort nicht mehr.(Foto: Screenshot)

Microsoft wehrte sich lange gegen die Klage, der sich 2009 nach Firefox-Entwickler Mozilla auch Google angeschlossen hatte. Der Suchmaschinen-Gigant hatte kurz zuvor seinen Chrome-Browser auf den Markt gebracht und selbst noch kein EU-Verfahren wegen seiner Vormachtstellung am Hals. Ende 2009 einigten sich Microsoft und die Kommission schließlich darauf, dass Nutzern bei der Windows-Installation IE-Alternativen vorgeschlagen werden. Unter ihnen die Kläger-Software und andere Suchmaschinen-Alternativen, wie Maxthon. Das Wettbewerbsverfahren wurde eingestellt.

Fehler kostet Microsoft halbe Milliarde

Die Vereinbarung galt für fünf Jahre. In dieser Zeit achtete die EU-Kommission mit Argusaugen darauf, dass Microsoft sich auch daran hielt. Das bekam der angebliche Monopolist noch im März 2013 zu spüren, als ihn die EU um 561 Millionen Euro erleichterte, weil bei einer Windows-7-Aktualisierung das Auswahlfenster "vergessen" wurde.

Jetzt sind die fünf Jahre rum und Microsoft hat die Browserauswahl abgestellt. "Microsoft hat das Browserauswahl-Update gemäß einer Entscheidung der EU-Kommission im Dezember 2009 bereitgestellt. Die durch diese Entscheidung auferlegten Verpflichtungen sind nicht mehr gültig. Neuen Benutzern wird daher das Browserauswahl-Update nicht mehr bereitgestellt", teilt das Unternehmen lapidar auf der entsprechenden Webseite mit.

Was hat das Kräftemessen der mächtigen EU-Kommission mit dem US-Giganten gebracht? Feststeht, dass der Initiator der Klage nicht wie erhofft profitierte. Laut "Browser-Statistik.de" hat Opera systemübergreifend in Deutschland aktuell einen Marktanteil  von 2,5 Prozent, im Dezember 2009 waren es noch 3,5 Prozent. Mit 30,5 Prozent führt Firefox vor Chrome, den 26 Prozent der deutschen Internetnutzer bevorzugen. Safari folgt mit 19,5 Prozent auf Platz 3. Microsofts Internet Explorer ist mit 12,7 Prozent nur noch Vierter.

Gewonnen haben eigentlich nur Chrom, das beim Klageeinstieg einen Marktanteil von 2,7 Prozent hatte und Safari, das sich von 4,6 Prozent nach oben arbeitete. Firefox dominierte 2009 mit fast 60 Prozent, der Internet Explorer war mit 36,1 Prozent noch Zweiter.

Weltweit hat nach wie vor Microsoft die Nase vorne. "Netmarketshare" hat ermittelt, dass alle IE-Versionen derzeit zusammen rund 59 Prozent Marktanteil erreichen. Chrome kommt auf knapp 21, Firefox auf rund 13, Safari auf fast 6 Prozent. Opera existiert hier mit rund 0,9 Prozent Marktanteil fast gar nicht mehr.

Quelle: n-tv.de