Technik

"Nimm mich direkt hier!" Nordkorea lädt US-Pornos herunter

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Auch Staatschef Kim Jong Un (links, sitzend) benutzt Computer.

(Foto: REUTERS)

Über 1024 IP-Adressen kann Nordkorea frei verfügen. Die Bevölkerung hat kaum Zugang. Anders das kommunistische Regime, dessen Rechner einer Analyse zufolge auch Dateien bei Bittorrent bereitstellt. Darunter: Pornos, TV-Serien, Spionage-Software - sowie ein überraschendes Beratungsbuch.

Nordkorea ist nicht nur politisch, sondern auch informationstechnisch größtenteils von der Außenwelt abgeschnitten. Zugang zum Internet erhalten nur privilegierte Personen, etwa Angehörige des kommunistischen Regimes. Doch die beschränkten - und wohl streng kontrollierten - Zugänge halten die Mitarbeiter offenbar nicht davon ab, ihren Vorlieben für Inhalte aus den USA im Netz nachzugehen, wie Daten des Unternehmens "Scaneye" ergeben.

So wurden aus Nordkorea in den vergangenen Monaten unter anderem Pornos, US-Fernsehserien und Spionage-Software heruntergeladen sowie bereitgestellt, wie torrentfreak.com analysiert. Die IP-Adressen sind demnach auf die diktatorische Führung von Kim Jong Un registriert. Der Konsum von Produktionen wie "How I Met Your Mother" dürfte der Gesinnung des Regimes nicht entsprechen. Auch die Thriller-Serie "The Following" findet sich in den Dutzenden aus Nordkorea stammenden Protokolleinträge aus dem Filesharing-Netzwerk Bittorrent.

Importierte Heimdekoration

Nordkoreanische Regierungsmitarbeiter haben den Angaben zufolge auch eine Vorliebe für die japanische Porno-Darstellerin Marica Hase und ihre US-Kollegin Alice Frost. Ebenfalls unter den Einträgen ist die Datei "Klara_Take_Me_Right_Here!_HD.mp4". "Amerikanische Unterhaltung kennt keine Landesgrenzen", spottet Torrentfreak. Neben den US-Filmen "Death From Above" und "Life of Pi" sticht "The Complete Home Decorating Idea Book" aus den Einträgen in der Scaneye-Datenbank heraus.

Scaneye hat sich auf die Analyse von Bittorrent spezialisiert. Über das Bittorrent-Protokoll werden große Dateien von verschiedenen, wechselnden Quellen gleichzeitig heruntergeladen und am Ende zusammengesetzt. Damit ist kaum nachvollziehbar, woher etwa ein Film ursprünglich kam. Die dazu nötigen Ausgangsdateien stellen Websites wie "The Pirate Bay" bereit.

Rund 1300 IP-Adressen

Mit der Regierungslinie einher gehen könnte zumindest die Beschaffung der Spionage-Software "Net Monitor for Employees". Mit der Software kann etwa die Bildschirmanzeige eines anderen Rechners überwacht werden, ähnlich einer Videokamera. Zudem kann der Nutzer andere Computer darüber steuern und sperren.

Auf die rund 24 Millionen Einwohner Nordkoreas kommen insgesamt nur rund 1300 registrierte IP-Adressen. Vor dem Jahr 2009 hatte das Land sogar nur Zugriff auf 256 Adressen, die zudem von einem chinesischen Anbieter bereitgestellt wurden. Dazu kommen inzwischen 1024 eigene. Das Regime ist sehr restriktiv bei Internetzugängen. So soll etwa die Technische Universität in der Hauptstadt Pjöngjang nur eine einzelne IP-Adresse verwenden. Intern betreibt das kommunistische Land ein eigenes Breitbandnetzwerk.

Quelle: n-tv.de

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